Monatsarchiv: Januar 2009

Reclams Universal-Notizbuch

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Eine witzige & praktische Alternative zum allgegenwärtigen Kultobjekt Moleskine. (Das hat ja sogar Frank Schätzing!) In UB-Gelb, mit „original UB-Papier“.

128 Seiten, kariert, im Pappschuber und mit Bleistift. Da sind 5 Euro doch nicht zuviel. Immerhin ist damit garantiert, dass Ihr Geschreibsel es in Reclams Universal Bibliothek schafft!


Brockhaus – und nun…?

brockhaus-logo-rotneuUpdate zu: Brockhaus Enzyklopädie bald online

Der schöne Traum von der Online-Enzyklopädie dürfte ausgeträumt sein. Diese Meldung hat nicht so viele Wellen geschlagen, wie die von der kostenlosen Variante der Brockhaus-Enzyklopädie…

Das Bibliographische Institut mit Sitz in Mannheim verkauft zum 31.12.2008 die Rechte an der Marke Brockhaus und alle Brockhaus-Werke an die wissenmedia GmbH, ein Tochterunternehmen der zur arvato AG gehörenden inmediaOne-Gruppe. Der Verkauf steht derzeit noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes. (Pressemitteilung vom 17.12.08)

Die arvato AG ist Teil des Bertelsmann-Konzerns. Und mit der Übernahme von Brockhaus ist jetzt Bertelsmann der einzige ernst zu nehmende Anbieter von allgemeinen Lexika in Deutschland. Denn das Bibliographische Institut wird in Zukunft keine Nachschlagewerke mehr herausgeben – auch nicht unter der Marke Meyers. Das ist – so „gewöhnlich gut informierte Kreise“ – Teil der Abmachung.
Schon eine merkwürdige Vorstellung, dass bald alle Lexika in Deutschland aus dem Hause Bertelsmann kommen werden…


Neal Stephenson: Anathem (2)

anathem-02Eigentlich hatte ich vor, während des Lesens, wie bei anderen Einträgen in der Rubrik „Lesetagebuch“, meine Eindrücke zu schildern. Das lasse ich aber bleiben: ich habe Sorge, dass ich zu viel verraten würde. Ich möchte nicht den Spass verderben, den man mit diesem Buch haben kann.
Seit wirklich langer Zeit ist „Anathem“ wieder ein Buch, bei dem ich schon jetzt (rund 200 Seiten vor dem Ende) traurig bin, weil es bald vorbei sein wird. Ich möchte noch ganz lange in der Gesellschaft von Fraa Erasmas, Fraa Lio und Fraa Arsibalt verbringen, möchte ihnen bei ihren Diskussionen zuhören und erleben, wie sie Probleme lösen. Für mich noch immer das Highlight (trotz einer durchaus spannenden Story und einiger abenteuerlicher Einlagen): die Art und Weise, wie die Avout (jedenfalls die aus Saunt Edhar – es gibt auch andere), mit intellektuellem Eifer ihre Welt zu verstehen versuchen. Sie sind keine religiösen Fanatiker:

„That’s funny because if anyone actually did prove the existence of God, we’d just tell him ‘nice proof, Fraa Bly’ and start believing in God,“ I said.

Sie sind aber auch keine unmenschlichen Logiker (wie vielleicht die Vulkanier aus „Star Trek“). Sie sind Menschen mit menschlichen Bedürfnissen, die aber gelernt haben, dass sich Probleme leichter lösen lassen, wenn man vernünftig darüber redet und nachdenkt. So wenden sie zum Beispiel regelmässig eine „Technik“ an, die als Gardan’s Steelyard bezeichnet wird (und in unserer Welt Ockhams Rasiermesser heisst). Ganz einfach gesagt: bei zwei Theorien, die einen Sachverhalt erklären, ist in der Regel die richtig, die einfacher ist. Beim Lesen von „Anathem“ frage ich mich immer wieder, warum wir solche Techniken nicht im Alltag einsetzen? Und warum es so viel Bulshytt um uns herum gibt…

Bulshytt: (1) In Fluccish of the late Praxic Age and early Reconstitution, a derogatory term for false speech in general, esp. knowing and deliberate falsehood or obfuscation. Weiterlesen


J. Needle / P. Benson: Herman Melvilles „Moby-Dick“

needle-moby-dickFans von „Moby-Dick“ sind ja grundsätzlich zurückhaltend, was „Jugendausgaben“ ihres Lieblings angeht. Zu recht, denn häufig sind diese Ausgaben lieblos zusammengestrichene Versionen, die vom Charme des ursprünglichen Buchs nichts mehr spüren lassen. Umso erfreulicher, wenn einem dann eine Ausgabe in die Hände fällt, der es gelingt, ein breites Lächeln ins Gesicht zu zaubern…
Im Verlag Sauerländer (Patmos-Gruppe) erschienen, fällt der Band schon äusserlich auf: fast quadratisch (24 x 28 cm), fest eingebunden und mit einem wunderschönen Cover. Ein Bilderbuch? Beinahe…
Ein Blick ins Buch bestätigt den guten ersten Eindruck. Ausdrucksstarke Zeichnungen (von Patrick Benson), teilweise farbige Doppelseiten, jedes Kapitel beginnt mit einer schönen Vignette. Der Text ist stellenweise dünn, dann wieder fetter gedruckt. Warum? Der fettgedruckte ist Original-Melville (etwas gekürzt, folgt der Mummendey-Übersetzung), der dünngedruckte Teil ist vom Autor Jan Needle. In dessen Passagen wird die Geschichte weitererzählt, wir erhalten Hintergrundinformationen und teilweise sogar schon Deutungen. Durch diesen Kunstgriff wird (wenigstens zum Teil) die Sprachgewalt Melvilles erhalten und dennoch das Buch auf eine jungen Lesern zumutbare Länge gebracht. Ausserdem wird dem jungen Publikum einiges erläutert, was sonst einfach unverständlich wäre. (Zusätzlich gibt es im Anhang noch ein Glossar, das viele seemännische und andere Begriffe erklärt).

„…An ihrem erwürdigen Ruder verschmähte sie ein Steuerrad und hatte statt dessen eine Pinne, und diese war in einem Stück aus dem langen, schmalen Unterkiefer ihres Erbfeindes geschnitzt. Ein edles Fahrzeug, aber irgendwie höchst schwermütig. Alle edlen Dinge tragen einen Anflug von Schwermut.
~ Ismael verschweigt uns, dass Pequod (oder Pequot) der Name eines hundert Jahre zuvor ausgerotteten Indianerstamms ist; der Name Pequod erinnert also an Tod und Sterben. Der Bereich, wo der Steuermann arbeitet, wird als >>ehrwürdig<< beschrieben, doch die Ruderpinne besteht aus einem Walunterkiefer. Das Schiff ist aufgeputzt mit Trophäen von abgeschlachteten Walen, es ist >>barbarisch<< und ein >>Kannibale<<. ~ Ismaels düstere Vorahnungen nehmen zu, als er zwei seltsame alte Männer trifft, denen das Schiff gehört. Beide sind Quäker und waren früher Kapitäne. Sie heissen Peleg und Bildad, und sie versuchen ihn geschickt zu beschwindeln, damit er sich beim Anheuern auf der Pequod mit viel weniger begnügt, als er erwartet (und als ihm zusteht). ~ Ismael wusste schon, dass man bei den Walfängern einen gewissen Anteil am Ertrag der Fangreise erhält, den man Lay nennt, und die Höhe dieser Lay sich danach richtete, wie gross die Erfahrung und Einsetzbarkeit des jeweiligen Mannes war.“

Man kann den Sinn anzweifeln, den gekürzte Ausgaben von Klassikern generell haben; man kann sich auch fragen, ob man eine Jugendausgabe von „Moby-Dick“ überhaupt braucht (Altersempfehlung für diese Ausgabe: ab 10). Die vorliegende Ausgabe macht meiner Ansicht nach jedenfalls alles richtig und ist meine Jugend-Ausgaben-Empfehlung! Nicht ganz billig (24,90 Euro) ist das Buch dennoch sein Geld wert, schon allein wegen der wunderschönen Aufmachung. Geeignet zum Vorlesen und „drüber reden“, zum Selberlesen für geübte Jung-Leser und auch für „Grosse“, die sich (noch) nicht recht an den umfangreichen „Moby-Dick“ herantrauen und hier eine gut lesbare, verständliche und nicht (zu sehr) verstümmelte Ausgabe finden.


Neal Stephenson: Anathem (1)

anathemEs gibt Bücher die so grossartig sind, dass man nichts anderes mehr lesen, hören, sehen oder machen möchte. Anathem von Neal Stephenson ist ein solches Buch. Feiertage haben mir leider bisher zu wenig Zeit gelassen, mich so zu vertiefen, wie ich’s gern getan hätte. Bislang erst bis Seite 130 gekommen, kann ich soviel schon sagen: fantastisch!

„Anathem“ spielt in einer Welt, die nicht unsere ist, ihr aber doch in vielen Dingen sehr ähnlich ist. Diese Welt, Arbre, besteht aus zwei (meistens) streng getrennten Gesellschaften: die Saeculars und die Avout. Während die Saeculars ganz normal leben, Erfindungen machen, Kriege führen – und ihre Zivilisation auf- und wieder absteigt, leben die Avout in etwas, was am ehesten an Klöster erinnert. Sie tragen Kutten und Sandalen, reden sich mit Fraa und Suur an und ihr Leben wird durch Glockengeläut strukturiert. Grundlegender Unterschied zu Mönchen wie wir sie kennen: Gott spielt hier keine Rolle – es sei denn, man bezeichnet reine Wissenschaft als Gott. Die Avout in Stephensons „Anathem“ sind theoretische Wissenschaftler, die nach mathematischen Beweisen und endgültigen Wahrheiten suchen. Theorics nennen sie sich, im Gegensatz zu den Praxics früherer Zeiten. Diese Unterscheidung ist lebenswichtig, denn die praktischen Anwendung des erworbenen Wissens hat mehr als einmal fast zur Auslöschung der Avout geführt. Auslöschung durch die Saeculars.
Das wirklich faszinierende an dieser Welt ist ihre Kontinuität. Die Avout blicken auf nahezu 4000 Jahre Geschichte nach der Reconstitution zurück, zu diesem Zeitpunkt wurde das System der Maths eingeführt, das noch immer gilt. Und vor diesem „Jahr 0″ reicht das Wissen der Avout noch weiter zurück, rund 2500 Jahre! In diesen langen Jahren haben sie Auf- und Abstieg der Zivilisation um sich herum beobachtet, mal standen Wolkenkratzer neben ihrem Kloster, dann wurde die Stadt wieder auf eine Kanonenstellung reduziert. Der Blickwinkel, der sich aus dieser Position ergibt ist atemberaubend.

Das alles muss (darf!) sich der Leser selbst erarbeiten. Es ist nicht ganz leicht. Stephenson verwendet eine Menge Begriffe, die es entweder so nicht gibt oder die er für seine Zwecke ummünzt. Vieles leiht er sich aus anderen Sprachen, z.B. italienisch, französisch, deutsch. („Anathem“ ist bisher nur in englischer Sprache erhältlich. /Edit: kommt aber im Januar 2010 auf deutsch!/) Die Anrede Fraa zum Beispiel erinnert sehr an das italienische „Fra“ – und damit verbindet jeder Leser wohl bestimmte Assoziationen, gleiches gilt zum Beispiel auch für den Begriff Mynster (für das Hauptgebäude des „Klosters“) – diese Assoziationen führen aber manchmal in die Irre…

Auf Seite 130 hat die eigentliche Handlung noch kaum begonnen, der Leser beginnt erst zu ahnen, wie komplex die Welt von „Anathem“ ist. Man muss einen langen Atem mitbringen, um dieses Buch zu mögen. Wer aber diese Herausforderung nicht scheut, der wird mit einer fiktiven Welt voller Wunder belohnt!

P.S.: Überhaupt erst aufmerksam geworden auf das Buch bin ich durch Hape42! Danke!

Zweiter Teil der Besprechung hier: Anathem (2)


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