Monatsarchiv: Mai 2010

bp Livestream vom Meeresgrund…

Den Livestream hier direkt ansehen:

posted with vodpod

(Sollte der Server für diesen Livestream (das ist nur einer von mehreren bp-livestreams, die von den verschiedenen Unterwasserrobotern stammen) nicht verfügbar sein, findet sich hier noch der Link zur offiziellen bp-livestream-Seite, wo auch steht :Please be aware, these are live streams and may freeze or be unavailable from time to time.)

Eine schöne Übersicht über all diese Livestreams gibt eshier: http://www.wkrg.com/gulf_oil_spill/spill_cams/

Ist schon beeindruckend. Nicht nur dass diese Bilder aus über 1500 Meter Tiefe kommen. Sondern auch, dass wir sie überhaupt sehen dürfen. Dass man bp dazu verdonnert hat, diesen livestream zugänglich zu machen…


Olen Steinhauer: „Der Tourist“ vs. John LeCarré: „Dame, König, As, Spion“

Ich muss hier mal ganz unfachmännisch einfach meine Ansicht zu zwei Büchern loswerden, die mich beide nicht vom Hocker gehauen haben. Ein recht neues – „Der Tourist“ von Olen Steinhauer – und ein recht altes – „Dame, König, As, Spion“ von John LeCarré. (Auf dem Bild ist übrigens die Vorabversion von „Der Tourist“ zu sehen, im Handel sieht das Buch ein wenig anders aus…)
Beides Spionageromane, die sich weniger um Spionage als um Spione drehen, in beiden geht es um Verrat in den eigenen Reihen, um Doppelagenten, um Maulwürfe.

In „Der Tourist“ gibt es eine Passage, die haargenau das schildert, was den Leser im Buch erwartet:

In Spionagefilmen gab es immer ein klares Ziel. Die Tonbandaufnahme eines Gesprächs, die irgendeine bedeutsame Tatsache bewies. Ein Mann, der die Antworten auf bestimmte Fragen kannte. Genau diese Schlichtheit machte solche Geschichten unterhaltsam. Doch in Wirklichkeit folgte die nachrichtendienstliche Arbeit nur äußerst selten einer klaren Logik. Fakten sammelten sich an, viele von ihnen völlig nutzlos, manche verheißungsvoll, aber letztlich trügerisch. Nur mit großer Geduld und einem geübten Auge konnte man entscheiden, was Beachtung verdiente und was nicht.

Mit reichlich nutzlosen Fakten wird der Leser konfrontiert, klare Logik gibt’s nicht, garniert wird das Ganze mit einem Schuss Action. Sehr lange blieb (jedenfalls für mich) ganz unklar, worauf das Buch eigentlich hinauswill. Bei mir erzeugte die Lektüre Kopfschütteln. So hatte ich mir einen „erstklassigen Thriller“ (sagt immerhin Lee Child) nicht vorgestellt!

Also stellte ich mir die Frage: wenn das der „würdige Nachfolger von John LeCarré“ (schreibt immerhin die New York Times) sein soll, wie liest sich dann ein LeCarré? Denn, ich muss es gestehen, von dem habe ich bisher noch nie ein Buch gelesen. Dabei stand „Dame, König, As, Spion“ schon seit Urzeiten im Bücherregal meines Vaters.
Nun habe ich es gelesen und muss sagen: viel besser ist das eigentlich auch nicht. Was für das Buch spricht: auf Actioneinlagen wird fast völlig verzichtet, LeCarré beschränkt sich aufs Wesentliche. Was das aber ist? Da tappte ich zwei Drittel des Buchs völlig im Dunkeln. Vielleicht bin ich nicht geschaffen für diese Art von Literatur, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgenjemand Spass daran haben könnte, diese Ansammlung von Fakten zu lesen, die Smiley (der Protagonist) sammelt. Manche der Personen, die vorkommen, ergeben für mich gar keinen Sinn – wie der Polizist Mendel zum Beispiel. Wo kommt der her? Habe ich geschlafen, als ich das Kapitel gelesen habe, in dem er vorgestellt wurde?
Und das Ende? Gähn! Ach so ist das! Gähn! Schön…
Immerhin „Dame, König, As, Spion“ hat einen altertümlichen Charme, eine Langsamkeit, die modernen Büchern (auch „Der Tourist“) völlig abgeht. Man liest ein Kapitel und wird wunderbar schläfrig…

Fazit: Kein Genre für mich! Ich werde die Finger von solchen Titeln lassen!

P.S.: Eine echte Rezension zu „Der Tourist“ finden Sie bei aus.gelesen – dem habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen. Nur vielleicht, dass ich es nicht besonders spannend, kurzweilig oder unterhaltsam fand…

P.P.S: Dieser Artikel steht ganz bewußt nicht in der Rubrik „Buchrezension“ – da hat er nämlich nichts verloren!


STAR TREK (XI)

Im vergangenen Jahr ins Kino gekommen, Ende 2009 schon als DVD erschienen und jetzt erst habe ich den Film gesehen. Ich – als lebenslanger Star-Trek-Fan – bin begeistert!

„Star Trek XI“ erzählt die Geschichte der jungen Helden, Kirk, Spock & Co., und er tut das so respektvoll und doch auf seine eigene Art, dass einem ganz warm ums Herz wird.
Mr. Spock ist eines meiner jugendlichen Idole, ich bin mit „Raumschiff Enterprise“ gross geworden, lange bevor „Star Wars“ existierte, reiste ich mit der Enterprise in die unendlichen Weiten des Weltraums. Schaut man sich heute die originale Serie an, kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, aber damals war das neu und aufregend. Die Helden von damals sind in die Jahre gekommen (DeForest Kelly und James Doohan leider schon verstorben), und nun gibt es trotzdem ein Wiedersehen mit ihnen.

Dabei wird nicht einfach nur erzählt, wie das, was wir schon kennen, begann – in ST XI wird eine neue Geschichte begonnen, mit bekannten Figuren. Durch eine Zeitreise wird die Zeitlinie verändert, die in die Star-Trek-Zukunft führte, die bekannt ist. So wächst zum Beispiel Kirk hier ohne Vater auf, Spocks Heimat wird zerstört – in der Folge beginnt Kirks Dienst anders als bekannt, er wird Jahre früher zum Captain der Enterprise. Doch trotz all dieser Unterschiede, ist vieles bekannt. Die „Enterprise“ ist zwar moderner geworden – doch im Grunde ist es das altbekannte Schiff.
Die eigentliche Filmstory ist nicht so furchtbar originell (abgesehen von diesem genialen Twist mit der Zeitreise und der daraus resultierenden Änderung der Zeitlinie), das wird aber mehr als wettgemacht durch viel Action, tolle Special Effects – und eine Menge Anspielungen für den eingefleischten Fan (ich sage nur „Kobayashi Maru„!). Die Schauspieler – allen voran Chris Pine als Kirk und Zachary Quinto als Spock – machen ihre Sache ausgezeichnet, man erkennt die Charaktere wieder, ohne das Gefühl zu haben, dass da jemand den „Shatner“ oder „Nimoy“ spielt.
Bei so viel Licht gibt es natürlich auch ein bisschen Schatten:
Zum Beispiel – warum so viele Rohre und Ventile auf einem Raumschiff? Die ganze „Enterprise“ (und auch die „Kelvin“) scheint ein Innenleben zu haben, das der Wunschtraum eines jeden Klempners sein dürfte. Und diese Szene, in der Scotty durch die Wasserrohre gespült wird, ist doch sehr albern.
Und – seit wann haben Phaser denn einen Rückstoss? Als Kirk und Spock auf der „Narada“ in eine Schiesserei geraten, sieht das aus, als würden sie ihre Colts abfeuern – seltsam. Auch die Waffen der Enterprise vermitteln den Eindruck, dass es sich weniger um Strahlwaffen als vielmehr um Leuchtspurgeschosse handelt. Sieht schick aus, ist aber irgendwie merkwürdig.
Sehr positiv fand ich aber die Übertragung ins Deutsche – da wird McCoy wieder „Pille“ (und nicht „Bones“, womit ich fest gerechnet hätte) und selbst die blödsinnige Übersetzung des Vorspanntextes: „Die Enterprise dringt dabei in Galaxien vor…“ wurde beibehalten. (Obwohl mittlerweile jeder Fan weiss, dass die „Enterprise“ eben nicht bis in andere Galaxien fliegen kann…) Aber dieser Text ist Kult und man hat gut daran getan, ihn nicht zu ändern!

Ich freue mich schon auf den nächsten Film der Reihe!

Crew der Enterprise

via kulthit.de

Fazit: Die Helden meiner Jugend sind zwar alt geworden – aber jetzt sind sie wieder jung!


T.C. Boyle: Das wilde Kind

Ich gestehe: mit den Büchern von T.C. Boyle habe ich mich schon immer schwergetan. Einzig mit „Wassermusik“ konnte ich etwas anfangen, und auch von diesem Buch sind mir nur Mungo Park und der Gluteus maximus in Erinnerung geblieben. Ob in zehn Jahren noch soviel von „Das wilde Kind“ übrig sein wird?
In der rund 100 Seiten dünnen Novelle „Das wilde Kind“ (Übersetzung: Dirk van Gunsteren) erzählt Boyle die Geschichte von Victor, dem wilden Kind von Aveyron. 1797 in den Wäldern Frankreichs eingefangen, lebt Victor (der diesen Namen erst später erhält) seit frühester Jugend allein im Wald, kann nicht sprechen, ernährt sich von dem, was er findet (Eicheln, Nüsse, Kartoffeln, kleine Tiere) und verhält sich wie ein Tier.
Nachdem er gefangen wird und man feststellt, dass er tatsächlich ein Kind ist (und nicht etwa ein Tier oder gar ein Dämon), wird er verschiedenen Wissenschaftlern übergeben, landet schliesslich im Taubstummen-Institut von Abbé Sicard. Der Abbé verliert schnell das Interesse an dem Jungen, doch ein junger Lehrer, Jean Itard, will nicht aufgeben…

Mein grosses Problem mit diesem Buch ist folgendes: in einer solchen Geschichte ist das eigentlich spannende ja das „Innenleben“ von Victor. Ein Innenleben, von dem niemand etwas weiß, da Victor nie wirklich sprechen oder sich ausdrücken lernt. Als Autor hat man zwei Möglichkeiten – man kann etwas erfinden und so eine Botschaft vermitteln, oder man kann darauf verzichten. Boyle entscheidet sich für den Verzicht, der Leser erfährt nichts über Victors Seelenleben. Aber muss ich dann dieses Buch lesen? Es gibt einige wenige Stellen, an denen so etwas wie ein Einblick in Victor möglich zu sein scheint – ist das gewollt? Oder ist Boyle da ein Irrtum unterlaufen? Ganz konsequent wirkt die Geschichte nicht, nicht Fisch nicht Fleisch, möchte man sagen. Irgendwie unbefriedigend. Immerhin: man kommt ins Grübeln…


Judy Blume: Luis und Amanda

Luis und Amanda“ aus dem jungen Verlag Tulipan ist ein richtiger Glücksgriff! Aus dem amerikanischen Englisch übertragen von Brigitte Jakobeit, sparsam aber liebevoll illustriert von Karsten Teich.

Luis (genannt „der Nervzwerg“) und Amanda (genannt „die Superschlaue“) sind Geschwister. Und wie es so ist (oder sein sollte!) bei Geschwistern – sie haben ihre Probleme miteinander, aber wenn es ernst wird, halten sie zusammen. Abwechselnd erzählen die beiden aus ihrem Alltag, Luis aus dem eines Erstklässlers, der seine Sorgen hat mit „Fieslingen“ aus der Fünften, mit seinem Kuscheltier und seinem Fussballtraining. Amanda geht schon in die dritte Klasse, ihre Sorgen haben schon mehr zu tun mit Jungs, mit Parties und der Unzufriedenheit mit ihrem Namen…
Wer selber (wie ich) zwei Kinder in ähnlicher Alterskonstellation hat, der erkennt vieles wieder. Und er erkennt, mit wie viel Sympathie die Figuren dargestellt sind. An keiner Stelle lacht man „über“ Luis oder Amanda – man lacht mit ihnen.

Wunderbar geeignet zum Vorlesen, auch zum Selberlesen, vielleicht so ab 8.


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