Hier eine Star-Wars-Episode. Selbstverständlich sind alle Urheberrecht am kompletten Star-Wars-Universum bei George Lucas und seinen Mannen. All hail to the king! (Und die für Star Trek bei den Erben von Gene Roddenberry)…
Wirbel im Weltraum
„Du sagst also,“ Han Solo lehnte sich betont lässig in seiner Nische zurück, „dass es draußen, bei Lupus’ Stern so eine Art ‚Wirbel’ gibt?“
Der Rodianer, der unruhig auf seinem wackeligen Stuhl saß, nickte eifrig mit dem grünen Kopf.
„Weißt du, Naidoo, ich glaube nicht, dass sich da was holen lässt. Also verzieh’ dich wieder zu deinen Gesellen und komm’ zu mir, wenn du was brauchbares hast.“
Naidoo sank ein wenig in sich zusammen, dann stand er auf und drehte sich mit gesenktem Kopf um.
„He, Naidoo!“ Der Rodianer drehte sich um, und Han Solo schnippte ihm einen Credit-Chip zu. „Kauf dir was zu trinken, Alter.“
Während der Informant glücklich abzog, brummte Chewbacca, der die ganze Zeit still neben seinem Partner gesessen hatte, etwas.
„Jaja, ich weiß, ich bin einfach zu gut. Aber vielleicht weiß er ja irgendwann mal was nützliches. Und diesen ‚Wirbel’ werden wir uns auch mal ansehen. Hier ist ja sonst nichts los.“
Solo stand auf und streckte sich. „Ich habe noch eine Kleinigkeit zu erledigen, Partner. Vielleicht machst du dich ja schon mal auf zur Falcon, und versuchst, diese Sache mit dem Überlichtantrieb hinzukriegen. Ich komme nach, sobald ich das hier erledigt habe.“
Chewbacca grollte protestierend, stand aber dennoch auf – nicht ohne sich den Kopf an der gewölbten Wand anzustoßen, was noch mehr Grollen hervorrief. „Genau, Chewie, diese Bar ist für kleinere Lebewesen gebaut“, schmunzelte Solo. Dann schlenderte er durch die Bar zur anderen Seite, auf der es fast noch schummriger war.
„Hallo“, sagte er, mit seinem verführerischsten Lächeln. „Ich bin Han Solo, Kapitän und Eigner der Millenium Falcon, sie haben sicher von ihr gehört…“
„Nein, leider…“ Die Angesprochene, die ganz allein an ihrem Tisch saß, blickte zu ihm hinauf. Sie hatte große, dunkle Augen, blasse Haut und kupferrote Haare, die streng zurückgekämmt waren. Bekleidet war sie mit einem blauschimmernden Umhang, darunter trug sie ein hautenges, kurzes Kleid aus schwarzglänzendem Material. Sie war noch hübscher, als Solo aus der Ferne angenommen hatte.
„Dann sind sie sicher nicht aus Mos Eisley, wahrscheinlich nicht mal aus diesem Teil der Galaxis?“
„Das ist richtig, Han Solo. Ich bin nur auf der Durchreise. Möchten sie sich vielleicht setzen?“
Solo rückte den Blaster an seiner Seite zurecht, dann ließ er sich auf einem freien Stuhl nieder.
„Mos Eisley ist nicht gerade die schönste Ecke des Universums, aber es hat doch auch seine reizvollen Seiten…“
„Ja, das kann ich sehen.“ Sie lächelte ihn an. „Sie sehen aus wie ein Mann, der sich auskennt. Vielleicht könnten sie mir ja das eine oder andere zeigen…?“ Sie beugte sich ein wenig zu ihm vor, so dass er gar nicht anders konnte, als ihr erstaunliches Dekolleté zu bewundern. Solo grinste. Er stand auf und nahm ihre Hand.
„Es gibt hier eine Bar, die mir sehr viel geeigneter scheint für eine Frau von ihrer Schönheit. Zufällig kenne ich den Besitzer, so dass wir…“
Sie war ebenfalls aufgestanden und trat nun dicht vor ihn. Er konnte ihren Duft riechen, der ihn an ein Gewürz erinnerte, das er vor vielen Jahren einmal transportiert hatte. Sie schaute wieder auf und unterbrach ihn, mit einem leichten Lächeln: „Ich habe gehört, dieses Etablissement verfügt über ein paar gut ausgestattete Suiten. Vielleicht könnten sie mir dort etwas von den hiesigen Attraktionen zeigen?“
„Ähm… nun ja, warum nicht…“
*
Ihr Name war Diapha’ara, das hatte Solo noch erfahren, aber mehr Gelegenheit zum Plaudern war nicht mehr gewesen. Während er sein Hemd anzog, betrachtete er die schlafende Schöne in dem zerwühlten Bett und schüttelte ungläubig den Kopf. Solo war es gewohnt Erfolg beim anderen Geschlecht zu haben, aber das ging doch ein bisschen weit. Er hatte beschlossen, still zu verschwinden und die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. Er streckte sich gerade nach seinem Halfter, als die Tür krachend aus den Angeln flog.
Zwei riesige Gestalten, von Kopf bis Fuß in schwarze Kutten gekleidet, stürmten in den Raum, jeder einen silbrigen Stab in der Hand. Neben diesen Kolossen hätte selbst Chewbacca klein gewirkt. Zu Solos Erleichterung traten sie aber sofort zur Seite und postierten sich, wie Wachtposten, neben der Tür. Dann betrat ein halbes Dutzend Männer die Suite. Sie waren hochgewachsen, mit enganliegenden, schwarzen Anzügen bekleidet und hatten zurückgekämmte, lange rote Haare. Die Ähnlichkeit zu Diapha’ara war augenscheinlich. Das fand Solo einigermaßen beunruhigend, noch mehr beunruhigten ihn aber die silbrigen Strahlwaffen, die sie in ihren Händen hielten.
„Hört mal Jungs,“ begann Solo und hob beschwichtigend die Hände – in der Linken hielt er den Blastergürtel mit seiner Waffe.
„Schweig, Ungläubiger!“ herrschte ihn einer der Männer an. Solo verstummte und sah ihn erstaunt an. Dann regte sich Diapha’ara und setzte sich auf. Die Decke rutschte herunter und ihre nackten Brüste glänzten wie Marmor.
Die sechs Männer fielen auf die Knie und senkten den Kopf. Solo sah seine Chance und nutzte sie. Mit langen Sätzen sprang er zwischen den knienden Männern hindurch, vorbei an den beiden Riesen und durch die Tür.
Glücklicherweise gab es in diesem Gebäude neben dem Aufzug auch eine Treppe, die Solo jetzt hinabeilte und an ihrem Ende durch eine Tür in den glutheißen Tatooine-Nachmittag trat. Er stolperte kurz, geblendet von den beiden Sonnen, dann orientierte er sich und machte sich – schnell aber nicht übereilt – auf den Weg zum Raumhafen.
Er war noch nicht sehr weit gekommen, als er einen Tumult hinter sich hörte. Vorsichtig blickte er sich um und sah, dass die beiden Riesen und auch die anderen die Bar verlassen hatten und jetzt auf dem Platz davor standen. Sie hielten Ausschau. Dann rief einer von ihnen. „Dort ist der Frevler!“ und zeigte in seine Richtung. Solo beschleunigte seine Schritte und verschwand zwischen zwei niedrigen Gebäuden. Er war zuversichtlich, dass er seine Verfolger in den labyrinthischen Gassen abschütteln konnte. In was war er da nur wieder hineingeraten?
Schließlich erreichte er, nach einigen Umwegen, die Landebucht, in der die Millenium Falcon auf ihn wartete. Vor dem Eingang lungerte Naidoo herum, der sofort zu Solo lief, als er ihn sah. Er strahlte.
„Kapitän Solo, diesmal habe ich eine wirklich großartige Information für sie!“
„Und das wäre…?“ Solo schaute über die Schulter, aber er schien seine Verfolger losgeworden zu sein.
„Eine Göttin ist auf dem Weg nach Tatooine!“
„Eine Göttin?“ Die Augenbrauen des Raumpiloten drückten Unglauben aus.
„Ja, Kapitän! Ihr Name ist Diapha’ara, und sie ist die amtierende Gottkönigin von Siambelaa VII. Ihre Untertanen verehren sie wie eine Göttin, niemand darf sie berühren, nur wenige dürfen sie ansehen…“
Solo starrte den Rodianer an.
„Das stimmt, Kapitän! Sie ist mit ihrem Gefolge, ihrer Leibgarde und einem Teil ihrer Raumflotte auf dem Weg nach Coruscant. Und auf diesem Weg wird sie auch an Tatooine vorbeikommen – vielleicht wird sogar eine Delegation hier landen. Das könnte doch eine lukrative Gelegenheit sein, nicht wahr, Kapitän Solo?“
„Genau… Danke, Naidoo…“ Geistesabwesend tätschelte Solo dem Rodianer die Schulter und schob ihm einen weiteren Credit-Chip in die Jackentasche. Dann eilte er an ihm vorbei in den Hangar und geradewegs die Einstiegsrampe der Falcon hinauf. Noch auf der Rampe brüllte er: „Chewie! Mach die Kiste startklar, wir verschwinden!“ Irgendwo aus dem Bauch des Schiffes dröhnte die Stimme des Wookies.
„Jawohl. Großen Ärger. Aber ich bin nicht schuld!“
Im Cockpit ließ Solo sich in seinen Pilotensitz fallen und begann sofort, an den Instrumenten zu arbeiten. Dabei brummelte er leise vor sich hin: „Eine Göttin – also wirklich. Hätte sie doch sagen können, dann hätte ich uns ein verschwiegeneres Plätzchen gesucht…“
Chewbacca erschien, einen Schraubenschlüssel in der Hand. Solo sah ihn an.
„Ich hoffe, die Kiste fliegt noch, sonst stecken wir in echten Schwierigkeiten!“
Sein Partner brummte zuversichtlich und zwängte sich in seinen Sitz.
Im Eingang der Landebucht erschienen die beiden vermummten Riesen, gefolgt von etwa zwanzig schwarzgekleideten, rothaarigen Burschen. Sie eröffneten sofort das Feuer aus ihren Blastern, die jedoch der Panzerung der Falcon nichts anhaben konnten. Die Leibgardisten – denn darum handelte es sich sicherlich – stellten das Feuer ein, als sie sahen, dass es wirkungslos war. Statt dessen begannen sie, eine Kanone aufzubauen, die auf den Rücken der Riesen transportiert worden war. Es handelte sich um eine DF.9 Laserkanone, die normalerweise in Panzern und Geschütztürmen zum Einsatz kam. Damit konnte man der Falcon durchaus gefährlich werden.
Han Solo und sein Copilot waren nicht untätig gewesen und hatten die Systeme ihres Schiffes hochgefahren, während auf sie geschossen wurde. Jetzt blinkten die Bereitschaftslichter, alle Anzeigen waren auf Grün, und Solo drückte den Knopf, der die Maschinen starten sollte. Mit einem tiefen Brummen erwachten die mächtigen Motoren der Millenium Falcon.
„Danke, Baby!“ Mit einem triumphierenden Lächeln steuerte Solo sein Schiff aus der Ladebucht und beschleunigte hinauf in die Atmosphäre.
Die Leibgardisten unten starrten ihnen hinterher und schirmten ihre Augen mit den Händen gegen den aufgewirbelten Staub ab, während einer von ihnen in ein Funkgerät sprach.
*
Sie hatten die Atmosphäre Tatooines noch nicht ganz verlassen, als im Cockpit Alarmsignale schrillten.
„Was denn…!“ rief Solo, während Chewbacca grollte und an verschiedenen Hebeln zog.
„Ja, ich sehe sie. Z-95 Headhunter, fünf Stück, direkt hinter uns. Ich wette, die gehören zur Flotte von Siambelaa VII.“
Die Millenium Falcon beschleunigte und flog ein paar Ausweichmanöver.
„Keine Sorge, Kumpel,“ meinte Solo leise. „Wir sind ein gutes Stück schneller als die guten alten Z-95s.“
Dann tauchten hinter der Planetenkrümmung drei Corellianische Korvetten auf, deren Turbolaser sofort das Feuer auf die Falcon eröffneten.
„Keine Sorge,“ sagte Solo wieder. „Die sind viel zu weit weg. Kein Problem. Wir machen einfach den Sprung zur Lichtgeschwindigkeit und verschwinden. Und dann werden wir uns eine Weile nicht mehr auf Tatooine sehen lassen…“
Er begann Daten in den NaviComp einzugeben. Gelegentlich erbebte die Falcon, wenn die Turbolaser durch Zufall in ihre Nähe gelangten. Chewbacca grollte.
„Ich weiß, Chewie. Aber die Chancen für einen Glückstreffer aus dieser Entfernung sind minimal. Außerdem habe ich – jetzt den Sprung berechnet. Bereitmachen für Überlicht!“
Mit diesen Worten legte er einen Hebel um – doch nichts geschah.
„Nicht jetzt, Baby!“ Seine Hände flogen über die Instrumente, dann legte er den Hebel erneut um, wieder ohne Erfolg. „Chewie, was hast du eben am Überlichtantrieb gemacht?“
Der Wookie grollte entschuldigend und stand auf. In diesem Moment wurde die Falcon getroffen und schlingerte einen Augenblick bedrohlich. Im Cockpit brannten Leitungen durch, es stank nach verschmortem Isolationsmaterial und brennendem Kunststoff. Solo warf einen Blick auf die Anzeigen und rief: „Sie haben das Triebwerk erwischt, wir verlieren Geschwindigkeit. So holen uns die Headhunter in ein paar Minuten ein. Chewie, sieh zu, dass du weiter Ausweichmanöver fliegst, wir wollen nicht noch einen Glückstreffer abbekommen. Ich gehe nach hinten und sehe, was sich machen lässt…“
Es dauerte weniger als eine Minute, dann war Solo wieder im Cockpit. „Der Hyperraummotivator ist nur noch ein Stück glühendes Altmetall. Wo auch immer vorher das Problem war – jetzt haben wir ein anderes. Überlicht kommt erst wieder in Frage, wenn wir ein Ersatzteil haben. Immerhin habe ich ein paar Leitungen umgangen und etwas mehr Saft für die Sublichttriebwerke bekommen.“
Er hatte sich wieder gesetzt und schaute jetzt recht zufrieden auf die Anzeigen. „Bei weitem nicht volle Leistung, aber die Headhunter holen uns so schnell auch nicht ein. Die Korvetten sind außer Reichweite, wir haben also ein wenig Luft…“
Einige Augenblicke war es still im engen Cockpit der Millenium Falcon, dann brummte der Wookie etwas.
„Nein, ich habe keine Ahnung, warum die hinter uns her sind. Aber ich denke, wir sollten uns ein Stückchen Weltraum suchen, in dem wir sie loswerden können. Mal sehen…“
Er betrachtete die Sternkarten im NaviComp und runzelte die Stirn.
„Nichts“, sagte er und schaute wieder nach vorn. Dann hellte sich sein Gesicht auf. „Warte mal! Lupus’ Stern! Was hat Naidoo gesagt? Ein Wirbel, der sämtliche Sensoren verwirrt und selbst optische Wahrnehmung erschwert! Klingt, als könne man sich da gut verstecken – und es ist gar nicht so weit weg! Schaffen wir auch mit Sublicht locker, ehe die Z-95s in Schussreichweite sind…“
Die Millenium Falcon flog einen leichten Bogen und ging auf neuen Kurs Richtung Lupus’ Stern. Solo schob seinen Sitz zurück und streckte sich. „Ich halte hier ein Auge auf alles, Kumpel. Warum schaust du nicht hinten mal nach, ob du das eine oder andere System wieder zum Laufen bringst?“
*
Als sie schließlich Lupus’ Stern erreichten, musste selbst Han Solo eingestehen, dass er beeindruckt war. Der ‚Wirbel’ war ein gewaltiges astronomisches Ereignis. Er hatte einen Durchmesser, der größer war als die meisten Planeten, sein Rand schien aus schäumender, ständig die Farbe wechselnder Energie zu bestehen. Und seine Mitte wirkte wie ein Wasserstrudel – nur, dass es eben kein Wasser war, sondern eine Fluktuation im Gewebe des Universums…
Solo strahlte. „Sämtliche Anzeigen spielen verrückt. Keine Ortung mehr möglich. Von den Schirmen der Headhunter sind wir sicher schon verschwunden, jetzt müssen wir uns nur noch vor ihren Augen unsichtbar machen. Aber das dürfte kein Problem sein.“
Probeweise machte Solo wilde Ausweichmanöver mit seinem Schiff. „Ich habe natürlich keine Anzeigen, aber gefühlsmäßig hat dieses Ding keine merkliche Anziehungskraft. Wir tauchen einfach in den Nebel am Rand ein und hängen unsere Verfolger ab…“
Chewbaccas Brummen klang beunruhigt.
„Natürlich weiß ich, was ich mache. Keine Sorge, Partner. Die sind wir im Handumdrehen los und dann suchen wir uns einen netten Planeten, auf dem wir den Hyperraummotivator austauschen können.“
Die Falcon schoss in den vielfarbigen Nebel hinein – und im selben Moment verstummte das Brummen den Motoren und sämtliche Beleuchtung erlosch.
„Was denn…!“ schrie Solo und schlug mit der Hand gegen die Wand neben sich. Doch nichts geschah. Die Millenium Falcon war auf direktem Weg zur Mitte des Wirbels, nur wenige Augenblicke trennten sie vom ersten Kontakt mit der ‚Oberfläche’. Solo und Chewbacca starrten nach vorn, wo eine blauleuchtende, gekräuselte Ebene auf sie einstürzte.
Und dann waren sie da…
*
… und durch.
Solo atmete hörbar aus, Chewbacca dröhnte. Die Motoren erwachten wieder, die Lampen gingen an. Solo drehte das Schiff um 180 Grad und verlangsamte. Die Sterne sahen anders aus. Lupus’ Stern war verschwunden. Dort, wo eben noch der Wirbel gewesen war, war jetzt nur ein fahles Leuchten zu sehen, kaum hundert Meter im Durchmesser. Und aus diesem Leuchten tauchten jetzt zwei Z-95 Headhunter auf.
Solo fluchte und beschleunigte, flog Ausweichmanöver, während die Raumjäger auf ihn feuerten. Chewbacca brummte etwas und Solo erwiderte: „Ja, die sind wirklich sauer auf uns.“
Doch dann fesselte etwas anderes seine Aufmerksamkeit. Für einen Moment vergaß er die beiden Jäger hinter sich – und die beiden Piloten vergaßen das Raumschiff vor sich.
Vor ihnen raste ein gewaltiger Würfel durch das All, grünlich-schimmernd, ohne erkennbaren Antrieb. Er war so groß, dass man bequem mehrere Sternzerstören darin hätte verstecken können. Überall um ihn herum waren andere Raumschiffe, sonderbare Konstruktionen, wie Solo sie nie zuvor gesehen hatte. Die meisten davon sahen aus wie Teller, an denen Fortsätze angebracht waren, die offenbar die Antriebseinheiten enthielten. Die Schiffe wirkten alle mehr oder weniger aerodynamisch, sie schienen trotz ihrer Unterschiede alle dem gleichen Konstruktionsprinzip zu gehorchen. Und alle feuerten auf den Würfel.
Es war eine regelrechte Schlacht, in die die Millenium Falcon hineingeraten war. Allerdings eine Schlacht, wie Solo sie noch nie erlebt hatte. Zum einen verwendeten alle Seiten merkwürdige Strahlenwaffen, lange Leuchtfinger, die sich über ihr Ziel bewegten. Manche feuerten auch eine Art leuchtender Torpedos ab, die ihren Kurs ändern und das Ziel verfolgen konnten. Aber was auch immer die Flotte einsetzte – es schien den Würfel nicht im geringsten zu beschädigen. Schutzschirme flammten auf und absorbierten Energien, die Solo bei einem Blick auf die Anzeigen leise durch die Zähne pfeifen ließen. Im Gegenzug waren die Waffen des Würfels umso effektiver. Immer wieder brachen die Schirme eines Angreifers zusammen und das Schiff verging in einem Feuerball.
Was Solo noch auffiel, war das völlige Fehlen von Raumjägern. Bei jeder Schlacht, die er erlebt hatte, waren immer zahllose kleine Schiffe wie wütende Insekten um die großen herumgeschwirrt. Nicht so hier. Das kleinste Schiff, das er ausmachen konnte, war wenigstens doppelt so groß wie die Falcon. Die größeren erreichten nicht ganz die Ausmaße eines Imperialen Sternzerstörers, waren aber beeindruckend genug, ganz besonders auch, was ihre Manövrierfähigkeit anging. Sie waren sehr viel beweglicher als vergleichbar große Schiffe, die Solo kannte.
Die Jägerpiloten hinter der Millenium Falcon beschlossen offenbar angesichts der völlig unvorhergesehenen Situation das zu tun, was Soldaten immer in solchen Situationen tun: sie gehorchten ihren Befehlen und feuerten wieder auf Solos Schiff.
Der Frachter versuchte dem Beschuss auszuweichen ohne mit einem Schiff der Armada zu kollidieren. Dabei verfehlte ihn ein Strahl des Würfels nur knapp – vaporisierte aber die beiden Jäger hinter ihm. In diesem Augenblick explodierte eines der größeren Schiffe der Angreifer, fast gleichzeitig tauchte wie aus dem Nichts ein neues Schiff auf. Seiner Bauweise nach gehörte es eindeutig zu den Angreifern, es eröffnete auch fast sofort das Feuer auf den Würfel. Aber irgendwie sah es anders aus, gefährlicher.
„Chewie, ich glaube, wir sollten schnell von hier verschwinden…“
Das neu angekommene Schiff war fast so lang wie ein Sternzerstörer, wenn auch bei weitem nicht so massiv. Und auch dieses Schiff war erstaunlich wendig. Außerdem schienen seine Schutzschilde den Strahlen des Würfels deutlich besser widerstehen zu können. Tatsächlich setzte das neue Großkampfschiff seine Schilde und seinen Rumpf ein, um einem kleineren Schiff Deckung zu geben.
Solo wich herumtreibenden Trümmerteilen und Waffenfeuer aus und versuchte, Abstand zwischen sich und den Kampf zu bringen, das war aber nicht einfach. Die Falcon war im Augenblick nicht schnell genug, um zu fliehen, die Schlacht holte sie immer wieder ein.
Dann veränderte sich etwas. Die angreifenden Flotte stellte ihren planlosen Angriff ein, nur um wenige Augenblicke später konzentriert anzugreifen.
„Auf was schießen die nur…?“ fragte sich Solo, während die Schiffe um ihn herum ihr Feuer auf einen Punkt des Würfels konzentrierten, der sich in nichts von hunderten anderer Punkte unterschied. Aber dennoch war die Entscheidung offenbar richtig. Einer ersten Explosion folgten weitere auf und in dem Würfel, und dann platzte er regelrecht auseinander. Eines der angreifenden Schiffe war zu nah und wurde zerstört, die Millenium Falcon wand sich zwischen Trümmern durch, schüttelte sich in der Druckwelle einer Sekundärexplosion und nahm dann Kurs auf den ‚Wirbel’.
Chewbacca dröhnte und blickte wild umher.
„Hab’s gesehen. Ich glaube, wir schaffen es aber…“
Solos Schiff wurde von einem Trümmerstück „verfolgt“, das einen Durchmesser von wenigstens fünfhundert Metern hatte. Es war durch die Explosion auf eine Geschwindigkeit beschleunigt, die etwas höher war, als die der beschädigten Falcon. Der Wookie grollte wieder.
„Klar, wir könnten aus dem Weg fliegen. Aber erstens möchte ich nicht mehr hier sein, wenn die Überlebenden anfangen aufzuräumen. Und zweitens weiß ich nicht, wie der Wirbel den Einschlag verkraftet, wenn ein Trümmerstück auf ihn trifft, das größer ist als sein Durchmesser auf dieser Seite. Ich wäre dann lieber schon durch. In der Hoffnung, dass es von dieser Seite ein ‚Durch’ gibt…“
Vor ihnen tauchte der blasse ‚Wirbel’ auf, Solo richtete den Doppelbug seines Schiffes auf den Mittelpunkt und schloss die Augen. „Daumen drücken, Chewie…“
Diesmal geschah nichts beim Durchflug. Plötzlich waren sie wieder auf der anderen Seite, Lupus’ Stern leuchtete dort wo er hingehörte und hinter ihnen war der ‚Wirbel’ – strahlend und riesig. Bis zu dem Moment in dem – wahrscheinlich – auf der anderen Seite das Trümmerteil auftraf. Vielleicht war die Energie zu hoch, brachte ein empfindliches System aus dem Gleichgewicht. Jedenfalls verschwand der ‚Wirbel’, flackerte einmal kurz und erlosch dann, als hätte es ihn nie gegeben.
„Chewie, wenn wir das jemals erzählen, dann halten die uns für verrückt. Ich möchte wirklich wissen, was wir da eben gesehen haben. Hast du dieses Schiff gesehen, das zuletzt auftauchte? Was für ein Prachtstück! Mit so einer Kiste würde ich auch gerne mal fliegen. Und diese Torpedos, davon hätte ich auch gerne ein paar. Wir hätten vielleicht irgendwas aus den Trümmern fischen können…“
Chewbacca schüttelte seinen haarigen Kopf und brummte wieder etwas.
„Wie meinst du das, ich bringe uns in Schwierigkeiten? Wir sind doch unseren Verfolgern wunderbar entwischt – ich sehe jedenfalls keinen mehr. Die haben wohl aufgegeben. Sich auf den Weg nach Coruscant gemacht…“
Die Geschichte „Wirbel im Weltraum“ wurde inspiriert durch ein kleines Detail im Star Trek – Film „First Contact“. Dort soll ein Computermodell der „Millenium Falcon“ bei der Schlacht gegen die Borg zu sehen sein. Tatsächlich kann man auf Film-Standbildern ein Schiff erkennen, das die Falcon sein könnte…
Bilder: Paul (6 jahre), meins!

cool. eine echt passende situation in die han solo da gerät. man kann sich richtig vorstellen wie chewie vor sich hinheult und han damit vorwürfe macht.