Big Three

Die grossen drei:
Die besten Bücher aller Zeiten (Stand 19.7.2007)
Diese Liste ist natürlich rein subjektiv.

Platz 1: Herman Melville – Moby-Dick oder Der Wal

Platz 2: Cormac McCarthy – Die Straße

Platz 3: Thornton Wilder – Theophilus North oder Ein Heiliger wider Willen

Theophilus North“ ist eines der wunderbarsten, altmodischsten Bücher, die mir bisher begegnet sind. Fast in jedem Sommerurlaub lese ich es. Der Held der Geschichte, die nach dem Ersten Weltkrieg spielt, kündigt seine Stelle als Lehrer um eine Weile einfach zu machen, wozu er Lust hat. Da er kein Geld hat, nimmt er verschiedene Jobs an. Diese führen ihn in die Kreise des wohlhabenden Amerika seiner Zeit, wo er mit unterschiedlichsten Problemen konfrontiert wird. Das reicht von Liebeskummer bis zu Geistererscheinungen in Häusern. In jedem dieser Fälle findet North eine Lösung für das Problem, und zwar eine von solcher Eleganz und Leichtigkeit, daß man sich als Leser ganz dem herrlichen Gefühl hingibt, daß alles gut werden wird…
Ich kenne kein Buch, das ich mit diesem vergleichen könnte. Ich habe andere Titel von Thornton Wilder gelesen, aber keines hat diesen Charme. Ich kann es nur allerwärmstens empfehlen, es ist ideale Lektüre für laue Sommerabende.

Die Straße“ ist das genaue Gegenteil zu „Theophilus North“. McCarthy hat schon immer ziemlich düstere Bücher geschrieben, „All die schönen Pferde“ war da mein bisheriger Favorit. Aber mit „Die Straße“ hat er sich selbst übertroffen. Und auch alle anderen, die im Augenblick Bücher schreiben. Dieses Buch ist unglaublich konsequent, dicht erzählt, komprimiert wie ein Diamant.
Die Geschichte: Ein Mann und sein recht junger Sohn ziehen durch Amerika. Das Land ist von einer Katastrophe unglaublichen Ausmaßes vernichtet worden. Vielleicht ein Atomkrieg, vielleicht ein furchtbarer Unfall – das bleibt offen, denn es spielt auch keine Rolle mehr. Die Welt, wie sie früher war, wie der Vater sie noch kannte, gibt es nicht mehr. Der Sohn wurde geboren, als die Katastrophe hereinbrach, er kennt nichts anderes als diese düstere Welt. Es gibt keine Pflanzen mehr. Alles ist vertrocknet, verdorrt, verbrannt. Es gibt keine Tiere mehr. Und die wenigen Menschen, die überlebt haben, haben ihre Menschlichkeit verloren. Mord und Kannibalismus in seinen furchtbarsten Formen sind normal.
Und in diesen unvorstellbar schrecklichen Zeiten gibt es dennoch das Band das Vater und Sohn miteinander verbindet. Der Vater, der seinem Sohn wenigstens ein winziges bisschen Hoffnung vermitteln möchte und die Idee immerhin des „Guten“ („Wir sind die Hüter des Lichts, nicht wahr Vater?“). Und der Sohn, der seinen Vater trotz aller Umstände so liebt, wie nur ein Sohn seinen Vater lieben kann.
So finster, traurig und erschreckend das Buch ist, das ist nicht das wirklich entscheidende. Viel wichtiger ist meiner Meinung nach, daß Vater uns Sohn zusammen bleiben, sich nicht aufgeben. Auch nicht, als einer von ihnen krank wird. Und am Ende – das will ich schon verraten – gibt es ein klein wenig Hoffnung auf Zukunft.

Moby-Dick„. Muß man dazu noch irgend etwas sagen (oder schreiben)?
JA! Denn, mal ehrlich, wer hat denn das Buch wirklich gelesen? Ich besaß mit 12 oder so eine Jugendbuch-Ausgabe davon, aber darin fehlte natürlich genau das, was wirklich den Reiz des Buchs ausmacht. Genauso wie in der Verfilmung mit Gregory Peck übrigens. Das ist ein toller Film, aber er kratzt nur an der Oberfläche. „Moby-Dick“ ist eine Abenteuergeschichte. Aber es ist auch eine wunderbar skurril erzählte Geschichte über Wale, den Walfang, Religionen, Politik, Wissenschaft und Pseudowissenschaft und hundert andere Dinge. So wie Umberto Eco in seinen besten Werken oder Neal Stephenson oder sogar Scarlett Thomas (zu „Troposphere“ schreib ich noch was) gibt auch Melville immer wieder auf brillante Art und Weise sein Wissen zum Besten. Das sind die Stellen, über die Somerset Maugham in seinem „Books and You“ schrieb, er fände sie langweilig. Nun ja. Ich finde Somerset Maugham langweilig… Melville aber überrascht den Leser immer wieder. Manchmal mit dem Thema über das er schreibt. Manchmal mit der Art wie er darüber schreibt. Und auch wenn jeder, der heute das Buch aufschlägt, weiß, wie’s ausgeht – es lohnt zu lesen!

Ein Gedanke zu “Big Three”

  1. Ich war voller Hoffnung auf deinen ersten Beitrag und wurde nicht enttäuscht.
    Ich bekenne mich schuldig: ich gehöre genau zu denen, die alles mögliche über Moby-Dick wissen, das Buch aber noch nie gelesen haben. Das werde ich nach Deiner Rezession möglichst bald nachholen.

    Zu “Die Straße” stimme ich Dir zu. Ein großartiges Buch!

    Kennst Du „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers?
    Das Buch hat mich einfach nur fasziniert! Die Handlung fast durchgehend spannend (2-3 kleinere Längen, die mich aber nicht weiter gestört haben)
    Die Charaktere hab ich selten so liebevoll im Detail und interessant gestaltet gelesen.

    Noch nie hab ich etwas gelesen, dass so kunstvoll mit Worten und Sätzen spielt. Man kommt, ob dieser Kunstfertigkeit, beim Lesen oft nicht aus dem Staunen raus.

    Das Werk ist gespickt mit so vielen Anspielungen, man sollte es mindestens zweimal lesen um nix zu verpassen. Allein die Anagramme sind köstlich. Ein paar Beispiele:

    Ohjann Golgo van Fontheweg Johann Wolfgang von Goethe
    Perla La Gadeon Edgar Allan Poe
    Sanotthe von Rhüffel-Ostend Annette von Droste-Hülshoff
    Göfel Ramsella Selma Lagerlöf
    Woski Ejstod Dostojewski

    Und das Buch ist auch noch toll aufgemacht. Große, gebundene Ausabe. Angenehmes Papier. Liebevolle Zeichnungen usw

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