Scarlett Thomas: Troposphere

Scarlett Thomas ist eine junge britische Autorin (Jahrgang 1972), die bereits mehrere Romane und einige Kurzgeschichten veröffentlicht hat, außerdem regelmäßig für Zeitungen und Magazine schreibt. Bisher ist nichts von ihr ins Deutsche übersetzt worden, aber im Januar 2008 bringt der Kindler-Verlag ihr neuestes Werk „The End of Mr. Y“ heraus. Der Titel der deutschen Ausgabe ist „Troposphere“. Nicht etwa „Troposphäre“, wohlgemerkt.
Die Handlung ist einigermaßen unübersichtlich. Es geht im Kern um das Buch eines viktorianischen Autors, von dem behauptet wird, dass jeder, der es liest, sterben muss. (Autor, Verleger, Setzer usw. sind kurz nach Fertigstellung gestorben…) Entsprechend selten ist das Buch – tatsächlich gibt es wohl keinen lebenden Menschen, der ein Exemplar besitzt. Dennoch macht die Heldin des Romans – Ariel Manto – diesen Autoren zum Thema ihrer Doktorarbeit.
Wie es kommen muß, gelangt sie auf wundersame Weise in den Besitz des Buches – das in weiten Passagen abgedruckt ist, so daß auch der Leser in den Genuß der altmodischen Lektüre kommt – und findet so einen Weg in die „Troposphere“, eine Art telepathischer Geisterwelt. Dazu ist bloß ein wenig Weihwasser und ein homöopathisches Präparat notwendig. In dieser Geistwelt kann sie in die Köpfe anderer Lebewesen gelangen und sie auch beeinflussen. Deshalb sind auch zwei Ex-CIA-Agenten hinter ihr her, denen sie aber durch die Hilfe eines comic-artigen griechischen Gottes in der Troposphere entkommen kann. Zwischendurch gibt es dann noch ein wenig Sado-Maso-Sex und romantische Liebe, Zeitreisen werden gemacht, Religionen und Philosphie diskutiert und Ausflüge in Quantentheorie und Kosmologie unternommen.
Das Ganze ist eine derart unausgegorene Mischung, dass ich mich wirklich frage, wer das lesen soll. Der ideale Kandidat wäre ein literarisch interessierter, esoterisch angehauchter, philosophisch suchender, naturwissenschaftlich beschlagener, sexuell offener Mensch, der einen Thriller lesen möchte und dem einige Längen nichts ausmachen. (Oder natürlich ein Buchhändler, der das Leseexemplar auf seinen Schreibtisch bekommt um es zu beurteilen…)
Aber: das Buch hat seinen Reiz! Gerade die Exkurse in philosophische und naturwissenschaftliche Themen haben mir gefallen – aber die besten Stellen sind, das steht im Nachwort, von anderen Autoren! Dennoch ist die grundlegende Idee, dass nämlich unser Denken direkt unsere Welt beeinflussen kann, wenn wir es nur in der richtigen „Sprache“ denken, eine schöne Idee. Wenn ich aber das Ende des Buches richtig verstanden habe, dann stimmt sie nicht (mehr)…
Es gibt hundert Bücher, die ich eher empfehlen würde. Mal sehen, ob der Titel es zum Bestseller bringt – immerhin ist er der Spitzentitel des Frühjahrs beim Kindler-Verlag, hat also eine Menge Werbe-Etat…

3 Gedanken zu “Scarlett Thomas: Troposphere”

  1. lese auch gerade troposhere, finde es wunderbar und spannend und hoffe, es kann die spannung bis zum schluß halten. weiß allerdings auch noch nicht, welcher klientel büchermenschen man es nach erscheinen empfehlen könnte.

  2. Zum ersten Kommentar von Sabine:
    Immerhin habe ich das Buch ja auch von Anfang bis Ende gelesen, irgendwas ist schon dran. SInd eine Menge schöne Ideen dabei – aber auch eine Menge merkwürdiges Zeug. Würde mich freuen, wenn du nach Abschluß der Lektüre hier nochmal dein endgültiges Urteil abgeben würdest…

  3. troposphere hat mich schon sehr amüsiert, aber es war stellenweise etwas mühsam zu lesen, vor allem wenn man wissen möchte wie es weitergeht und sie ausführlichts zB die umstände in der uni beschreibt … sex wird hier auch ziemlich oft erwähnt … naja alles in allem ein ganz gutes buch, aber nicht DAS buch das ich weiterempfehlen würde.

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