Lee Child: Die Jack Reacher Romane

Lee ChildHier geht’s mal nicht um einen speziellen Titel, sondern um eine ganze Reihe von Büchern. Die Romane von Lee Child. Sie alle drehen sich um einen charismatischen Helden: Jack Reacher.

Reacher ist als Sohn eines US-Soldaten aufgewachsen, von Militärbasis zu Militärbasis gezogen. Später ging er selbst auch zur Army, wo er Militärpolizist wurde und es immerhin zum Major brachte (trotz zwischenzeitlicher Degradierung). Im Zuge der Verkleinerung des US-Militärs nach dem Zusammenbruch der UdSSR verließ auch Reacher (freiwillig) die Army. Seither zieht er durch Amerika (das er ja außerhalb der Militärbasen kaum kennt). Er besitzt lediglich eine zusammenklappbare Zahnbürste (in den späteren Romanen auch einen Ausweis und eine Bankkarte) und die Kleider, die er am Leib trägt. Er weiß selten, wo er am nächsten Tag sein wird; wenn ihm das Geld ausgeht, dann arbeitet er ein paar Wochen und zieht dann weiter.

In den Romanen ist es dann so, daß Reacher mehr oder weniger zufällig in eine Situation gerät, in der er irgendwelchen Bösewichten gegenübersteht. Und auch wenn Reacher nicht per se dem Guten zum Sieg verhelfen will, so schützt er doch die Unschuldigen und sorgt dafür, daß die Gerechtigkeit (SEINE Art von Gerechtigkeit) siegt. Dabei geht Jack Reacher gnadenlos vor. Genau das macht den Reiz der Geschichten für mich aus. Wo andere Thrillerhelden den Bösewicht betäuben oder fesseln (um ihm dann wenig später wieder gegenüberzustehen), macht Reacher keine Kompromisse. Nur ein toter Gegner ist ein Gegner, der ungefährlich ist. Oder, wie in einer Szene aus „Bad Luck and Trouble“, wenn man einen potentiellen Gegner in einer „waffenreichen“ Umgebung (ein Waffenladen) zurücklässt, ihn aber nicht töten will (immerhin ist er der Inhaber, wenn auch ein schmieriger Kerl), dann bricht man ihm eben die Finger. Geht schneller als die Hände zu fesseln und ist effektiver.

Man glaubt dem Autoren dieses Vorgehen. Reacher ist kein normaler Mann – er ist riesenhaft groß, verfügt über außerordentliche Körperkräfte und eine bemerkenswerte Ausstrahlung – und er hat auch kein normales Leben geführt. Er ist mit Gewalt und Waffen aufgewachsen. Und, wie in den Romanen immer wieder betont wird, er hatte mit den übelsten der Üblen zu tun, mit Verbrechern, die vom Staat zum Töten ausgebildet worden waren. Reacher tut, was er für notwendig hält. Auch wenn andere das für übermäßig grausam halten.

Man sollte vielleicht nicht gleich alle Jack-Reacher-Romane hintereinander lesen, denn vieles wiederholt sich. Das Grundmuster ist immer sehr ähnlich. Aber im gegenwärtigen Thriller-Einerlei ist Reacher eine höchst willkommene Ausnahme. Man kann ihn vielleicht als eine Art Comic in Textform lesen. Höchst spannend, adrenalin-pumpend und nicht ganz ernst.

Müsste ich Jack Reacher mit einem Film vergleichen, dann am ehesten mit dem neuen Bond „Casino Royale“. Daniel Craig ist vielleicht ein bisschen klein, aber sonst Reacher sehr ähnlich. Genauso hart.

P.S. Noch ein Pluspunkt für Lee Child: Im Gegensatz zu vielen aktuellen Thrillern werden in seinen Romanen niemals Kinder verletzt. Wenn sie auch nur bedroht werden, dann sorgt Reacher dafür, daß die Bedrohung ausgeschaltet wird. Endgültig. Als Vater von zwei kleinen Kindern finde ich das sehr tröstlich…