Karl Ove Knausgard: Alles hat seine Zeit – Nachtrag 3

LesetagebuchJetzt habe ich die Sintflut hinter mir, bin auf Seite 425 (von 637) und völlig begeistert. Wie Knausgard schreibt, ist wirklich fabelhaft. Selten habe ich ein Buch gelesen, bei dem ich abends lange wach im Bett lag und noch immer mit den Personen litt. Ich weiß kaum was ich schreiben soll, so begeistert und beeindruckt bin ich im Moment. So habe ich die Geschichte der Sintflut noch nie gelesen. Meist geht es ja um die Arche, die das Leben auf der Erde rettet. (Und irgendwie denkt man immer „Schön, daß Gott sich so um Noah sorgt!“ – Dabei ist es ja Gott, der die Welt untergehen lässt.) In dieser Variante geht es aber viel mehr um all jene, die nicht gerettet werden. Es wird deutlich, was für eine furchtbare Katastrophe es gewesen sein muss. Wie sehr die Menschen gelitten haben, die plötzlich und völlig unerwartet mit Gottes Zorn konfrontiert wurden. Wie grausam dieser Zorn war.

Und um das deutlich zu machen, geht Knausgard wieder weit zurück, Rückblenden in Rückblenden, so daß man Noahs Geburt und Kindheit aus der Perspektive von Noahs Vater Lamek erlebt. Diesen Lamek gewinnt man richtiggehend lieb, man fühlt mit ihm – und wenn dann die Perspektive wieder zu seinen Kindern wechselt, dann kann man nachempfinden, warum diese ihren Vater lieben. Und wenn dann das passiert, was ich früher schon ansprach, wenn also einer der Familie stirbt, dann ist man so nah am Geschehen, daß man (oder zumindest ich) feuchte Augen kriegt. Es ist furchtbar und traurig und wunderschön zugleich. Ganz großartig.

Ich werde mal noch ein wenig nachdenken, dann mit ein bisschen mehr Abstand wieder schreiben. Es gibt noch soviel in dieser einen Geschichte. Zum Beispiel, wie die Engel (die ja das Leitmotiv des Buches sind) da hineinpassen.

Aber bisher kann ich sagen: ein tolles Buch. Selbst wenn man nach Seite 425 aufhört, hat sich das Lesen gelohnt. Allerdings – wie kann es jetzt weitergehen, ohne völlig zu enttäuschen? Wir werden sehen!

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