Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser

Glasbücher der TraumfresserWas sich wie ein Jugendbuch oder Fantasy-Roman anhört ist etwas völlig anderes. Wirklich. Es ist ein „viktorianischer Spannungsroman“. So etwas wird heute ja eigentlich nicht mehr geschrieben, jedenfalls nicht als eigenständiges Werk. (Scarlett Thomas hat in ihrem „Troposphere“ längere Auszüge aus einem Buch, das ein wenig an dieses hier erinnert…) Dahlquist hat eine Geschichte um private und politische Intrigen, um patente Erbinnen und ruchlose Mörder, um korrupte Politiker und Beamte geschrieben im England Queen Victorias. (Bei diesem Buch darf man durchaus Worte wie „patent“ oder „ruchlos“ verwenden, finde ich…) Und natürlich um die Traumfresser. Geheimnisvolle Zusammenkünfte, Gewalttaten, merkwürdige Elixiere, willenlose Jungfrauen – in welchem Buch findet man sowas heute noch? Dahlquist mixt in seinem Buch literische Zutaten von Conan Doyle, Poe, Dickens und Jules Verne zu einer ganz eigenen Mischung: spannend, kurios, witzig, erotisch und abenteuerlich.

Und noch dazu kommt, das der Roman in zehn Einzelbänden von je knapp hundert Seiten (immer ein Kapitel) erscheint, alle zusammen immerhin und im „Schmuckschuber“. Das soll erinnern an die Sitte auch Romane erstmal in Heftform zu veröffentlichen. Auch Dickens erschien ursprünglich als Fortsetzungsroman…

Ich kann „Die Glasbücher der Traumfresser“ jedem empfehlen, der einen wahrhaft historischen (aber nicht historisch wahrhaften) Roman lesen möchte, der nicht zimperlich ist was Blut & Tod angeht und der das viktorianische England mag. Mir hat er einfach großen Spass gemacht!

Eine fabelhafte Besprechung findet sich auch HIER!

Ein Gedanke zu “Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser”

  1. »USA Today« bezeichnete seinen Aufsehen erregenden Erstlingsroman als »ein Märchen, das verwegene Abenteuer, eine große Dosis Science- Fiction und zarte Romanze vereint«.

    Nicht schlecht – aber Science-Fiction ist anders! Und auch in der Fantasy-Abteilung ist das Buch nicht am rechten Ort. Für Leser historischer Romane ist es vielleicht ein bisschen zu abgedreht. Also, fragt sich der Buchhändler, wohin damit? Am besten einen eigenen Tisch dekorieren…

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