Lars Brandt: Andenken

AndenkenLars Brandt ist ein Sohn Willy Brandts. Dieses Buch ist vielleicht seine Art mit all den „Erinnerungen“ umzugehen, die über seinen Vater veröffentlich wurden und werden. Eigentlich war es die Tatsache, daß es so ein dünnes Bändchen ist, daß es so hoch gelobt wurde und daß es jetzt als Taschenbuch erschienen ist, die mich dazu gebracht hat mal in „Andenken“ hinein zu schauen. Ich dachte mir, ich könnte eine Besprechung dazu mit ein paar Gedanken darüber beginnen, wie Willy Brandt auch in meinem Leben Spuren hinterlassen hat – aber nachdem ich das Buch gelesen habe, mache ich das lieber nicht. Denn was hätte ich über einen Mann zu sagen, den ich nicht kannte? Dessen politische Laufbahn höchstens mal Anlass zu Diskussionen bei uns zu Hause war? Garnichts! Und deshalb lieber etwas über dieses Buch:

„Andenken“ ist keine Biographie. Es ist kein Sachbuch, eher ist es schon ein Band mit Poesie. Die Sprache ist sehr kunstvoll, manchmal fast zu sehr, gekünstelt. Aber, denkt man sich beim Lesen, wer so vielsprachig aufwächst wie Lars Brandt, der hat sicher ein anderes Verhältnis zu Worten. Das Lesen macht Spass, das ist die Hauptsache. In seinem Buch reiht Lars Brandt lose Erinnerungsfetzen aneinander, erst gegen Ende wird eine Chronologie erkennbar. Er beschreibt seinen Vater nicht, sondern charakterisiert das Verhältnis, daß er zu ihm hatte. Natürlich findet sich auch hier die eine oder andere Anekdote, warum auch nicht. Aber insgesamt ergibt sich eher ein Gefühl als ein Bild. Das vage Gefühl, daß Willy Brandt tatsächlich ein sehr bemerkenswerter Mann war. Und daß sein Sohn ihn liebte, auch wenn das schwierig war. Mich hat „Andenken“ sehr traurig und sehr glücklich gemacht. Ein gelungenes Buch. Eines, daß man schnell gelesen hat – daß man aber sicher ein zweites und drittes Mal liest…