Bernhard Kegel: Der Rote

Passend zum Buch habe ich hier diesen Artikel über Riesentintenfische in Neuseeland gefunden. Ganz unten auf der Seite kann man sich drei Bilder ansehen, die ziemlich beeindruckend sind!

Der RoteIch bin mir nicht ganz sicher, wie ich dieses Buch finden soll. Es hat mich die letzten paar Abende wachgehalten, ich habe es fast in einem Rutsch gelesen. Das spricht dafür, daß es zumindest spannend ist. Aber…

Laßt mich mal so anfangen: „Der Rote“ ist im marebuchverlag erschienen. Ich bin, das gebe ich gerne zu, ein Fan des Verlages. Zum einen erscheinen dort viele wirklich schöne Bücher, zum anderen finde ich die Verlagsidee einfach toll: bei marebuch erscheinen nur Bücher, die in irgendeiner Form etwas mit Wasser zu tun haben – und sei es nur, daß der Autor auf einem Hausboot lebt. Also hatte das Buch schon mal einen Pluspunkt. Ich mag Bücher über das Meer und seine Bewohner (wie z.B. „Moby-Dick„). Und in „Der Rote“ geht es um eine Katastrophe im Meer und einen geheimnisvollen Cephalopoden. Wenn nichts anderes, dann lehrt uns das Buch so einiges über diese Tierart – Kopffüßer. Ich wußte nie so recht, wo der Unterschied ist zwischen Kraken, Sepien und Kalmaren. Jetzt schon.

Das Cover erinnert (sicher nicht ganz ohne Absicht) ein klein bisschen an „Der Schwarm“ – trotzdem habe ich es gekauft. Trotzdem, weil ich Frank Schätzings „Der Schwarm“ für eines der am meisten überschätzten Bücher der letzten Jahre halte. Dazu vielleicht mehr ein andermal. Also: „Der Rote“ ist kein Abklatsch von „Der Schwarm“. Überhaupt nicht. Es geht um eine Naturkatastrophe, der nichts geheimnisvolles anhaftet, die die Tiefsee vor Neuseelands Küste buchstäblich auf den Kopf stellt. So gelangen Tiere an die Oberfläche, die sonst in tiefsten Tiefen unsichtbar bleiben. Allen voran sind das die oben schon erwähnten Cephalopoden, die zu Hunderten an einem Strand angeschwemmt werden. Einem Strand, an dem zufällig der deutsche Cephalopodenexperte Hermann Pauli Urlaub macht. Er versucht, die schnell verwesenden Tiere zu bestimmen, diese einzigartigen Funde zu katalogisieren. Dabei macht er dann eine wirklich unglaubliche Entdeckung…

Eine Weile erwartet man beim Lesen eine Art Offenbarung, wie man sie bei „Der Schwarm“ hatte – das alles einem großen Plan folgt, daß Intelligenz hinter der ganzen Sache steckt. Dem ist aber nicht so. Statt dessen entwickelt sich die Geschichte eher in Richtung von „Müssen wir jedes Tier töten, daß wir nicht kennen und das größer ist als wir?“ Durchaus spannend erzählt, aber irgendwie ein klein bisschen enttäuschend…

Das ist im Grunde dann auch mein Fazit: spannden, informativ, nie so überzogen wie bei Schätzing – aber ohne den großen Aha-Effekt.