Max Brooks: Wer länger lebt, ist später tot

Wer länger lebt, ist später totMerkwürdiger Titel, dachte ich. Merkwürdiges Buch. Aber da wir ja Halloween hatten, und weil ich hier einen interessanten Artikel dazu gelesen habe, und weil ich noch nie ein Zombie-Buch gelesen habe (oder auch nur einen Zombie-Film gesehen habe), dachte ich mir – versuch es mal!

Als erstes vielleicht: das ist kein Horror! Klar, es handelt von Zombies, aber Horror bedeutet für mich, daß ich mich beim Lesen ganz klein mache und abends das Licht anlasse, wenn ich ins Bett gehe. Horror, das ist „House of Leaves„. Dieses Buch hier – der deutsche Titel ist übrigens außerordentlich blöde, das Original heißt „World War Z“, was es viel besser trifft – dieses Buch also ist eher eine ziemlich sachliche Beschreibung von dem, was passieren könnte, wenn es ein weltweites „Zombie-Problem“ gäbe. Geschrieben als Sammlung von Augenzeugenberichten nach dem Zombie-Krieg, ist auch von vornherein klar, daß alle Erzähler überleben – sonst könnten sie ja nichts mehr erzählen. Und gerade am Anfang sind die Episoden so kurz, daß beim besten Willen keine Spannung aufkommt. Kaum glaubt man sich ein wenig in den Erzähler versetzen zu können, da ist schon Schluß. Doch trotzdem hat das Buch von Brooks (übrigens der Sohn von Mel Brooks) einen eigentümlichen Reiz. Fragt man sich zu Beginn noch, was das ganze soll, so nimmt man doch bald alles für bare Münze, glaubt fast irgendwie selbst daran, daß der Zombie-Krieg stattgefunden hat.

Die meiner Meinung nach beste Geschichte (und es ist wirklich eine) findet sich im letzten Drittel des Buchs. Ein chinesischer U-Boot-Kommandant beschließt China zu verlassen, nimmt Besatzung und deren Familien an Bord und taucht ab – buchstäblich. Er wird gejagt, muß schwere Entscheidungen treffen und rettet am Ende sein Land. (Ist das Zufall, daß es eine Geschichte über’s Meer ist, die mir am besten gefiel?)

Gegen Ende schlägt die Menschheit zurück. Hier wird das ganze dann ein wenig Hurra-patriotisch, wenn man erfährt, wie großartig die Amerikaner „ihr Haus“ gesäubert haben, während es in anderen Staaten doch deutlich schlechter klappte. Aber trotzdem – es macht Spaß, das zu lesen. Die detaillierten Beschreibungen der Waffen und Ausrüstung dieser neuen „altmodischen“ Armee, ihre Kämpfe gegen einen Gegner, dem man nicht das geringste bisschen Mitgefühl entgegenbringen darf…

Alles in allem fand ich „Wer länger lebt ist, später tot“ erstaunlich unterhaltsam. Einige der Passagen sind sicher geschrieben mit dem Schreckgespenst der globalen Erwärmung und ihren Folgen für unseren Lebensstandard vor Augen, einiges ist ziemlich amerikanischer Terrorkrieg-Quatsch. Aber auf morbide Art und Weise macht es Spaß. Ein ganz schön seltsames Buch! Übrigens erinnerten mich viele der Schlachten-Szenen sehr an John Ringos „Invasion„-Reihe (über die ich auch noch zu schreiben gedenke…)

P.S. Ein paar Worte zur Übersetzung: die ist nämlich ziemlich liederlich! So wurde z.B. der Begriff „canistershot“ einfach mit „Kanisterschuß“ übersetzt. Meines Wissens gibt es ein solches Wort im Deutschen nicht. Die korrekte Übersetzung wäre „Kartätsche“. An anderer Stelle wird davon gesprochen, daß ein „Golfclub“ nicht geeignet sei, um einen Zombie zu erschlagen. Offensichtlich! Das Wort im Original war natürlich „golfclub“ – was hier aber mit „Golfschläger“ zu übersetzen wäre. Dann wird mal „vorgesetzte“ mit „untergebenen“ verwechselt oder behauptet, daß der M1-Panzer einen „Düsenantrieb“ hätte, tatsächlich hat er einen Gasturbinenantrieb… Das sind alles Kleinigkeiten, aber lästige Kleinigkeiten. Unnötig. Schade eigentlich.