Martin Cruz Smith: Stalins Geist

Stalins GeistEigentlich lese ich keine Kriminalromane. Und ich sehe mir eigentlich auch keine Krimis an. Aber eine Ausnahme ist „Gorki Park“, sowohl als Buch wie auch als Film etwas besonderes. Aus „Gorki Park“ wurde eine ganze Reihe, in der Ermittler Arkadi Renko den Niedergang der UdSSR und Aufstieg Russlands erlebt. Auch mal auf einem russischen Trawler (in „Polar Star“) oder in Kuba (in „Nächte in Havanna“), meist aber halt in Russland. So auch in seinem neuen Fall „Stalins Geist“. Da geht es erstmal um eine angebliche Sichtung Stalins in der Moskauer U-Bahn, die der zuständige Staatsanwalt gerne unter den Tisch kehren würde, wozu er Renko abstellt. Dessen Vater nämlich, erfahren wir, war einer der Generäle, die recht gut mit Stalin konnten…

Es wäre natürlich kein Arkadi-Renko-Roman wenn es dabei bliebe. Im weiteren geht es um Politik, bezahlte Morde, Kriegsverbrechen, eine Menge Schach, Korruption und ähnliche Scheußlichkeiten (äh – abgesehen von Schach natürlich…). Renko überlebt einen Kopfschuss und am Ende klärt sich vieles – nicht unbedingt „auf“, aber es klärt sich halt – auf russische Art und Weise. Das Ende ist… nun ja, ungewöhnlich? Wenn man sich das ganze nochmal durch den Kopf gehen lässt, dann wird einem klar, daß Arkadi Renko soviel Gerechtigkeit erreicht hat, wie sie unter diesem System möglich ist. Das ist nicht wirklich viel, einige Morde werden nie geklärt, einigen Verbrechern passiert nix – aber so ist es halt. Damit muss man klarkommen im Russland von heute. Das, nehme ich an, ist die Botschaft. Das ist Russland. Nicht „der Westen“…

Was ich noch nicht erwähnt habe – das merkwürdige (trostlose?) Gefühl, daß sich beim Lesen dieses Buches einstellt. Das beschriebene Land & Lebensgefühl ist unserem so was von fremd! Gestern abend war Wladimir Kaminer im TV und sagte „Die Russen fahren nicht ins Grüne zum ackern, sondern zum saufen.“ Er hatte die Lacher auf seiner Seite, aber wenn man dieses Buch gelesen hat, dann weiß man – er meinte es ernst!