Robert Löhr: Das Erlkönig-Manöver – Besprechung Teil 2

Das Erlkönig-ManöverZweite Hälfte des Buches: Hier läßt der Roman erst mal ein wenig nach, denn das eigentliche Husarenstück – die Befreiung des Dauphins – liegt hinter den Helden. Nun müssen sie sich verstecken, um nicht Napoleons Schergen in die Hände zu fallen. Gezwungen mehrere Wochen in der Einsamkeit eines Bergverstecks zu verbringen, bricht die Gruppe auseinander. Zu unterschiedlich sind ihre Weltbilder. Goethe hält nichts von Demokratie und will lieber einen König in Frankreich sitzen haben. Schiller hat zwar einiges für die Ideale der Revolution übrig, ihm gefällt aber auch die Vorstellung, ein von ihm geformter König könnte Europas mächtigsten Staat lenken. Kleist ist ein durch und durch deutscher Patriot, der es nie verwinden könnte, dem König von Frankreich auf den Thron zu helfen. Bettine Brentano und Achim von Arnim sind mehr mit eigenen Problemen beschäftigt (in denen Goethe eine nicht unerhebliche Rolle spielt), und Humboldt – nun Humboldt ist ein enger Freund Georg Forsters, der die Mainzer Republik nach französischem Vorbild mitbegründet hat. Er ist also auch nicht gerade angetan von der Idee, daß wieder eine Monarchie in Frankreich herrscht. (Übrigens: gerade ist Georg Forsters großartiges Buch „Reise um die Welt“ wieder aufgelegt worden – in der gleichen Reihe, in der vor einigen Jahren „Kosmos“ von Alexander von Humboldt erschien…)

Nach diesem „Zwischenspiel“ folgt wieder einiges an Action, mit Schießereien und Verfolgungen ehe der Dauphin schließlich in Weimar ist. Hier werden einige der Intrigen deutlich, die unseren Helden das Leben schwer machten – und die schließlich auch Schiller das Leben kosten? Im furiosen Finale schließlich zitiert Löhr wieder munter aus Dramen und Gedichten und klaut schamlos aus aktuellen Action-Filmen. Das macht Spass beim Lesen und entschädigt für vorangegangene Längen. Beeindruckend, wie es dem Autor gelingt, am Ende alles wieder ins Lot (d.h. in unsere vertraute Geschichtsschreibung) zu bringen. Allerdings blieben bei mir noch einige Fragen offen. Vielleicht gibt’s ja eine Fortsetzung?

Fazit: ein bemerkenswert unterhaltsames Buch, dem es gelingt, die großen Dichter und Denker als Menschen aus Fleisch und Blut (eine Menge Blut!) darzustellen. Nebenbei lernen wir einiges über die politischen Zustände kurz nach der französischen Revolution. Ein richtig gutes Buch!

2 Gedanken zu “Robert Löhr: Das Erlkönig-Manöver – Besprechung Teil 2”

  1. Ich muss schon sagen, du verstehst es, eine(n) neugierig zu machen. Ich glaube, ich muss das Buch auch noch irgendwo dezent als Weihnachtswunsch platzieren.

    Deine Beschreibungen atmen so ein… hm, Vergnügen an Geschichten auf bedrucktem Papier. Berufskrankheit?😉 Ich schau immer wieder gern mal her, was so für ‚Treibgut‘ an des Buchhändlers Gestade angeschwemmt wird.🙂

    Gruß. Die Hex‘

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