Richard Morgan: Skorpion

SkorpionEines vorweg: wer Richard Morgan noch nicht kennt und sich ein klein wenig für moderne Science Fiction interessiert, der sollte jetzt sofort in die Buchhandlung seines Vertrauens laufen und sich „Das Unsterblichkeitsprogramm“ und „Skorpion“ kaufen. Wenn die beiden gelesen sind, warten noch „Gefallene Engel“ und „Heiliger Zorn“. Und zuerst liest man „Skorpion“…

Zu Beginn des 22. Jahrhunderts hat sich die Welt, wie wir sie kennen, deutlich verändert. Es gibt ständige Kolonien auf dem Mars, die Sezession hat die ehemaligen USA gespalten, virtuelle Realität ist allgegenwärtig – und es wurden genetisch veränderte Menschen gezüchtet. Manche dienen „harmlosen“ Zwecken, wie die Bonobos, die willige Sexsklaven sind, oder die Hibernoiden, die neun Monate unermüdlich arbeiten, ehe sie für drei Monate in Tiefschlaf fallen. Manche sind aber gefährlicher. Die „Variante Dreizehn“ wurde erzeugt, um Krieg zu führen. Sie sind die Männer, die unsere Zivilisation über Jahrzehntausende ausgelöscht hat, die wilden, unbarmherzigen Krieger, die Alpha-Männchen. Nachdem die „Dreizehner“ ihre Schuldigkeit getan hatten, wurden sie interniert, denn im alltäglichen Leben möchte der Normal-Mensch mit ihnen lieber nichts zu tun haben. Manchmal entkommt einer und wird gejagt. Jemand, der diese Entflohenen wieder einfängt (tot oder lebendig) ist Carl Marsalis, selbst ein Dreizehner – aber einer mit Lizenz. Als ein Dreizehner illegal vom Mars zurückkehrt und eine Blutspur hinter sich herzieht, engagiert die ermittelnde Behörde Marsalis als Berater…

„Skorpion“ ist einige Jahrzehnte vor den anderen drei SF-Romanen Morgans angesiedelt, stellt eine faszinierende Stufe auf dem Weg zu der Welt dar, die in „Das Unsterblichkeitsprogramm“ präsentiert wird. Rassenhass, Diskriminierung und vor allem religiöser Fanatismus sind die erschreckenden, tragenden Säulen der Geschichte. Carl Marsalis ist alles, was man sich von einem Romanhelden wünscht. Er sieht gut aus, ist stark, geschickt, charismatisch, ein hervorragender Kämpfer und ein geschickter Stratege. Aber er ist kein Mensch. Auch wenn es so scheint. Darum ist es falsch, ihn mit menschlichen Massstäben zu messen – was aber alle in seiner Umgebung tun, auch wenn er immer wieder darauf hinweist, daß sie falsch liegen.

Wie die anderen drei SF-Romane (um Takeshi Kovacs) ist auch „Skorpion“ ein knallhartes Buch, schnell und actionreich erzählt, mit einer ordentlichen Portion Sex – und mit einer Botschaft. Die wird schon klar, wenn man die Widmung liest. Ein absolut lesenswerter Titel. Und auf dem momentan so dünnen SF-Markt eine erfreuliche Erscheinung!