Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon

Erscheint März 2008 im Verlag Piper

“Das Albtraumreich des Edward Moon”London, 1901. Edward Moon, Bühnenzauberer mit nachlassendem Erfolg und zunehmend schütterem Haar, wird von Scotland Yard gebeten, bei der Aufklärung mysteriöser Morde mitzuhelfen. Und das, obwohl „seit der Sache in Clapham“ auch sein Ansehen als Privatdetektiv gelitten hat. Moon ist anfänglich begeistert, vertreibt die Ermittlung doch seine unerträgliche Langeweile. Doch schnell wird klar, daß einige sehr mächtige Leute ihre Finger im Spiel haben. So macht ihm auch der Albino Mr. Skimpole ein Angebot, daß er nicht ablehnen kann. Er lehnt dennoch ab – und muß die Konsequenzen tragen.

Moon und sein Partner, der Schlafwandler – ein geheimnisvoller Riese, der buchstäblich nicht totzukriegen ist – machen sich an die Lösung des Falls und decken eine Verschwörung auf, die Londons Existenz bedroht. Darin verwickelt sind diverse Jahrmarktsattraktionen (z.B. der Fliegenmensch), ein toter (?) Dichter, das „Direktorium“, die Firma Love, Love, Love und Love, ein Mann, der rückwärts durch die Zeit lebt, der stets gutgelaunte Inspektor Merryweather, verschiedene gedungene Mörder und noch einige merkwürdige Gestalten mehr.

Durch die Geschichte führt uns ein Erzähler, ähnlich Dr. Watson in den Sherlock-Holmes-Erzählungen, allerdings hat dieser Erzähler eine ziemlich ablehnende Haltung gegenüber Moon. Wie der Leser im Verlauf der Handlung erfährt, gibt es dafür triftige Gründe. Und er gibt auch unumwunden zu, daß er nicht besonders gut erzählen kann:

„Seien Sie gewarnt – diese Buch besitzt keinen wie auch immer gearteten literarischen Wert!“

Und:

„Eine letzte Sache, eine letzte Warnung: im Geiste der Fairness sollte ich noch einräumen, dass ich Beweggründe haben werde, Ihnen mehr als nur eine glatte Lüge aufzutischen.“

„Das Albtraumreich des Edward Moon“ ist kein Krimi, auch keine Horrorgeschichte, schon gar kein historischer Roman – obwohl von allen Elemente vorhanden sind. Wie in „Die Glasbücher der Traumfresser“ werden auch hier die Zutaten zu einer ganz eigenen, gut zu lesenden Mischung verrührt. Barnes‘ Debüt ist tatsächlich, wie der Observer schreibt, „ein Kabinett der Kuriositäten“ – an dessen Ende allerdings einige Fragen offen bleiben.

Ich hatte viel Spass beim Lesen, besonders der ziemlich boshafte Erzähler, der immer wieder in Erscheinung tritt, hat mir gefallen. Außerdem hatte ich bei der Lektüre das Gefühl, daß Barnes selbst auch seinen Spass hatte und munter drauflos fabuliert hat. So etwas finde ich immer großartig…

5 Gedanken zu “Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon”

  1. Mir hat das Buch auch wirklich gut gefallen… es war sehr spannend und barg immer neue überaschungen!
    Ich freue mich auf das neue Buch von Barnes!

  2. Oh ja! Das neue Buch („Domino Men“) erscheint im März auf Deutsch, Titel: „Das Königshaus der Monster“. Wird hier besprochen, sobald ich es in die Finger bekomme!
    Leider ist es wohl keine Fortsetzung von „Edward Moon“ – dabei würde ich zu gern wissen, was es mit „der Sachen in Clapham“ auf sich hat!

  3. Hallo Leute, wenn es Euch interessiert, in unserer Ausgabe „Earth Rocks 12 – The good, the bad and the ugly“ haben wir ein neues Interview mit Jonathan drinnen. Best wishes, Flo

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