Michael G. Bauer: Nennt mich nicht Ismael

Erscheint Anfang Februar 2008 im Verlag Hanser

“Nennt mich nicht Ismael”Hach, dieses Buch hätte ich gern selber geschrieben, Titel und Cover haben mich sofort begeistert: „Nennt mich nicht Ismael!“ von Michael Gerard Bauer. (Übersetzung aus dem australischen Englisch im Hanser Jugendbuch-Verlag.)

Wie im guten alten „Moby-Dick“ gibt es auch hier einen Ich-Erzähler namens Ismael, der ebenso wie sein Namensvetter zu Abschweifungen neigt. Dieser Ismael verdankt seinen Namen der Tatsache, daß seine Eltern beide einen Kurs über amerikanische Literatur belegt hatten und einer skurrilen Geschichte, die sich dann während seiner Geburt zutrug. Und nun muß Ismael unter seinem Namen leiden – und unter den Boshaftigkeiten von Schulkamerad Barry Bagsley, der aus „Ismael Leseur“ gekonnt „Fischmehl Le Sau“ macht. (Allerdings muß man sagen, daß manches Wortspiel einfach unübersetzbar ist: daß „Moby-Dick“ bei den Schülern Erheiterung auslöst, kann man nur verstehen, wenn man weiß, was „Dick“ in der englischen Umgangssprache bedeutet.) Das geht solange, bis ein neuer Schüler in ihre Klasse kommt, James Scobie. James behauptet aufgrund einer Hirnoperation keine Angst mehr empfinden zu können, und treibt Barry damit zur Weißglut. Er gründet einen Debattierclub und auch Ismael wird – wenn auch widerwillig – Mitglied. Was dann folgt, ist ein wahres Feuerwerk an wunderbaren Ideen. Die anderen Mitglieder des Clubs sind ebenso skurril wie Ismael und James, vielleicht sogar noch mehr: Bill Kingsley, Orazio Zorzotto und Ignatuis Prindable! Was für Namen! Und am Ende werden aus den seltsamen Gestalten Freunde…

Und: es gibt auch eine wunderschöne Liebesgeschichte, ganz ohne Kitsch. Dafür aber umso gefühlvoller.

Das ist ein richtig komisches Buch! Ismael ist ein toller Kerl, dessen Selbstironie kaum zu übertreffen ist, und die Dialoge zwischen James und Barry treiben einem Lachtränen in die Augen. Dabei ist das aber nicht plump geschrieben, sondern vielmehr ganz fein beobachtet. Solche Jungs gab es wahrscheinlich in jeder Schule, ganz sicher gab es sie in meiner, und ich kann ziemlich gut die Probleme Ismaels nachfühlen. Was man lernt: Sprache ist mächtiger als Fäuste. Wenn das nichts ist!

P.S. Das Buch stammt ja aus dem Hanser-Verlag, das merkt man auch an den verwendeten Moby-Dick Zitaten: die stammen aus der Jendis-Übersetzung. (Das erste Kapitel heißt „Schemen“, bei Rathjen „Kimmungen“.)

P.P.S. Gegen Ende des Buches beschließt Ismael „Moby-Dick“ zu lesen. Das hat er dazu zu sagen:

Moby Dick zu lesen war nicht ganz so einfach, wie ich gedacht hatte. Als ich Dad um das Buch bat, bestand er darauf, dass ich das „richtige Buch“ las und nicht die „Kinderversion“, wie er sagte.

Das richtige Buch entpuppte sich als tausendseitiger Dünndruck – sechshundert Seiten Roman und dann noch einmal vierhundert Seiten Anmerkungen und Kommentare, die ich aber, wie mein Vater zum Glück sagte, überspringen konnte. Ich sage euch, wenn ihr alles – und ich meine wirklich alles – über Wale und Walfang wissen wollt, dann schaut bei Moby Dick nach. Das ist die Bibel der Wal-Fanatiker.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen🙂

4 Gedanken zu “Michael G. Bauer: Nennt mich nicht Ismael”

  1. Ui, diese Empfehlung hätte sich wohl auch im Moby-Dick-Blog ausnehmend gut gemacht – Leben mit Herman Melville. Und Mobys Tauglichkeit als Bibel hat ja auch schon mal uns und andere beschäftigt.😉

    Ich könnt’s mir dort gut als Gastbeitrag vorstellen. Hey, mal mitm Wolf reden? Natürlich nur, wenn du magst…

    Jahresendgrüßle von der Hex‘.

    Und – guten Rutsch!🙂

  2. Hui – da muss man wohl wirklich Buchhändler sein, damit einem das jetzt schon auffällt; bis jetzt ist das praktisch nur beim Verlag auffindbar (und das australische Original auch nur bei Buchhändlern).

    Klingt verlockend, ist sicher mal einen extra Moby-Artikel wert. Einstweilen hab ich’s als „Freundliche Begegnung“ in die Bücherliste gestapelt.

  3. Da recherchiert man bei offenen Browserfenstern vor sich hin, da kommt einem schon die Hex zufür. Na gut, vielleicht ist ein Gedanke, den zwei Leute haben, tendenziell richtig😉

    Wünsche wohl das Jahr zu wechseln.

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