Leseexemplare

Als Buchhändler erhalte ich auch Leseexemplare, um schon vor der tatsächlichen Auslieferung eine Entscheidung über den Einkauf des Titels treffen zu können. Außerdem soll der Buchhändler das Buch ja kennen, sobald er es ins Regal räumt, da ist es schon sinnvoll, es vorher lesen zu können. Ich schreibe dann auch gleich hier im Blog über diese Titel, die häufig den Vermerk enthalten „Bitte keine Rezensionen vor dem TT.MM.JJJJ“. Von den Verlagen wollte ich nun wissen, wie sie zu Vorab-Besprechungen in Blogs stehen. Vielleicht ist das ja auch für andere Blogger von Interesse. Mein Schreiben an die Verlage:

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist …, ich bin Buchhändler. In meiner Freizeit führe ich auch ein Internet-Blog, in dem ich sehr viel über Bücher schreibe (planet9.wordpress.com). In meiner Eigenschaft als Buchhändler lese ich natürlich auch Lese-Exemplare. In vielen dieser LE ist der Vermerk: „Bitte keine Rezensionen vor…“
Nun meine Frage: Gibt es eine Stellungnahme Ihres Verlages in Bezug auf diesen Wunsch und Blogs? Ich kann verstehen, daß Sie keine Rezensionen in „herkömmlichen“ Medien wünschen, die Wochen oder Monate vor der Erscheinung eines Buches veröffentlicht werden, da diese bis zum Erscheinungstermin längst vergessen sind. Bei Blogs im Internet liegt der Fall aber anders, sie sind regelrechte Archive. D.h. wer z.B. einen Beitrag über Steven Hall: Gedankenhaie sucht, der findet auch meinen Blog-Eintrag, der bereits mehrere Wochen zurückliegt. Außerdem ist es vielleicht auch für andere Buchhändler (evtl. auch für den Verlag?) interessant, eine Stellungnahme vor dem tatsächlichen Erscheinen zu lesen . In meinem Blog bin ich sehr viel ausführlicher, als ich es auf einer Postkarte sein könnte, die dem Lese-Exemplar vielleicht beiliegt.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir in dieser Frage eine Antwort zukommen lassen könnten!

Antwort…

…vom Goldmann-Verlag (Random House) per e-mail am 3.1.2008:

Sehr geehrter Herr …,

grundsätzlich ist es schon sinnvoll sich auch in Internetveröffentlichungen an die Sperrfrist zu halten. Ihr Archivargument ist natürlich richtig, gilt aber natürlich auch nach Erscheinen eines Buches. Es ist für uns als Verlag daher sehr schwierig dort Ausnahmeregelungen zu schaffen, die für uns, aber auch für klassische Rezensenten nachvollziehbar sind, mal ganz abgesehen davon, dass natürlich auch klassische Rezensionsmedien ihre Besprechungen nicht nur drucken oder senden, sondern dann auch online stellen.
Bei Leseexemplaren würde allerdings sicher kein Verlag darauf beharren, dass keine Wertung vor dem genannten Datum im Netz kursiert. Allerdings sollte dabei zur Orientierung von Käufern / Interessenten auf ein Erscheinungsdatum hingewiesen werden.
Ich hoffe, Ihnen mit dieser Antwort gedient zu haben.
Freundliche Grüße

Claudia Hanssen
Goldmann Verlag
-Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit-

(Fettdruck von mir.)

… vom Verlag Carl Hanser per e-mail am 9.1.2008

Lieber Herr …,
vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihre Nachfrage.
Wir freuen uns natürlich sehr, wenn in Blogs über unsere Bücher gesprochen wird.
Grundsätzlich gilt die Sperrfrist auch für das Internet, Ausnahmeregelungen wären für andere Medien sicher schwer nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass eine Besprechung von noch nicht erhältlichen Büchern zu Verwirrung bei möglichen Käufern führen könnte.
Wenn Sie bis zum Ende der Sperrfrist Geduld haben, finden Sie auf Verlags- und Sonderseiten auch noch weitere Informationen wie zum Beispiel Lese- oder Hörproben, die Sie für Ihre Einträge als Ergänzung verwenden können.
Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß beim Bloggen!
Beste Grüße

Nina Reddemann

Onlinemarketing und E-Business
Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Vilshofener Str. 10 D 81679 München

UPDATE (8.10.08): Um Irritationen zu vermeiden, habe ich mich entschlossen, keine Besprechungen vor dem empfohlenen Datum zu veröffentlichen.