Moby-Dick-Übersetzungen… – Die Lösung

Moby-Dick Skript, Kap. 78 - kleinDa in der Frage der Moby-Dick-Übersetzung irgendwie keine befriedigende Lösung zu finden war, und da ich in solchen Fällen dazu neige, an der Quelle selbst nachzuforschen, habe ich genau das getan: Herrn Rathjen eine mail geschrieben. Gestern abend. Und heute morgen eine Antwort erhalten! Damit steigt Herr Rathjen gleich noch ein bisschen mehr in meiner Achtung…

Das schreibt er zur Sache:

Lieber Herr …,

dieser komische Rathjen macht manchmal Sachen, die andere nicht machen, aber er weiß eigentlich selten etwas, was andere nicht wissen, schon gar nicht als „Moby-Dick“-Übersetzer. Ich fürchte, es ist in der Tat „einfach nur ein Fehler“; die einfachste Erklärung ist in der Regel bekanntlich auch die wahrscheinlichste.

Ich hab meine Northwestern-Ausgabe des Wals so weit unten in einem Bücherstapel eingebuddelt, daß ich im Moment schwer rankomme, nehme aber kaum an, daß da etwas anderes steht als „the eightieth or ninetieth bucket“, sonst würde ja auch bei Jendis etwas anderes stehen. Die Northwestern-Ausgabe ist bekanntlich Textgrundlage meiner Übersetzung; als ich die erstellte, arbeitete ich allerdings noch mit der Ausgabe der „Penguin Classics“ (aus dem höchst profanen Grund, daß der Hanser-Verlag zwar zugesagt hatte, mir die Northwestern-Ausgabe schleunigst zu schicken, aber auch für die Umsetzung dieser vergleichsweise simplen Zusage Jahre brauchte und damit länger, als ich brauchte, um den Text zu übersetzen) und mußte anschließend dann nachträglich die Textvarianten einbauen; theoretisch könnte es also sein, daß in besagter „Penguin-Classics“-Ausgabe fälschlich „the eighth or ninth bucket“ steht und ich die Variante bei der nachträglichen Prüfung nicht als solche bemerkt habe; praktisch ist es aber nicht so, die „Penguin Classics“ haben korrekt „the eightieth or ninetieth bucket“, der Fehler ist also meiner.

Bleibt noch die (nur für mich selbst relevante) Frage, wann und wo der Fehler sich eingeschlichen hat. Ich hab die komplette Übersetzung seinerzeit von Hand erstellt und mußte dann anschließend die Fronarbeit des Abtippens erledigen, in mindestens einem Fall hat dabei ein kleiner Fehler den Weg in meinen Text gefunden, ganz einfach, weil ich meine gelegentlich sehr schludrige Handschrift falsch entziffert hab. Ich hab gerade in meinem Ur-Manuskript (das ich aus Gründen der Finanzebbe immer schon mal zum Verkauf anbieten wollte, nur gut, daß ich es nicht tat) nachgeschaut; wie Sie dem zur Veranschaulichung an diese Mail angehängten Schnappschuß entnehmen können, steht der Fehler tatsächlich schon darin, ist also kein anschließender Lese- oder Tippfehler. Folglich echter Ur-Rathjen, aber keineswegs beabsichtigt. Dies sind die Dinge, die immer wieder vorkommen, von denen man aber hofft, daß sie von einem aufmerksamen Lektorat bemerkt und ausgebessert werden; Jendis hat’s in der der Tat bemerkt und ausgebessert (aber leider auch allzu viel anderes, was er meines Erachtens nicht hätte „ausbessern“ sollen); Norbert Wehr und seine Korrektorin haben’s leider nicht bemerkt. Um so besser, daß Sie drüber gestolpert sind; ich werde mir den Pützpatzer notieren, vielleicht ergibt sich Gelegenheit, in einer Nachauflage Nachbesserung zu betreiben. (Der oben erwähnte Tippfehler wurde in der zweiten Auflage der Zweitausendeins-Normalausgabe schon getilgt, ich verrate Ihnen aber nicht ohne Not, um welche Textstelle es geht!)

Ihr
Friedhelm Rathjen

Damit wäre das also geklärt. Und Herr Rathjen muß allein schon deshalb als genial gelten, weil er aus einem solchen handschriftlichen Manuskript irgendetwas lesbares produzieren konnte…🙂

6 Gedanken zu “Moby-Dick-Übersetzungen… – Die Lösung”

  1. Klauen wird hier gern gesehen! Verbreiten wir es weiter – vielleicht findet sich ja einer, der ein Angebot für das Manuskript macht, das Herr R. nicht ablehnen kann! Ich leite es dann gerne weiter!

  2. Exsultate julbilate!

    Am Ende passt es noch am besten hierher: Frau Kracht vom Fischer-Verlag hat sich tatsächlich überzeugt gefühlt, mir ein Leseexemplar vom Rathjen als Taschenbuch zu vermachen! Danke an alle, die dies ermöglicht haben!🙂

    Einstweilen so viel:
    – Also das Taschenbuch wär jetzt da (sogar 50 Cent billiger denn Jendis als Taschenbuch).
    – Die beiden Hardcover bei Zweitausendeins und mare sind nicht seitengleich damit (ächz…).
    – Der Pützpatzer (Rathjen/Schmitte), Hardcover Seite 484, Taschenbuch Seite 508, ist behoben! Blogging makes things happen!

    Ausführlicher werd ich sicher noch; vorerst bin ich mit den beiden schönen Stücken unter der Bettdecke. Bloß falls sich jemand wundert.

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