Dan Simmons: Terror (2)

LesetagebuchSo. Die Hälfte hab‘ ich. Ein bisschen mühsam zuerst, rund 200 Seiten braucht Simmons, bis die Geschichte in Fahrt kommt. Aber das ist eigentlich nicht verwunderlich, schließlich hat er ja annährend 1000 Seiten um seine Variante der Expedition zu erzählen – und die Story selbst ist ja auch nicht ohne: immerhin geht es um zwei Schiffe mit rund 130 Mann Besatzung und mehrere Jahre im arktischen Eis…
Simmons erzählt gerade zu Anfang nicht linear, sondern flicht immer wieder Rückblenden ein, erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Das führt dazu, daß zum einen vieles mehrfach erzählt wird (gleich zu Anfang erfahren wir z.B. mindestens dreimal, daß die Antriebswelle der Erebus verbogen ist) und zum anderen hören wir vom Tod eines Expeditionsteilnehmers und bekommen diesen Tod im folgenden Kapitel erst geschildert. Das ist – mit Verlaub – für den Spannungsbogen ein bisschen schwierig, aber andererseits wissen wir ja ohnehin, daß niemand von dieser Expedition zurückkehren wird!
Bei dem „Ding aus dem Eis“ scheint es sich tatsächlich um eine Art Monster zu handeln, allerdings natürlich nicht um irgendeine Bestie, sondern eher um ein intelligenzbegabtes Wesen, intelligent und böse. Oder ist es doch der Skorbut, der ja (wie uns erklärt wird) auch zu Wahrnehmungsstörungen führt? Der die Seeleute dazu bringt Polarbären für riesige Ungeheuer und Unfälle für das Werk des Teufels zu halten?
Ab ungefähr Seite 200 tritt diese Kreatur jedenfalls immer öfter in Erscheinung und fordert ihren Preis von der Besatzung. Und dann ist da ja noch die stumme Eskimofrau „Lady Silence“, die in einer sehr merkwürdigen Beziehung zu dem Wesen steht. Oder sind auch das Halluzinationen?
Immer spannender, wundersamer und faszinierender wird die Handlung, immer weniger Protagonisten bleiben übrig (Sir John Franklin „verlässt“ das Buch recht früh – und ziemlich dramatisch), auf die Simmons sich dann mehr konzentrieren kann. Eine Anspielung auf E.A. Poe gibt es (den Maskenball), und an dessen Roman „The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket“ erinnert auch einiges an der Atmosphäre des Romans.
Bislang: ein feiner Arktis-Roman mit Horror-Elementen und einigem Fundament. Allerdings nichts für Liebhaber historischer Romane, dazu gibt es dann doch zuviel Spekulation…