Dan Simmons: Terror (3)

Lesetagebuch(Stand Seite 625) – Ich weiß nicht, ob ich es bis zum Ende schaffe! Was durchaus vielversprechend begonnen hat, zieht sich unsäglich in die Länge. Zwei Drittel des Buches sind gelesen, ich bin des Eises ebenso überdrüssig wie die Personen im Roman und genau wie diese sehe auch ich im Moment keinen Lichtblick. Es ist vielleicht eine besondere Leistung von Simmons, den Leser genauso verzweifeln zu lassen, wie seine Romanfiguren – aber richtig Spaß macht das nicht mehr. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich das Gefühl, daß sich der Autor da ein bisschen übernommen hat. Der sehr lange Zeitraum, in dem ziemlich wenig geschieht, die große Zahl der Personen, das Wetter, das immer nur schlecht oder sehr schlecht (oder manchmal sehr, sehr schlecht) ist… Vielleicht wäre weniger mehr gewesen.
In einigen Rezensionen (z.B. bei Histo-Couch) habe ich gelesen, daß die Atmosphäre so fabelhaft geschildert sei – kann ich nicht finden. Das ewige Eis wird im Grunde immer mit den gleichen wenigen Vokabeln geschildert, langsam mag ich den Begriff „Pressrücken“ nicht mehr lesen. Und daß es kalt ist, ist schon klar. Aber ob es nun -20 Grad sind oder -50 Grad, hat für die Handlung offenbar wenig Bedeutung. Die Offiziere und Matrosen befolgen ihre Befehle bei jedem Wetter.
Dann ist da ja noch das Wesen… Leider bleibt auch das ziemlich blass. Es ist groß. Es ist stark. Es ist böse. Warum frisst es dann nicht alle auf? Es kann kommen und gehen, wie’s ihm beliebt, es ist nicht aufzuhalten und nicht zu verletzen. Einem solchen Gegner gegenüber müsste doch so etwas wie Resignation ausbrechen. Ist aber nicht so. Es werden weiterhin bewaffnete Wachen aufgestellt, auch wenn das sinnlos ist, man versucht sich auf ganz konventionelle Art zu schützen, auch wenn klar ist, daß es so nicht geht. Mag man darauf zurückführen, daß es sich um Schiffe der Royal Navy handelt – und die ist träge. Aber für den Leser bleibt es dennoch irritierend. Irgendwie habe ich das Gefühl, daß die Personen nicht wirklich verstehen, was da vor sich geht. Dabei ist es völlig klar. Es ist eigentlich nichts geheimnisvolles mehr an diesem Wesen, außer der Frage, was es ist. Aber das scheint nicht wirklich jemanden zu interessieren. Dabei müsste es doch genau diese Frage sein, die den Reiz des ganzen Buches ausmacht!
Und die Personen… Auch hier: recht blass alles. Zwar kristallisieren sich mittlerweile drei „Haupt“-Personen heraus (Kapitän Crozier, Leutnant Irving und Schiffsarzt Goodsir), doch zu allen besteht eine nicht unerhebliche Distanz. Wirklich ans Herz wächst mir keiner der Besatzung – was auch damit zusammenhängen mag, daß Simmons gerne jemanden unvermittelt sterben läßt. Hier liegt wohl ein generelles Problem: nach allem, was ich weiß, wird niemand diese Expedition überleben. Hätte Simmons vielleicht angedeutet, daß der eine oder andere am Ende des Buches noch am Leben sein könnte, dann wäre etwas mehr Spannung erhalten geblieben. Aber so…
Ich werde jetzt erst mal was anderes lesen, dann komme ich wieder auf „Terror“ zurück.

Ein Gedanke zu “Dan Simmons: Terror (3)”

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