‚Moby-Dick‘ in Space?

Space WhaleVermutlich kann man, gibt man sich genug Mühe, in jedem Buch Parallelen zu „Moby-Dick“ finden. In Peter Watts‘ „Blindflug“ sind sie aber so deutlich, daß ich ihnen einen eigenen Artikel widme…

Zum ersten handelt es sich natürlich bei beiden Romanen um Bücher über das Meer; bei Watts ist das Meer zufällig der Weltraum, aber wie er selbst im Nachwort schreibt: „ein Meeresbiologe bleibt eben stets dem Ozean verhaftet“. Es gibt zahllose Analogien zwischen Watts Weltraum und der See – beide erfordern einiges an Technik (Schiffe halt) um dort überleben zu können, beide sind relativ leicht beherrschbar, solange man nicht tiefer dringt und beide beherbergen geheimnisvolle Dinge. Das Artefakt in „Blindflug“ hat viele Merkmale der Tiefsee, neben lebensfeindlichen Bedingungen auch eingeschränkte Sicht, erschwerte Kommunikation und eben fremdartige Bewohner. So erinnern auch die „Besuche“ der Crew im Artefakt eher an Tauchgänge als an „klassische“ EVA-Manöver
Auch das Raumschiff in „Blindflug“ jagt ein gewaltiges Wesen (?), Rorschach kann man mit Moby-Dick vergleichen, Jukka Sarastri ist (im weitesten Sinn) eine Art Ahab und am Ende gehen sowohl die „Pequod“ als auch die „Theseus“ unter.
Eine weitere Parallele zu Melvilles Buch ist der Erzähler, der zwar in gewisser Weise an der Handlung beteiligt ist, hauptsächlich aber als Beobachter fungiert. Sowohl Ismael als auch Siri Keeton überleben am Ende des Romans mit Hilfe eines Sarges!

Und sowohl in „Blindflug“ als auch in „Moby-Dick“ erliegt der Autor manchmal der Versuchung, sein bemerkenswertes Wissen über dieses und jenes mit uns zu teilen.