Anmerkung zu Jeff Talarigo: Der Ginsengjäger und einigen anderen Büchern…

Eine ganz persönliche Anmerkung: Talarigo interviewte für sein Buch auch nordkoreanische Flüchtlinge. Das bedeutet, daß er viele von den Grausamkeiten, von denen hier erzählt wird, aus dem Mund von „Betroffenen“ (das ist ein viel zu schwaches Wort dafür) gehört hat. Von Eltern, deren Kinder verhungerten, von Kindern, die mitansehen mussten, wie ihre Eltern ermordet wurden und andere furchtbare Dinge. Ich gestehe ihm zu, daß er als Mensch das schrecklich fand. Aber als Autor? Dachte er vielleicht manchmal bei besonders unvorstellbaren Szenen sowas wie „Wow, das passt ja toll an diese oder jene Stelle…!“
Muß ein Mensch, der solche Bücher schreibt, nicht eine perverse Freude am Leid anderer Menschen haben? Mich hat es schon fast wahnsinnig gemacht, dieses Buch zu lesen. Hätte ich es schreiben müssen, ich wäre verweifelt!
Das ist ein Gedanke, der mich schon länger umtreibt. (Talarigo gehört für mich zwar nicht in die Riege der Autoren, die mit Grauen Geld verdienen, ich finde „Der Ginsengjäger“ ist ein sehr bemerkenswertes Buch.) Aber für meinen persönlichen Geschmack sind im Augenblick Bücher über Serienkiller, Kindsmörder und Vergewaltiger viel zu sehr in. Einige dieser Geschichten (z.B. „Der siebte Tod„) sind dann auch noch aus der Perspektive des Mörders erzählt, so daß überhaupt keine Distanz mehr besteht. Ist das nötig? Ist unsere Welt nicht schon grausam genug ohne solche Romane?
Ganz ehrlich: ich kann keine Eltern verstehen, die sich Bücher kaufen in denen kaltblütig kleine Kinder hingemetzelt werden. Ich hatte schon erhebliche Probleme bei „Kind 44“, und da sind diese Morde ja noch nicht mal die Hauptsache des Buchs. Sinnlose Gewalt finde ich nicht anregend, nicht in der Realität und auch nicht in Büchern. Ich habe zum Beispiel begonnen „No Country for Old Men“ von Cormac McCarthy (den ich eigentlich sehr schätze) zu lesen. Aber auf den ersten wenigen Seiten werden bereits zwei Menschen grausam ermordet. Ich glaube, das muß ich nicht haben.
Ich will ja garnicht fordern, daß in Büchern (zumal in Krimis) niemand mehr umkommen soll. Aber warum immer die Unschuldigen, die Schwachen, die Hilflosen? Und warum immer so furchtbar blutig und exzessiv grausam? Muß jeder neue Roman-Mörder alle seine „Vorgänger“ in den Schatten stellen? Mehr Tote, mehr Blut, mehr Gewalt? Ist das nicht sehr schlicht gedacht?
Ich fürchte, ich bin ziemlich allein auf weiter Flur mit dieser Meinung. Trotzdem mußte ich’s mal loswerden. Danke für’s Lesen!