Richard Brautigan

Richard Brautigan, geboren 30.1.1935 in Tacoma/Washington, gestorben irgendwann zwischen 14.9. und 25.10.1984 in Bolinas/Kalifornien.

Habe ich heute in meinem Bücherregal wiedergefunden. Fast alle seine Bücher habe ich. Leider ist kaum etwas momentan auf Deutsch zu bekommen, der Kartaus Verlag (Schöner Slogan: „Damit Sie nicht mit Rosamunde Pilcher ins Bett gehen müssen“) bringt gerade aber ein paar Neuauflagen heraus. (Und – wie mir gerade in einem Kommentar bescheidgestoßen wurde – gibt es auch bald eine Neu-Übersetzung von „Willard und seine Bowlingtrophäen“ im Boder Verlag. Schönen Gruß an die Übersetzerin!) Die sollte jeder haben, der ein Faible für ungewöhnliche Literatur hat. Brautigan gilt als Kultautor der kalifornischen Hippies – aber er ist mehr als nur schräg. In seinen Büchern mischen sich skurrile Einfälle mit wundersamen Charakteren und ungewöhnlichen Betrachtungen. Immer ist er auf der Seite der Verlierer, und schafft so tatsächlich etwas wie den „Gegenentwurf zur amerikanischen Art das Leben zu sehen.“ (Umschlagtext der Eichborn-Ausgabe von „Die Rache des Rasens“)

Und weil in dieser Sammlung von Kurzgeschichten wirklich kurze Geschichte sind, hier als Appetizer zwei davon*:

Das Scarlatti-Turnier

„Es ist sehr schwierig, in einer Atelierwohnung in San Jose mit einem Mann zu wohnen, der Geigenspielen lernt.“ Das sagte sie zu den Polizisten, als sie ihnen den leeren Revolver gab.

Sehr kurz, nicht wahr? Aber dennoch eine Geschichte, die einem nachgeht… Und gleich noch was nachdenkliches hinterher:

Fussel

Es ist Abend, und ich werde irgendwie von Gefühlen bedrängt, für die es kein Vokabular gibt und von Ereignissen, die man eher in Dimensionen von Fusseln als in Wörtern ausdrücken sollte.
Ich habe winzige Fetzchen meiner Kindheit untersucht. Es sind Bruchstücke aus einem fernen Leben, die keine Form oder Bedeutung haben. Es sind Dinge, die einfach zufällig vorgekommen sind, wie Fussel.

Neben „Die Rache des Rasens“ jedem ans Herz legen möchte ich „Die Abtreibung„. Eine Liebesgeschichte, wie es sie merkwürdiger und schöner nicht geben kann. Unter anderem kommt darin eine Bibliothek vor für nicht erschienene Bücher, in der jeder, der ein Buch geschrieben hat, dieses Buch abgeben kann. Eine wunderschöne Idee…

* – ich hoffe, der Kartaus-Verlag ist nicht böse, sondern betrachtet das als kostenlose Werbung für’s Buch!

Foto von der Seite „The Brautigan Archives

5 Gedanken zu “Richard Brautigan”

  1. Rowohlt hat die schmucken Brautigäne nicht mehr? Die ersten Versuche waren von Günter Ohnemus übersetzt, über den ich glatt mal einen Beitrag schreiben muss – aber der wird lang… Meine eigene Empfehlung: Der Tokio-Montana-Express. Keine Ahnung, wie viele kurze Stückchen das sind, aber jedes einzelne ist wie ein Lied. Das trägt man den ganzen Tag oder ein paar Jahre mit sich herum.

    Ein Platz in meinem Testament für den, der mir mein „Forellenfischen in Amerika“ (Eichborn, nach Ohnemus aus seinem eigens gegründeten Verlag) wiederbeschafft!

  2. @ klingklang: Oha – das ist mir durchgegangen! Aber ich habe es – sauber verlinkt – in den Artikel eingebaut. Schön auch Ihre Seite über die Neu-Übersetzung!
    @ Wolf: „Schmuck“ waren sie in der Tat bei Rowohlt, gelle? Ich glaube wegen des Covers habe ich meinen ersten („Ein konföderierter General in Big Sur“) gekauft. Und es gibt sie wirklich nicht mehr. Leider.
    Ein Artikel über Herrn Ohnemus würde mich brennend interessieren – selbst wenn es ein langer wäre😉 . Seinerzeit habe ich mir eines der Bücher gekauft, die er selbst geschrieben hat (Titel ist mir im Moment entfallen), weil’s keinen Brautigan mehr gab. Auch eine ungewöhnliche Figur, der Gute.

  3. Meistens ist es dann „Zähneputzen in Helsinki“ oder „Siebenundsechzig Ansichten einer Frau“. Artikel steht auf der To-do-Liste, ächz.

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