Markus Zusak: Die Bücherdiebin

Die BücherdiebinGerade erschienen ist dieser Roman, in zwei inhaltsgleichen Ausgaben, einmal als Jugendbuch, einmal als Roman für Erwachsene. Denn es ist ein Buch, daß auch Jugendliche lesen können und sollten! Es erzählt die Geschichte von Liesel Meminger, die kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs von ihrer Mutter zu einer Pflegefamilie gebracht wird. Die Mutter kann sich nicht mehr um sie kümmern und der Vater ist (oder war?) „Kommunist“. Auch wenn Liesel nicht weiß, was dieses Wort bedeutet, hat sie doch seine Konsequenzen erfahren:

Da waren Pensionen, vollgestopft mit Menschen, Zimmer, vollgestopft mit Fragen. Und dieses Wort. Das merkwürdige Wort war immer da, irgendwo in der Nähe, stand in der Ecke, lauerte im Schatten. Es trug Anzüge und Uniformen. Egal wohin sie gingen, es war da, sobald die Sprache auf ihren Vater kam. Sie konnte es riechen und schmecken. Sie konnte es nur nicht buchstabieren und auch nicht begreifen. (…) Liesel hätte sie zu gerne nach der Bedeutung jenes Wortes gefragt, aber es bot sich einfach nie die Gelegenheit. Eines Tages holte man die Frau zum Verhör. Sie kehrte nicht zurück.

Eigentlich sollte Liesel zusammen mit ihrem kleinen Bruder zu ihrer neuen Familie reisen, doch der Bruder stirbt unterwegs. Für Liesel ein traumatisches Erlebnis, aber so trifft der Erzähler des Buches zum ersten Mal auf Liesel Meminger, an deren Schicksal er unerwartet viel Anteil nimmt:

Das zweite Auge schrak auf, erwachte und erwischte mich, gerade als ich niederkniete, seine Seele heraustrennte, in meine geschwollenen Arme nahm, wo sie schlaff lag. Schon bald wurde sie wärmer, aber als ich die Seele des Jungen aufnahm, war sie noch ganz weich und kalt, wie Eiskrem. Sie schmolz in meinen Armen. Dann wurde sie warm. Heilte.

Der Erzähler ist der Tod. Doch er ist nicht verantwortlich für das Sterben, sondern holt nur die Seelen ab. Im Grunde ein sehr freundliches Geschäft, wie man aus dem Zitat oben erkennen kann. Allerdings sieht er viel Unglück, wie könnte es anders sein?

Das Tagebuch des Todes: 1942

Es war ein denkwürdiges Jahr, wie 79 nach Christus oder 1346, um nur zwei zu nennen. Vergesst die Sense – ich hätte einen Besen oder einen Wischmopp gebraucht. Oder Urlaub.

Liesel gerät in eine merkwürdige Familie, die Mutter eine herrische, gewalttätige Frau mit losem Mundwerk (die Liesel dennoch – auf ihre Art – liebt), der Vater ein Anstreicher mit Hang zur Musik und der Begabung, dem verängstigten Mädchen Geborgenheit zu geben. So beginnt Liesels langer Weg durch die Wirren einer furchtbaren Zeit, immer wieder begegnet ihr dabei der Tod. Und der beschließt, ihre Geschichte zu erzählen.

Was es mit dem Titel auf sich hat? Bücherdiebin? Liesel „stiehlt“ bei der Beerdigung ihres Bruders ein Buch – das „Handbuch für Totengräber“. Mit Hilfe dieses Buchs lernt sie Lesen und Schreiben. Sie wird im Verlauf der Geschichte noch mehr Bücher stehlen, und diese Bücher sind alle ganz besonders wichtig für ihr Leben…

„Die Bücherdiebin“ ist ein ganz und gar ungewöhnliches Buch. Sprachlich sehr eigen, anrührend, traurig, bewegend, dabei manchmal auch lustig und sogar schelmenhaft. Der Tod in diesem Buch ist ein Freund, der am Ende eines langen Weges zu Besuch kommt. Eine sehr tröstliche Vorstellung. Unbedingt lesen!

2 Gedanken zu “Markus Zusak: Die Bücherdiebin”

  1. Ich habe dieses Buch jetzt auch gelesen (endlich, es wurde auch Zeit, daß meine Buchhändlerin ihn mir in die Hand drückte) und bin ähnlich angetan wie du. Ein wirklich lohnendes, schönes Stück Literatur.

    Mit deiner letzten Bemerkung hast du sehr recht. Es würde sich wahrscheinlich lohnen, mal über den Charakter des Todes in diesem Buch nachzudenken. Ein sehr wenig angst einjagender jedenfalls….

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