Arthur C. Clarke: Rendezvous mit 31/439 (Rendezvous with Rama)

Am 19. März 2008 ist Arthur C. Clarke gestorben, 91 Jahre alt. Einer der ganz Großen der SF-Literatur. Leider wird in den meisten Nachrufen immer wieder sein Buch „2001 – Odyssee im Weltraum“ erwähnt. Das hat 1.) wohl kaum jemand gelesen (alle kennen den Film – wie bei „Moby-Dick“ auch) und 2.) ist es ja nur die Erweiterung einer frühen Kurzgeschichte mit dem Titel „The Sentinel“. Meiner Meinung nach ist es auch bei weitem nicht sein bestes Werk!

Rendezvous mit RamaDiesen Titel verdient schon eher das 1973 erschienene „Rendezvous with Rama“, deutsch übersetzt „Rendezvous mit 31/439“. (Im April 2008 wird es eine Neuausgabe im Lübbe-Verlag geben, endlich auch mit dem Titel „Rendezvous mit Rama„!)

Es ist das Jahr 2130. Die Menschheit hat einige Planeten des Sonnensystems kolonisiert, aber weiter ist sie nicht gekommen. Die Existenz außerirdischer Intelligenz ist ebenso umstritten wie heute. Da wird ein Objekt entdeckt, das sich der Sonne nähert. Es stellt sich bald heraus, daß es nicht natürlichen Ursprungs sein kann. Leider ist das Objekt auf einem Kurs, der es ziemlich schnell nahe an die Sonne und dann wieder aus dem Sonnensystem heraus befördern wird. Ein Raumschiff (die Endeavour), das ohnehin „in der Nähe“ ist, wird unter erheblichem Aufwand umgeleitet und kann schließlich an dem Objekt andocken. Eine Schleuse ist schnell gefunden, dann wird ein erster Blick ins Innere geworfen. Rama – diesen Namen hat das Objekt bekommen – ist ein Zylinder von 50 Kilometern Länge. Im Inneren befindet sich eine bewohnbare Welt. Den Astronauten bleibt wenig Zeit für ihre Untersuchung, denn bald wird Rama der Sonne so nahe sein, daß ihr Raumschiff der Hitze nicht mehr standhalten kann.

So beginnt die Erforschung dieser völlig fremden Welt. Die Luft stellt sich als atembar heraus, die Sonne erwärmt das Innere, so daß auch das „Meer“ auftaut. Schon bald zeigen sich erste Zeichen von Leben… Die Crew der Endeavour bemüht sich nach Kräften, ist aber für eine solche Mission weder ausgebildet, noch ausgerüstet. So kann sie zwar vieles sehen, aber wenig verstehen. Kaum eines der vielen Rätsel Ramas wird sie lösen können. Dennoch – oder deshalb? – hat das Buch einen ungeheuren Reiz. Wie Forscher früherer Zeiten steht die Besatzung (und auch der Leser) vor einer völlig fremdartigen Kultur. Alle Vergleiche mit altbekanntem führen in die Irre. So werden nach ersten Eindrücken mehrere „Städte“ im Inneren Ramas benannt: London, Paris, Rom, Moskau, New York, Peking, Tokio. Doch schnell stellt sich heraus, daß es sich nicht um „Städte“ handeln kann – die „Gebäude“ haben weder Fenster noch Türen. Was ist es also? Dann tauchen „Tiere“ auf. Oder sind es doch Maschinen? Eines kann untersucht werden – es ist beides, oder keins von beidem.

Schließlich muß Rama aufgegeben werden. Staunend sehen die Männer und Frauen der Endeavour Rama hinterher, als es aus dem Sonnensystem verschwindet. Staunend schließt der Leser das Buch. So viele Fragen – so wenig Antworten.

Ein ganz großartiger Roman.