A.A. Milne: Pu der Bär (Winnie-the-Pooh)

Pu der Bär (Winnie-the-Pooh)In unserer Rubrik „Großartige Bücher, die mehr schlecht als recht zu einem Film verwurstet wurden und die deshalb jeder kennt ohne sie gelesen zu haben“ heute: Pu der Bär. Besser bekannt (aus ebendiesem Grund) als „Winnie Puuh„. Da hat Disney uns einen wahren Bärendienst erwiesen, dieses wunderschöne Buch in einen Trickfilm zu verwandeln. Und in noch einen. Und noch einen. Und… Und eine Fernsehserie. Und dann gibt es ja noch diverse Bücher, die auf der Figur von Disney basieren und außer dem Namen eigentlich nichts mehr mit dem Bären zu tun haben, den A.A.Milne damals erschaffen hat. (Vom ganzen Merchandising mal ganz zu schweigen!)

Und dabei möchte man (in Abwandlung des Zitats von Joachim Kalka in der FAZ, das sich auf dem Klappentext der Jendis-Übersetzung von „Moby-Dick“ findet) sagen:

„Lest dieses ungeheure Buch vor!“

Denn das Original ist ganz anders als der zuckersüße Disney-Bär, den alle kennen. Pu ist in der Tat ein „Bär von wenig Verstand“, seine Erlebnisse aber sind nicht die lehrreichen Geschichten, die Disney unseren Kindern vorsetzt. Was Pu und seine Freunde – und vor allen Dingen Christopher Robin – im Hundertmorgenwald anstellen, sind ganz einfache Dinge, wie Kinder sie selbst erleben können. Da versucht Pu (erfolglos) Bienen den Honig zu stehlen. Und es gibt keinen erhobenen Zeigefinger, der uns darauf aufmerksam macht, daß man wilden Bienen nicht den Honig stehlen soll. Man startet eine Expedition zum Nordpol und rettet einen Freund aus dem Wasser. Auch hier kein „wie gut daß es Freunde gibt!“-Gesülze. Keine offensichtliche pädagogische Botschaft. Politically very incorrect! Ganz einfache, liebenswerte Erzählungen.

Und die Übersetzung von Harry Rowohlt ist ein wahres Vergnügen! Da macht dann auch das Vorlesen wirklich Spaß. Mein Lieblingssatz (den man leicht abgewandelt immer anbringen kann!):

„Das kommt alles daher“, sagte Kaninchen streng, „dass man zu viel isst. Ich dachte vorhin schon“, sagte Kaninchen, „wollte aber nichts sagen“, sagte Kaninchen, „dass einer von uns beiden zu viel isst“, sagte Kaninchen, „und ich wusste, dass ich nicht derjenige war“, sagte es.

(aus Kapitel 2: In welchem Pu einen Besuch macht und an eine enge Stelle gerät)

Wie, noch kein „Pu der Bär“ im Haus? Wie wär’s dann mit dieser fabelhaften Ausgabe?

Und da dies wirklich das Ende der Geschichte ist und ich nach dem letzten Satz sehr müde bin, werde ich, glaube ich, hier aufhören.

(Der letzte Satz aus Kapitel 9: In welchem Ferkel völlig von Wasser umgeben ist)

»Jens‘ erster Film«, eine im Alter von 7 Jahren gezeichnete/erzählte Diashow nach einer Geschichte aus »Pu der Bär« von A.A. Milne

Foto: Public Domain, Video: Jens c/o Youtube…

Ein Gedanke zu “A.A. Milne: Pu der Bär (Winnie-the-Pooh)”

  1. Das muss Mitte der 80er gewesen sein, wo Harry Rowohlt in der „Zeit“ einen großen bunten (also im „Zeit-Magazin“) Artikel hatte, wie er den Hundert-Morgen-Wald auf den Spuren des echten Christopher Robin bereiste. Davon war ich dermaßen hin & weg, dass meine Bewunderung für den Mann nie wieder aufgehört hat. Mein Vorbild als Übersetzer — und wohl auch als Vortragskünstler: Auf diesen „Schausaufen mit Betonung“ kann man wirklich vierfünf Stunden lang durchlachen („Wir sind ja hier nicht bei Sarah Kirsch.“).

    Meinen persönlichen Winnie-the-Pooh hab ich mir in einem Dubliner Buchlädchen gekauft und am Abend in der Kneipe vorgezeigt. Damit konnte ich einen zuerst etwas ranzigen Opa tatsächlich in still sinnende Kindheitserinnerungen versetzen: „Yay, it’s got a good humour in it!“

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