Mein Klassiker – Autoren erzählen vom Lesen

Mein KlassikerDer Fischer-Taschenbuch-Verlag hat wieder einmal gewagt, was viele Buchhändler lange erwartet (und ersehnt) hatten, und was hoffentlich auch den einen oder anderen Buchkäufer freut: eine Klassiker-Reihe aufgelegt. Seit Februar sind die ersten Bände lieferbar. Da findet sich (fast) alles, was Rang und Namen hat: „Hamlet“ und „Ivanhoe“, „Michael Kohlhaas“, „Tristan & Isolde“ oder „Der letzte Mohikaner“ – um ganz willkürlich ein paar zu nennen. Alle Bände sind sehr hübsch gemacht, „wertig“ nennt man sowas heute. Gute Papierqualität und ein ansprechendes, zurückhaltendes Cover-Design. Inhaltlich bieten sie – natürlich! – nichts neues, die Übersetzungen sind die altbekannten, dafür wurde jedem Band ein Nachwort und ein Artikel aus Kindlers Literaturlexikon spendiert.

Zum Start der Reihe gibt es eine fabelhafte Anthologie, in der sechsunddreißig „zeitgenössische“ Autoren kurze Beiträge zum Thema „Klassiker lesen“ liefern. Siebzehn davon (wenn ich richtig gezählt habe) sind „Originalbeiträge“ für diese Anthologie. Dabei hat man den Autoren viel Freiheit gelassen, von literarischen Betrachtungen mit persönlicher Note („Anti Karenina“ von Roger Willemsen) bis zu autobiographischen Erzählungen („wie ich novalis kennenlernte“ von Josef Haslinger) reicht die Bandbreite. Robert Gernhardt findet sich mit seinem „Petrarcasonett“, Dieter Kühn mit „Kurzer Seitenblick auf Novalis“, Julia Franck über „Büchners Lenz“ oder Birgit Vanderbeke über „Getrude Stein oder Die unerhörte Freiheit, einfach zu sagen, was man weiß“. Viele der übrigen Autoren muß man nicht kennen – aber vielleicht lernt man sie so kennen, genau wie man vielleicht doch noch mal den einen oder anderen „Klassiker“ (wieder-)liest. Auch als Urlaubslektüre sehr empfehlenswert!

Sehr hübsch ist auch die Internetseite zur Reihe. Nicht nur findet man dort eine Übersicht aller lieferbaren oder geplanten Bände und ein Gewinnspiel, sondern auch eine Kategorisierung wie sie unbuchhändlerischer nicht sein könnte: Unter Stichworten wie „Jammerlappen“, „Schattengewächse“ oder auch „Diven“ findet man die entsprechenden Titel. Wobei das natürlich diskussionswürdig ist: Hamlet ein „Jammerlappen“? Macht aber dennoch Laune beim Stöbern…

P.S. Einen wunderschönen Abschnitt findet man in Dirk von Petersdorf: „Grüne Matten, meisterhafte Exposition: Schillers >Wilhelm Tell<„

… aber das ist der Reiz der Klassiker. Sie besitzen so viele Zugänge, weisen so viele Ideen auf, sind so gefüllt mit Haupt- und Nebensachen, mit Bildern und Klängen, dass jeder bei jeder Lektüre etwas finden wird.

So ist es! Und deshalb lesen wir auch „Moby-Dick“!

Ein Gedanke zu “Mein Klassiker – Autoren erzählen vom Lesen”

  1. Danke für den Tipp. Moby Dick werde ich wirklich bald einmal wieder lesen. Hamlet war vielleicht doch eher ein Jammerlappen. Viel gehandelt hat er ja nicht. Zmindest Ophelia hätte ich nicht verjagt, oder davonlaufen lassen, an seiner Stelle.

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