Richard Stark: Ask the Parrot (dt. „Fragen Sie den Papagei“)

Ask The ParrotKennen Sie Parker? Ich kannte ihn ehrlich gesagt bisher nicht. Das liegt wohl daran, daß ich lieber einen Bogen mache um Bücher auf denen „Thriller“ oder gar „Krimi“ steht. Aber manchmal mache ich Ausnahmen – und manchmal lohnt sich das. Eine solche Ausnahme ist Parker, der Romanheld, dessen letztes Abenteuer ich mir vor einigen Wochen spontan zugelegt habe.

Der erste Roman um Parker („The Hunter“) erschien bereits 1962 (!) und wurde als „Point Blank“ mit Lee Marvin verfilmt. Bis 1972 erschienen 16 Romane, dann war es lange still um die Figur. 1998 dann „The Comeback“, seither 7 weitere Romane. „Ask the Parrot“ ist der aktuellste in der Reihe. (Quelle: theviolentworldofparker.com)

Parker hat keinen Vornamen. Er hat auch sonst wenig menschliches. Er ist ein Verbrecher. Er raubt und stiehlt, und wenn nötig, dann tötet er auch. Das macht er mit erstaunlicher Präzision und einer Coolness, die man nur bewundern kann. Oder beneiden. Oder fürchten. In „Ask the Parrot“ gerät Parker in eine amerikanisch Kleinstadt. Nach einem Banküberfall auf der Flucht, muß er sich verstecken. Da kommt ihm einer der Einwohner gerade recht, der glaubt, er könne Parker benutzen um eine alte Rechnung zu begleichen. Aber Parker ist ein Profi unter Amateuren und erst zu spät merken das die Kleinstädter…

Dieser Roman ist kein Krimi. Es gibt keinen Polizisten, der einen Verbrecher jagt. (Obwohl genug Polizisten und auch einige Verbrecher vorkommen.) Es geht auch nicht um die Psychologie eines Verbrechers, denn so etwas wie eine Psyche hat Parker nicht. Er ist, wie John Banville schreibt: „a machine-man with no background and scant sensibility“ („Pulp Valentine„). Was ist es dann? Ein „genre of [it’s] own“? (wieder John Banville, s.o.)

Mich erinnert das Buch sehr an die Jack Reacher Romane von Lee Child. Parker könnte der dunkle Zwilling von Reacher sein. Beide sind abgebrüht, pragmatisch, berechnend. Beide sind ruhelos unterwegs und geraten immer wieder in Situationen, in denen sie ihr Können und Wissen braúchen, um zu überleben. Dabei steht Reacher stets auf der Seite der Schwachen und Bedrohten. Parker steht auf seiner eigenen Seite. Beide Autoren ähneln sich stilistisch, schreiben sachlich, knapp und lakonisch. Dabei ist Stark (dessen richtiger Name Donald E. Westlake ist) der kürzere der beiden. Zumindest „Ask the Parrot“ ist auch ein Buch für Menschen, die nicht viel lesen. Sehr kurze Kapitel und ein überaus straffer Spannungsbogen. Eigentlich wie für’s Kino gemacht, wenn es noch eine Liebesgeschichte gäbe…

„Ask the Parrot“ ist ein Glücksgriff für mich gewesen, und ich empfehle es nachdrücklich. Nur schade, daß es momentan keinen einzigen Parker-Roman in deutsch gibt! (Update 31.5.08: erscheint im August als „Fragen Sie den Papagei“ im Verlag Zsolnay auf Deutsch…)

Warum hat man den Namen im Film von „Parker“ zu „Walker“ geändert…? (Update 10.2.09: Die Antwort ist, Richard Stark will den Namen „Parker“ nur zur Verfügung stellen, wenn es eine Filmserie gibt. Einzelverfilmungen müssen sich einen anderen Namen ausdenken…)

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