Pfannkuchen und Literatur

Ernest Hemingway with gunVor einiger Zeit hat Wolf einen Artikel über Hemingway gebloggt, aus dem in den Kommentaren dann eher ein Artikel über Pfannkuchen wurde. Auslöser dafür eine Stelle in Hemingways Story: „Big Two-Hearted River: Part II“, hier ist der Text – aus meiner Grafton-Books Paperback-Ausgabe.

Warum nun finde ich diese Pfannkuchen so verlockend? Ganz einfach: weil es literarische Pfannkuchen sind. Sie sind perfekt, einfach weil sie so beschrieben sind. Und das brachte mich auf die Idee, daß ich vielleicht mal einen Artikel darüber schreiben sollte, was ich an einem Buch mag.

Für mich sollte ein Buch (oder meinetwegen auch eine Reihe von Büchern) immer einen abgeschlossenen Kosmos darstellen. Ein Buch, das „nur“ versucht, die Welt zu beschreiben, die ich kenne, hat für mich keinen Reiz. Besonders deutlich und einfach ist das natürlich für Bücher, die in fiktiven Welten angesiedelt sind, z.B. Science-Fiction-Romane. Aber auch historische Romane (z.B. „Moby-Dick“) stellen einen solchen eigenen Kosmos dar. (Im Gegensatz zu vielen aktuellen historischen Romanen, die nur unseren Alltag in die Vergangenheit transportieren.) Und natürlich all die wunderbaren Geschichten, die Realität und Fiktion mischen (z.B. „Das Albtraumreich des Edward Moon“, „Gedankenhaie“). Auch das, was ein Rezensent mal „true escapist gold“ genannt hat – die Jack Reacher – Romane von Lee Child. Und einiges mehr, das man in diesem Blog finden kann…

Ahab - Marvel ComicsAll diese Bücher lese ich auch als eigenständige Welt. Solange sie in sich stimmig ist, habe ich keine Probleme mit überbordender Fantasie. Und ich beurteile die Figuren auch nur nach dem, was sie im Rahmen des Buchs „anstellen“. Damit stelle ich an literarische Figuren deutlich andere Ansprüche als an reale Menschen. Denn das Handeln literarischer Figuren hat keine Konsequenzen außer denen, die der Autor vorgesehen hat. Damit kann ich Ahab in „Moby-Dick“ durchaus für einen heldenhaften Mann halten, auch wenn ich nicht (buchstäblich) mit ihm in einem Boot sitzen möchte – aber das ist ja auch keine Option. Ich kann Reacher mögen und Parker bwundern. Für mich zählen nicht die „realen“ Werte, sondern nur das, was ich in der Figur im Buch sehe. Das ist wie mit den Pfannkuchen bei Hemingway. Ich muß mir nicht vorstellen, wie es abliefe, wenn ich versuchen würde, sie wirklich zu backen – das hätte ganz sicher ein weniger perfektes Ergebnis. Aber in der Geschichte sind sie perfekt. So wie Hemingway sie beschrieben hat.

Abb.: Hemingway (?), Marvel Comics