EM 2008: Public Viewing zu Hause

EM 2008Gestern also die Eröffnung der Fussball-Europameisterschaft 2008. Da mein Sohn (fast 5) immer so begeistert von Fussball erzählt (was er so von seinen Kindergarten-Kumpels aufschnappt), dachte ich mir, ich mache ihm eine Freude und schau mir mit ihm ein bisschen was von der Eröffnungsfeier und vielleicht die erste Halbzeit des Eröffnungsspiels an. Dass mein Töchterlein (6 1/2) kein so großes Interesse haben würde, war mir schon fast klar, aber vielleicht die Feier…? Mit Musik und bunten Kostümen, Feuerwerk und Luftballons?

Um 17.45 saßen also mein Sohn und ich (Interesse an Fussball: NULL) vor dem Fernseher und schauten. Tochter räumte lieber mit Mutter Klamotten in ihren Kleiderschrank. Sohn plapperte munter drauflos, nahm aber den Fernseher kaum zur Kenntnis.

Ich: „Guck mal, was für schöne Kostüme!“
Sohn: „Hmmm… Ich bin für Schweiz. Für wen bist du?“
Ich: „Ich dachte heute spielt Österreich gegen Tschechien?“ (Blättere hektisch in TV-Zeitung)
Sohn: „Dann bin ich für Österreich. Bist du für Tschechien?“
Ich: „Stimmt, heute spielt die Schweiz.“
Sohn: „Gegen Österreich?“
Ich: „Schau mal, jetzt legen die sich alle auf den Boden…“
Sohn: „Ich bin für Tschechien.“

Dann begann irgendwann endlich das eigentlich Spiel. Nach Feuerwerk und Luftballons. (Sohn: „Erst lassen sie Ballons fliegen und dann krachen sie die mit Feuerwerk wieder runter, ne?“) Nachdem wir geklärt hatten, wer die roten und wer die weißen Spieler waren und warum der Torwart der Weißen ein gelbes Trikot anhat und warum er einen Helm auf dem Kopf hat, fiel leider der Name „Müller“. Fortan sprach der Sohn fast nur noch folgendes: „Der Müller muß zum Müll. Der heißt ja Müller, da muß er zum Müll.“ Dann mussten wir über der Schiedsrichter reden:

Sohn: „Der blaue spielt auch mit.“
Ich: „Das ist der Schiedsrichter.“
Sohn: „Der spielt auch mit.“
Ich: „Nein, der ist nur Schiedsrichter.“
Sohn: „Ich hab aber eben gesehen, wie der zum Ball gerannt ist.“
Ich: „Ja, der muß ja immer da sein, wo der Ball ist. Damit er sehen kann, ob einer Unsinn macht.“
Sohn: „Kann der auch über die Spieler springen?“
Ich: „???“
Sohn: „Ohoh, jetzt geht einer mit der Hand an den Ball.“
Ich: „Das ist erlaubt, das ist ein Einwurf.“
Sohn: „Aber beim Fussball darf man nicht mit der Hand an den Ball. Nur der Torwart darf das.“
Ich: „Ja, aber beim Einwurf… also, wenn der Ball über die Seitenlinie geht… also, wenn der Ball aus dem Spielfeld raus geht, dann… -“
Sohn: „Ich geh‘ jetzt spielen.“

Sprach’s und verschwand. Kein Protest, als ich den Fernseher ausschaltete. Das war meine EM 2008. Kurz und frustrierend. Da will man den Kindern mal was bieten…

3 Gedanken zu “EM 2008: Public Viewing zu Hause”

  1. Hast Du es gut!
    Bei uns wird wohl (fast) jedes Spiel im TV laufen.
    Mein Interesse am Fußball? <NULL
    Aber Ehefrau und Sohnemann verfolgen das mit Begeisterung…
    Mir graut schon vor heut Abend:mrgreen:

  2. Hast mein Mitgefühl. Ich an deiner Stelle würde mir ein schwarz-rot-goldenes Fähnchen besorgen, eifrig auf der Couch damit schwenken und kluge Sätze sagen wie „Deutschland ist eine Turniermannschaft!“. Ganz frei nach dem fussballerischen Motto: Wenn wir sie nicht besiegen können, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt!

  3. Alle zwei Jahre muss man sich wieder erinnern lassen, was genau einen an Fußball so ratlos hinterlässt. Es würde auch seltener reichen, aber man soll ja sogar alle halbe Jahre zum Zahnarzt.

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