Giles Foden: Die wahre Geschichte der African Queen

Die wahre Geschichte der African QueenGestern mal wieder im Fernsehen: „African Queen“ (auf ARTE in der Fassung mit Szenen, die in der deutschen Kinofassung fehlten). Wenig bekannt ist, daß der Film auf einem Roman von C.S. Forester (genau, der mit den „Hornblower“-Romanen!) basiert. Für den Film wurde das Ende drastisch umgeschrieben, im Roman ist es nicht die „African Queen“, die den deutschen Dampfer versenkt, sondern zwei britische Motorboote.
Noch weniger bekannt ist, daß Forester sich von einer wahren Begebenheit hat inspirieren lassen. In „Die wahre Geschichte der African Queen“ erzählt Giles Foden diese Episode aus dem Ersten Weltkrieg. Foden ist in Afrika aufgewachsen, sein bekanntestes Buch dürfte „Last King of Scotland“ sein, über den Leibarzt von Idi Amin. (Übrigens großartig verfilmt mit Forest Whitaker als Idi Amin.)
Zum Buch: Zu Beginn des Ersten Weltkriegs beherrschen die Deutschen den Tanganjikasee in Ostafrika. Das ist natürlich den Briten ein Dorn im Auge. So wird eine Expedition auf den Weg geschickt, die den Deutschen die Vormachtstellung auf dem See entreissen soll. Zu diesem Zweck wird ein recht skurriler Commander (Geoffrey Basil Spicer-Simson) mit einer kleinen Gruppe Soldaten und zwei hölzernen Motorbooten ausgesandt. Er soll die beiden Schiffe versenken, die den Informationen der Briten zufolge auf dem See patroullieren: die „Kingani“ (45 Tonnen, 60 PS) und die „Hedwig von Wissmann“ (57 Tonnen, 60 PS). Die beiden Boote der Briten (die „Mimi“ und „Toutou“) wiegen nur 8 Tonnen, haben dafür aber 200 PS. Was die Briten aber nicht wissen: auf dem See gibt es noch ein drittes deutsches Schiff, die „Graf von Götzen„: 1200 Tonnen und 500 PS!
Der einzige Weg zum See führt für die Briten über Land: die Motorboote werden in quälender Arbeit quer durch Afrika geschleppt und am See wieder zusammengebaut. Alle möglichen Widrigkeiten stellen sich ihnen dabei in den Weg: von der Auswahl der falschen Schleppmaschinen bis zu Buschfeuern.
Schließlich gelingt es tatsächlich, den See zu erreichen – und dann steht mit der „Graf von Götzen“ ein übermächtiger Gegner vor ihnen.

„Die wahre Geschichte der African Queen“ ist ein Sachbuch, aber spannend wie ein Roman. Die Expedition Spicer-Simsons gehört eigentlich nicht in unsere moderne Zeit – es ist eine Aktion, die schon im Ersten Weltkrieg antiquiert wirkte. Ein faszinierendes Stückchen Geschichte, kenntnisreich erzählt. Wer es einmal gelesen hat, wird den Film mit ganz anderen Augen sehen…

P.S.: Die beiden Motorboote, die in Foresters Roman „The African Queen“ das deutsche Schiff versenken, das ist natürlich Spicer-Simson mit seinen Leuten. Schade, daß sie im Film fehlen…

P.P.S.: In seinem Buch „Eine Frage der Zeit“ erzählt Alex Capus, wie die „Graf von Götzen“ in Deutschland gebaut und dann nach Afrika geschafft wird…