Mark Z. Danielewski: House of Leaves (Das Haus) – Die Übersetzung

Das HausDank einer Kollegin konnte ich mir nun auch einmal die deutsche Ausgabe von „House of Leaves“ ansehen, „Das Haus“ eben, erschienen bei Klett-Cotta. Ohne es ganz gelesen zu haben, kann ich sagen: gut gelungen. Aber…

Und das ist ein grundlegendes „Aber!“ – muss man ein solches Buch übersetzen? Kann man es? Ich möchte hier in keiner Weise die großartige Leistung der Übersetzer (Christa Schuenke unter Mitarbeit von Olaf Schenk) schmälern. Sie haben aus diesem Buch das bestmögliche deutsche „herausgeholt“. Aber kann in einer Übersetzung noch alles vorhanden sein, was das Original ausmacht? Das würde doch bedeuten, daß die Übersetzer jedes Detail verstanden und erkannt hätten. Das halte ich bei einem Buch wie „House of Leaves“ für ausgeschlossen. Jeder Leser müsste neben den Rätseln, die der Text sowieso beinhaltet, auch immer im Hinterkopf haben, dass er „nur“ eine Übersetzung vor sich hat, dass Untertöne verloren sein könnten, dass verschlüsselte Hinweise einfach nicht mehr da sind.

Auch die typographische Gestaltung des Buchs stellt ein Problem dar für die Übersetzer. Als Beispiel hier eine Stelle (S. 278 in der Klett-Cotta-Ausgabe, S. 232 in meiner englischen Pantheon-Ausgabe):

Textvergleich House of Leaves / Das Haus

(Damit die Gestaltung erhalten bleibt, als Grafik.) Der deutsche Text klingt ziemlich gestelzt – aber anders ließ sich die Form nicht erhalten, die ja den Umriss einer Geschosskugel darstellt. Hier fragt sich der motivierte Leser: hat es eine Bedeutung, dass an dieser Stelle die Sprache so altertümlich klingt? Was will uns der Autor damit sagen? Garnichts – aber das kann man nur wissen, wenn man das Original heranzieht.

Fazit: Wer irgend kann, der sollte das Original lesen. Das ist fast immer so, hier aber mehr als bei den meisten anderen Büchern. Zuviel muss in der Übersetzung verloren gehen, zu viel ist nicht mehr zu deuten. Und die grundlegende Frage: muss man jedes „gute“ (d.h. erfolgreiche) Buch übersetzen? Dazu von mir ein klares „Nein!“. Gerade Bücher, deren Inhalt sehr über den reinen Wortsinn hinausgeht, sind kaum sinnvoll zu übersetzen.

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5 Gedanken zu “Mark Z. Danielewski: House of Leaves (Das Haus) – Die Übersetzung”

  1. Christa Schuenke? Eine auffallende Kapazität und ein glatter Melville-Bezug: Die hat 2002 den Pierre übersetzt. Vollständig hab ich den auch (noch) nicht gelesen, nur einstweilen festgestellt: Hey, das ist gut!

  2. Schuenke hat auch »The Confidence Man« (= »Maskeraden, oder Vertrauern gegen Vertrauen«, Achilla Presse) von Melville übersetzt.

    Vom wem stammt eigentlich die Umschlaggestaltung der deutschen Ausgabe von »Das Haus«?

  3. Leider hatte ich die deutsche Ausgabe auch nur “leihweise”. Ich werde mal versuchen, etwas rauszufinden. Ich meine aber, das deutsche Cover nicht so viel schlechter gefunden zu haben als das englische… Warum die Frage?

  4. Ich habe ›nur‹ die englische Ausgabe. Habe aber vor einiger Zeit im Laden ausführlich in der deutschen Ausgabe geblättert (und das ausführliche Leseprobe-PDF von Klett-Cotta genossen). Leider hat kein Laden in Ffm derzeit ein Exemplar des deutschen Buches mehr vor Ort. Da ich die Umschlaggestaltung sehr gelungen fand, würde ich gerne wissen, wem die zu verdanken ist. — Und ich brauche die Angabe für meine Rezi (›verlegen pfeiff‹). — Aber mach Dir keinen Stress. Ich kann auch an den Verlag mailen.

  5. Ein interessanter Artikel. Ich würde mal sagen, es ist leicht, sich gegen Übersetzungen auszusprechen, wenn man das Original versteht. Es gibt aber genug Leute, deren Englisch nicht gut genug ist, um mit so einem Buch im Original fertigzuwerden.

    Der Übersetzer mag nicht jedes Detail verstehen und sinnvoll übersetzen können, aber der deutsche Durchschnittsleser verfügt kaum um das Fremdsprachenwissen der Christa Schuenke, weshalb ihm vermutlich in der Originalfassung wesentlich mehr entgehen würde als in der Übersetzung. Von daher finde ich es durchaus sinnvoll, auch solche Bücher zu übersetzen.

    Ich habe das Buch allerdings auch „nur“ auf Englisch gelesen und mir sind zweifelsohne auch viele Details entgangen (z.B. habe ich auch nie verstanden, was die Geschichte mit dem explodierenden Schiff sollte), und das obwohl ich selbst Übersetzerin bin und meine Englischkenntnisse als überdurchschnittlich bezeichnen würde.🙂

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