Cormac McCarthy: No Country For Old Men (dt. „Kein Land für alte Männer“)

Im Urlaub habe ich es, nach langem Zögern gelesen. Viel besser als der Anfang befürchten ließ, ein typischer McCarthy: düster, zweifelnd, brutal. Und doch mit einem Funken Hoffnung…

Für alle, die es noch nicht kennen, kurz ein paar Worte zum Inhalt: 1980, irgendwo in der amerikanischen Wüste nahe der mexikanischen Grenze geht ein Drogendeal schief. Zufällig stolpert Llewellyn Moss, Vietnamveteran, über den Schauplatz des Geschehens – und läßt einen Koffer mit über 2 Millionen Dollar mitgehen. Natürlich sind nun alle Seiten hinter ihm her, vor allem aber Chigurh (das spricht man ähnlich aus wie „Sugar“). Chigurh ist ein Killer wie ihn nur McCarthy erfinden kann, effizient, mitleidlos und von einer eigenen Philosophie getrieben. Wer in seinen Weg gerät – ist tot…

Vorsicht Spoiler! Auch wenn sich die Geschichte nach einem konventionellen Thriller anhört, ist sie das – natürlich – nicht. McCarthy spielt sicher bewusst mit den Stereotypen des Genres, mit dem Vietnamveteranen auf der Flucht, dem gnadenlosen Killer und dem altmodischen Sheriff. Aber immer dann, wenn andere Autoren einen Höhepunkt eingebaut hätten, macht McCarthy das genaue Gegenteil. Es gibt drei Konfrontationen, die einen klassichen Showdown ermöglichen würden: Chigurh gegen Wells (das ist der Ex-Special-Forces-Colonel, der auf Chigurh angesetzt wird) – Wells wird im Sessel erschossen. Chigurh gegen Moss – die Szene wird noch nicht einmal beschrieben, wir erfahren nur, dass Moss tot ist, erschossen. Und schließlich Chigurh gegen Sheriff Bell – aber dazu kommt es nicht, Bell gibt vorher auf.

Was bleibt ist eine lakonische Beschreibung einer Welt, die in Gewalt versinkt und in der das Gute keine Chance hat. Denn:

Somewhere out there is a true and living prophet of destruction and I dont want to confront him. I know he’s real. I have seen his work. I walked in front of those eyes once. I wont do it again.*

Fazit: Absolut lesenswert, denn all das sinnlose Töten, das mich anfangs so abgeschreckt hat, ist im Zusammenhang doch nicht so sinnlos. Es ist notwendig, damit McCarthy sein düsteres Licht auf unsere Welt werfen kann…

* P.S.: Wie man am Zitat und Cover erkennt – ich habe die englische Ausgabe gelesen. Das ist nicht ganz leicht zu Beginn, denn McCarthy schreibt so, wie seine Figuren sprechen, mit einem texanischen (?) Akzent. Da steht dann „Maybe I should of took out after it.“ statt „Maybe I should have took out after it.“ und anderes („kindly“ statt „kind of“, „ever“ statt „every“ und die Apostrophe in „won’t“ oder „don’t“ und dgl. lässt er immer weg). Man gewöhnt sich aber daran…

Ein Gedanke zu “Cormac McCarthy: No Country For Old Men (dt. „Kein Land für alte Männer“)”

  1. Ich habe zwar das Buch nicht gelesen (dazu wäre mein Englisch auch viel zu schlecht), mir aber seinerzeit den Film angeschaut (und in meinem blog beschrieben). Die Botschaft war mir unklar geblieben, die Gewalt in Gestalt Chigurhs (ein herrlicher Name) geht unangefochten und unaufhaltsam durch die Welt, außer den direkt betroffenen scheint es noch nicht einmal jemanden zu interessieren. Wenn das die Botschaft ist, ein fürwahr düsteres Bild dieser Welt….

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