Paul Stewart & Chris Riddell: Barnaby Grimes – Der Fluch des Werwolfs

Von Stewart & Riddell stammt die Jugendbuch-Reihe „Die Klippenland-Chroniken“, die sich durch eine überbordende Fantasie, wunderbare Illustrationen und (für ein Jugendbuch) eine Menge Blut auszeichnet. (Und deren ersten Bände mir viel Spass gemacht haben – erinnern ein bisschen an Walter Moers „Rumo“ oder „13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ – aber ich schweife ab…) Jetzt also ein neues Buch: „Barnaby Grimes„. Der Untertitel „Der Fluch des Werwolfs“ verrät es schon – es wird mehr als einen Band geben, bisher sind auf englisch schon drei lieferbar.
Und das ist auch gut so, denn viel mehr als ein Appetitanreger ist dieser Band hier nicht. Knapp 190 Seiten, große Schrift und viele Bilder – erfahrene Leser brauchen keinen ganzen Abend dafür. Aber sie werden mit einem bemerkenswerten Helden belohnt. Barnaby Grimes ist Tick-Tack-Junge, wie er selbst sagt:

…eine Mischung aus Kurier und Laufbursche, nur dass ich schneller sein muss als der Erste und doppelt so fix wie der Zweite.

In einer Stadt, die sehr an das viktorianische London erinnert, wie es Dickens beschrieben hat, kennt Barnaby immer den kürzesten Weg zu seinem Ziel – meist über die Dächer. Er ist ein beneidenswerter junger Mann, selbstständig, intelligent, mutig, artistisch, belesen und charmant. Und er erlebt die haarsträubendsten Abenteuer.

Ein anderes Mal sollte ich Oberst Flattertons historische Schrift Chronische Beschwerden des verstopften Ablussrohrs an Abonnenten ausliefern und wurde unversehens von einem Rudel fleischfressender Salamander durch die Kanalisation gejagt.
Aber das ist eine so schauerliche Geschichte, dass sie ein eigenes Buch verdient.

Wird sie wahrscheinlich auch bekommen. In diesem Buch geht es um – erraten! – Werwölfe, die plötzlich in der Stadt auftauchen und einen merkwürdigen Doktor, der ein Wunderelixier an die Bedürftigen verschenkt. Als erfahrener Leser weiß man nach ungefähr einem Drittel des Buches, wie es ausgehen wird – trotzdem liest man weiter, Barnaby ist einfach unwiderstehlich! Und die Geschichte enttäuscht nicht, sie ist geradlinig und wird nie übermässig komplex. Für ein „kleines“ Jugendbuch eine feine Sache. Kann man getrost Jungs geben, die nicht „so gerne“ lesen. Allerdings ist es mit 14,90 Euro nicht ganz billig und von Viel-Lesern viel zu schnell verschlungen…