Sally Nicholls: Wie man unsterblich wird

Wie man unsterblich wirdEin Buch über jemanden, der in jungen Jahren an akuter lymphoblastischer Leukämie stirbt, gab’s vor kurzem schon mal: „Bis ich sterbe“ von Jenny Downham. Merkwürdiger Zufall, mehr aber auch nicht.
Dieses hier ist nämlich eigentlich völlig anders, auch wenn es das gleiche Thema behandelt. Das liegt sicher daran, dass die Hauptperson ein 11-jähriger Junge ist. Sam ist ein aufgewecktes Kerlchen, und im Gegensatz zu Tess in Downhams Buch hat er nicht nur Wünsche, er stellt sich auch Fragen. Fragen nach dem Wie und Warum. Fragen, die ihm niemand beantworten will. Natürlich hat auch er seine Liste mit Dingen, die er noch erledigen will, aber er hat andere Schwerpunkte. Und so unmöglich die Dinge anfangs auch erscheinen mögen – mit Verstand, Witz und seinen Freunden gelingt es Sam, seine Liste „abzuarbeiten“. Natürlich ist „Wie man unsterblich wird“ ein nachdenkliches, trauriges Buch. Aber über weite Strecken ist es auch außerordentlich witzig.

„Alles gilt als Unterricht, solange ihr euch wirklich Mühe gebt“, sagte sie. „Raketen sind Gegenstand des Physikunterrichts. Wozu brauchst du eine?“
„Um ins Weltall zu fliegen“, sagte ich.
„Ah“, sagte sie. „Das macht die Sache schon ein bisschen komplizierter. Das fällt dann schon eher unter … hm … imaginatives Lernen.“
„Heißt das – nein?“, fragte ich.
„Es heißt, kein Wort zum Gesundheitsamt und zum Sicherheitsbeauftragten“, sagte Mrs. Willis. „Und erwarte nicht, dass das Schulamt die Kosten übernimmt. Die zahlen mir ja schon kaum die Feuerzeugflüssigkeit für unsere Explosionen.“

Sam denkt bei der Verwirklichung seiner Träume recht „praktisch“, so lässt sich der Punkt „Freundinnen haben“ auch leicht „erledigen“, ebenso wie Rauchen und Alkohol trinken (das sind „typische Teenager-Dinge“). Dabei ist „Wie man unsterblich wird“ ein sehr gefühlvolles Buch, aber auf andere Art als „Bis ich sterbe“. Hier steht die Familie und die Freundschaft im Mittelpunkt, während Downham mehr Wert auf Liebe legt. Die sehr liebevoll geschilderte Familie Sams hat mir auch am besten gefallen, besonders der Vater, der erst das unabwendbare Ende leugnet, später aber doch für seinen Sohn da ist.

Sally Nicholls (Jahrgang 1984!) erster Roman, sicher ohne Kenntnis des Buchs von Jenny Downham entstanden, ist ein bemerkenswertes Debüt, frisch und spritzig geschrieben, ganz ohne den Kitsch, der sich so leicht einschleichen könnte. Müsste ich mich zwischen „Wie man unsterblich wird“ und „Bis ich sterbe“ entscheiden, ich würde das Buch von Nicholls bevorzugen – aber das ist eine ganz persönliche Vorliebe, die sicher mit dem Alter meiner eigenen Kinder zusammen hängt. Noch ein Tipp: für das Ende sollte man sich ein Päckchen Taschentücher bereitlegen…

LISTE NR.1
FÜNF TATSACHEN ÜBER MICH
1. Ich heiße Sam
2. Ich bin elf Jahre alt.
3. Ich sammle Geschichte und interessante Tatsachen.
4. Ich habe Leukämie.
5. Wenn du das hier liest, bin ich vermutlich tot.

The Corrs: Lough Erin Shore (Unplugged)

2 Gedanken zu “Sally Nicholls: Wie man unsterblich wird”

  1. Dear Mrs. Nichols.
    My name is Leonie and I am 12 years old. We just read your book at school. i would like to know what made you writte such a sad but beautiful book. We all loved it! Do you know someone with Leucemia? or even Sam himself? Please let me know. I really loved your book although i had to cry a lot.
    Best regards, Leonie

  2. Hallo Leonie – ich habe deinen Kommentar an Sally Nicholls weitergeleitet. Wenn ich eine Antwort bekomme, dann schicke ich Dir sofort eine e-mail!

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