Alan Moore / Dave Gibbons: Watchmen

Im Kino 2009. Das wird wohl der nächste große „Comic“-Hype. (Dabei ist es gar kein Comic, sondern eine „Graphic Novel“ – aber das nur nebenher.) „Watchmen“ erschien bereits Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts und hat seither zahllose Preise eingeheimst – unter anderem den HUGO-AWARD – und steht auf der Liste der 100 besten Romane des TIME MAGAZINE. Eine Klasse für sich, ganz ohne Zweifel…

„Watchmen“ beschreibt eine alternative Realität. Eine Welt, in der Superhelden-Comics out sind – denn sie dienten als Inspiration für „echte“ Superhelden, maskierte Rächer, die das Gesetz in die eigenen Hände nehmen. In den 30er Jahren fanden sich einige zusammen unter der Bezeichnung „Minutemen“ – Captain Metropolis, Silk Spectre, Mothman, Nite Owl, Comedian und andere. Alle ohne die Superkräfte, die wir aus den Comics so kennen, aber stark, gewandt und gewitzt. In ziemlich alberne Kostüme gekleidet, versuchen sie, die Welt sicherer zu machen. Sie erreichen aber eher das Gegenteil. Jedenfalls ist die Gegenwart (1985) in „Watchmen“ eine ausserordentlich düstere Angelegenheit. Obwohl die USA den Vietnamkrieg gewonnen haben und im Kalten Krieg ein paar Joker haben. Obwohl bereits in den 60ern Elektro-Autos eingeführt werden konnten. Obwohl die Maskierten in Rente geschickt wurden, nachdem die Polizei streikte, da sie sich in ihrer Arbeit behindert sah.

Bisher habe ich erst ein gutes Viertel der mehr als 400 Seiten gelesen. Dabei muss man beachten, dass sich „Watchmen“ nicht wie ein „normales“ Buch lesen lässt – es ist im Herzen ein Comic, wenn auch einer mit Ambitionen. Und das bedeutet, dass man sich die Bilder anschauen sollte. Vieles erfährt man, wenn man aufmerksam die Plakate und Zeitungen betrachtet, die irgendwo auf den Illustrationen auftauchen. So zum Beispiel das Wahlplakat von 1985, auf dem Nixon für „Four more years!“ wirbt.
Was sich nach diesem Viertel sagen lässt, ist folgendes: „Watchmen“ ist viel mehr als ein Superhelden-Comic. Es ist der Entwurf unserer Welt, wenn es solche Superhelden wirklich gäbe. Und der Versuch, diese Männer und Frauen zu charakterisieren, ihnen menschliche Züge zu geben. Das ist wirklich einzigartig.
Ausserdem habe ich beim Lesen das Gefühl, dass unglaublich viele Autoren, die ich mag, auch in irgendeiner Form von den „Watchmen“ beeinflusst sind. Das beginnt schon beim ersten Bild, auf dem Rorschach (einer der Maskierten) einen toten Hund am Strassenrand schildert. Eine ganz ähnliche Szene gibt es in „House of Leaves„. Auch der Stil, die unauffällig eingestreuten Hinweise, die codierten Nachrichten, erinnern an Danielewskis Buch. Ob die „Raw Shark Texts“ auch hier inspiriert wurden? Mal ganz gewagt gesprochen: wer sich für moderne, populäre amerikanische Literatur interessiert, der sollte „Watchmen“ kennen. Der Einfluss dieses Werks ist wahrscheinlich kaum zu überschätzen

Felt dark planet turn under my feet and knew what cats know that makes them scream like babies in the night. – Rorschach in Kapitel VI von „Watchmen“

Ein Gedanke zu “Alan Moore / Dave Gibbons: Watchmen”

  1. Und ob. Alan Moore ist auch der mit „From Hell“, das sind Geschichten, bei denen einem erst mal körperlich die Luft wegbleibt — und alles in gar nicht mal so aufwendigen Bildern. Lesebefehl😉

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