Alina Bronsky: Scherbenpark

Ein Debutroman, mal wieder. Alina Bronsky ist eine junge Autorin (Jahrgang 1978), die ihre Jugend in Russland verbrachte, dann nach Deutschland kam und hier nach abgebrochenem Medizinstudium als Texterin bei einer Werbeagentur und als Redakteurin einer Tageszeitung arbeitete. Und nun „Scherbenpark“.

Ich habe das Buch vor ein paar Tagen ausgelesen, aber ich weiss noch immer nicht so recht, wie ich es finden soll. Es ist flott geschrieben, lässt sich auch flott lesen. Anfangs ziemlich witzig, die Ich-Erzählerin selbstironisch:

Ich kann Deutsch, weil mein Kopf voll ist mit grauer Substanz, die wie eine Walnuss aussieht und makroskopisch viele Windungen hat, mikroskopisch dagegen eine stolze Menge Synapsen. Ich habe vielleicht ein paar Millionen Synapsen mehr als Anna, bestimmt sogar. Außer Deutsch kann ich auch Physik, Chemie, Englisch, Französisch und Latein. Wenn ich mal eine Zwei kriege, kommt der Lehrer zu mir und entschuldigt sich.

Allerdings hat die „Heldin“ des Romans, Alexandra „Sascha“ Naimann, wirklich traumatische Erfahrungen zu bewältigen, dass sie ihren Stiefvater Vadim umbringen möchte, kann der Leser bald durchaus verstehen. Sascha ist also nicht die schnoddrige, coole Göre, die sie gerne wäre. Sie ist ein Mädchen mit einem grossen Problem. Dass sie sich um ihre kleinen Geschwister kümmern muss, macht es nicht leichter. Und ihr Leben im „Russengetto“ ist auch nicht einfach. Diese Situation hat mal als Leser nach gut sechzig Seiten begriffen, auch wenn ein paar grausige Datails erst nach und nach heraus kommen. Dann aber lässt sich Sascha plötzlich auf einige erotische Eskapaden ein, die mich ziemlich überraschten. Für eine junge Frau, die Männer so sehr hasst, ist sie erstaunlich bereitwillig… (Anfangs dachte ich, da wollte vielleicht jemand auf der Welle von „Feuchtgebiete“ mitschwimmen – allerdings erspart uns die Autorin hier sämtliche Datails, so dass das nicht in Frage kommt.) Von nun an wurde der Roman für mich immer schwerer nachvollziehbar. Stellenweise hatte ich das Gefühl, Episoden zu lesen, die nicht mehr viel mit der Geschichte zu tun hatten. Und Saschas Handlungen werden auch zunehmend merkwürdiger, warum, ist mir nicht ganz klar. (Ich denke, der Auslöser soll der Zeitungsartikel sein, aber ganz überzeugend ist das für mich nicht.) Ein richtiges Ende gibt es dann auch nicht – alles bleibt offen.

Insgesamt? Ich weiss es einfach nicht. Ich habe selten ein so gut geschriebenes Buch gelesen, mit dem ich so wenig anfangen konnte. Auf der Internetseite zum Buch gibt es den Satz eines Lesers „Hab hinterher komisch geträumt.“ Dem kann ich mich anschliessen. „Scherbenpark“ werde ich so schnell nicht vergessen. Mein Rat: selber lesen, vielleicht verstehen Sie’s ja. Dann schreiben Sie mir einen Kommentar, damit ich es auch verstehe. Danke.

Hier übrigens der Link zur Seite des Bachmann-Preises mit Video-Portrait, Lesung und mehr.

5 Gedanken zu “Alina Bronsky: Scherbenpark”

  1. hallo jesse,
    ich weiß nicht, wo ichs sonst hinschreiben soll, aber kannst du nicht mal eine liste mit büchern für kinder bloggen?
    sowas, was du deinen plagen vorgelesen hast! oder selbst als kind verschlungen. oder für besonders wertvoll hälst.
    du sitzt doch an der quelle, mach doch mal, ich fänds toll!

    an meiner liste auf meinem blog kannst du auch sehen, was david und ich so lesen. vielleicht findest du was, was dazu passt?!
    so langsam geht uns der lesestoff aus!😀

  2. EIne junge Kollegin, die „Scherbenpark“ auch gerade liest, meinte übrigens, Sie könne die Stellen, die mir Kopfzerbrechen bereiten, gut nachvollziehen. Das sei verständliches pubertäres Mädchenverhalten. Ihr (meiner Kollegin) leuchtete es sofort ein, dass Sascha bei Volker (dem Ersten) weiche Knie bekommt!

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