Jean-Philippe Toussaint: Zidanes Melancholie

Was passiert, wenn ein „Meister des heiteren Lebensernstes“ (Iris Radisch in Die Zeit) sich den bemerkenswertesten Moment des Fußball-WM-Endspiels 2006 vornimmt? Jenen berüchtigten Kopfstoss des Zinedine Zidane gegen Marco Materazzi? Ein ganz und gar ungewöhnliches Büchlein kommt heraus…
Ungewöhnlich schon in Form & Grösse: gerade mal 32 Seiten (Textbeginn auf S.7, Ende auf S.25 – oben), A6-Format, Grossdruck. Mit doppelseitigen Bildern. Erwarten Sie also nicht zu viel Text. Und erwarten Sie auch nicht das, was der Klappentext vollmundig verspricht: „… beschreibt minutiös die Ereignisse des 9. Juli 2006 …“ Toussaint ist Literat, kein Sportreporter.
Da werden keine Geheimnisse gelüftet, keine neuen Erkenntnisse ans Licht gezerrt. Oder doch? Toussaint interpretiert die „Geste“ Zidanes auf eine Art und Weise, wie man sonst eher Handlungen von Personen in Romanen interpretiert. Das ist nicht schlecht. Diese „Geste“ (ich mag den Ausdruck) auf Zidanes seelische Verfassung, seine Melancholie eben, zu schieben, hat einen gewissen Reiz.

„Zidanes Melancholie“ ist ein seltsames Ding. Für ein Buch von immerhin 6 Euro ist’s eigentlich zu wenig. Zu wenig Text und auch zu wenig Idee. Das reicht für einen Blogeintrag, nicht für ein Buch. Aber dennoch…
Man könnte es verschenken – ein Fussballbuch mit Anspruch.

Versuchen Sie es doch mal. Gibt’s bei Amazon immerhin schon ab 0,73 Euro (gebraucht)…