Matt Beynon Rees: Der Verräter von Bethlehem

verraetervonbethlehemWieder mal ein Krimi, in dem der Kriminalfall nur eine untergeordnete Rolle spielt: eigentlich beschreibt Rees in seinem ersten Roman den schreckenerregenden Alltag im besetzten Bethlehem. Von mächtigen Märtyrerbrigaden und hilflosen Polizisten erzählt „Der Verräter von Bethlehem“, von Muslimen und Christen, vor allen Dingen vom Sterben in einem Land ohne Gesetz.
Omar Jussuf ist ein alternder Lehrer an der UNO-Mädchenschule von Bethlehem. Als sein ehemaliger Schüler und Freund George Saba verhaftet wird, muss er erkennen, dass die Gerechtigkeit niemanden hat, der für sie eintritt. So beschliesst er, selbst zu ermitteln. Man wirft dem Christen Saba vor, einen Widerstandskämpfer an die Israelis verraten zu haben – auf Kollaboration steht die Todesstrafe. Jussuf findet heraus, dass einer der Anführer der Märtyrerbrigaden mit dem Mord zu tun hat. Doch dann wird erneut ein Mord verübt – diesmal eine ehemalige Schülerin Jussufs. Der Amateurdetektiv muss sich fragen: war er an diesem Tod schuld? Haben seine Ermittlungen den Täter auf die Spur gebracht? Und: wem kann er noch trauen?
Wie gesagt: als Krimi kann man „Der Verräter von Bethlehem“ trotz Morden, Ermittler und Polizisten kaum bezeichnen – dennoch liest es sich spannend, auf eine erschreckende Art und Weise. Während des Lesens muss man sich immer wieder klar machen: diese Zustände herrschen in diesem Teil der Welt. Jetzt.
Da leiden unschuldige Menschen unter Fanatikern (auf allen Seiten), der Tod gehört zum Alltag und Hoffnung gibt es kaum. Ein wirklich eindringliches Buch. Sollte man ruhig mal lesen…