Neal Stephenson: Anathem (Fazit)

anathem-fazitDie abschliessende Bewertung steht noch aus – hier kommt sie, fällt mir aber nicht ganz leicht.

Wie man aus den ersten beiden Einträgen zu „Anathem“ entnehmen konnte, war ich vollkommen begeistert. Bis etwa dreihundert Seiten vor Schluss kann Stephenson mich fesseln – seine Darstellung dieser Welt, Arbre, ist faszinierend, vielschichtig, spannend. Dann aber muss er sich auf die eigentliche Story konzentrieren. Ich will hier nicht zu viel verraten, deshalb nenne ich es mal das „Ereignis“. Dieses „Ereignis“ ist ein wirklich weltveränderndes. Um es richtig zu verstehen, braucht der Leser ein bisschen Nachhilfe zu grundlegenden physikalischen (und auch philospohischen) Fragen. Quantentheorie und die sich daraus ergebenden Fragen nach der Natur des Kosmos. Viele-Welten-Interpretation zum Beispiel. Nun kann Stephenson das ja schlecht einfach erklären, darum lässt er verschiedene Personen in seinem Roman darüber diskutieren. Während das einerseits interessant und auch irgendwie spannend ist, wüsste man doch als Leser gern, wie es denn nun weitergeht…
Nach diesen ziemlich langen Seiten voller kosmologischer Debatten (und vieler Andeutungen) folgt dann ACTION! Da geht es richtig zur Sache und das „Ereignis“ rückt noch mal in den Mittelpunkt. Es wird aber auch richtig verwirrend. Was daran liegt, dass oben erwähnte Theorien praktisch angewendet werden.
Und schliesslich das Ende. Wie es sich für einen guten SF-Roman gehört, bleiben viele Fragen unbeantwortet, bzw. der Leser kann sich seine eigenen Antworten zusammenreimen. Das finde ich nicht weiter schlimm. Was mich jedoch traurig gestimmt hat, ist die Tatsache, dass das „Ereignis“ die Welt Arbre für immer verändert hat. Und das es das Arbre der ersten sechshundertundirgendwas Seiten nicht mehr gibt. Das ist die Art von Enttäuschung, die beim Lesen von Winnetous Tod in Karl Mays „Winnetou III“ aufkommt – das unwiderrufliche Ende einer wunderbaren Geschichte. Obwohl – hier vielleicht nicht wirklich unwiderruflich…?

P.S.: Meine erste Einschätzung bezüglich der Unübersetzbarkeit ins Deutsche möchte ich zurücknehmen. All die Begriffe, die ich anfänglich für schwer zu übersetzen hielt, braucht man nicht zu übersetzen. Sie sind englischen Lesern ebenso unbekannt wie deutschen Lesern; ob nun Fraa oder Mynster oder Avout – das sind alles Wortschöpfungen, die in einer Sprache genau so gut funktionieren wie in einer anderen…

2 Gedanken zu “Neal Stephenson: Anathem (Fazit)”

  1. Ich weiss noch nix von einer deutschen Ausgabe. Im September 09 kommt aber immerhin eine englischsprachige Taschenbuchausgabe raus…
    /Edit: Seit Januar 2010 verfügbar: die deutsche Ausgabe!/

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