Vorsprung durch Technik *

DVD-Tipp: Iron Man

Mk. I
Mk. I

Nachdem ich ja schon im vorigen Jahr davon geschwärmt, den Film im Kino aber leider verpasst habe, jetzt endlich auf DVD gesehen: „Iron Man“ mit Robert Downey jr.

Robert Downey jr. als Hauptdarsteller in einem Superhelden-Film? Seltsamer Einfall. Aber tatsächlich brillant. Wer hätte den nicht mehr ganz jungen, arroganten und versoffenen Playboy besser spielen können?

In „Iron Man“ lernen wir Tony Stark (Downey) kennen, in zweiter Generation Chef von Stark Industries – einem grossen Waffenfabrikanten. In Afghanistan stellt er dem US-Militär die neueste Errungenschaft seiner Firma vor, „Jericho“, eine Boden-Boden-Rakete mit beachtlichem Zerstörungspotential. Auf dem Rückweg von der – sehr erfolgreichen – Vorführung passiert es dann: Stark wird entführt, von afghanischen Banditen („The Ten Rings“). Und er wird verletzt – Granatsplitter sitzen in der Nähe seines Herzens. Um ihn am Leben zu erhalten, setzt man ihm einen Elektromagneten auf die Brust, der beständig die Splitter anzieht und so Starks sicheren Tod verhindert.
Das klingt vielleicht ein bisschen schrullig – und ist es auch. Aber es ist eine wichtige Sache, die aus den Original-Comics stammt (Iron Mans erster Auftritt: März 1963). Diese Granatsplitter am Herzen sind Starks Achillesferse (sic!), sie sind das, was Kryptonit für Superman ist und deshalb unumgänglich, auch in einer modernen Adaption der Geschichte.
Die Banditen möchten Stark zwingen, „Jericho“ für sie zu bauen – aber Tony Stark hat andere Pläne. Die setzt er um und schmiedet (buchstäblich!) seinen „Mark I“, einen furchteinflössenden Körperpanzer, mit dem ihm die Flucht gelingt.
Auch hier müssen die Macher des Films wieder Zugeständnisse an die Comic-Vergangenheit des „Iron Man“ machen. Die Szenen, in denen Stark den Anzug schmiedet, sind zwar visuell beeindruckend (wenn man bedenkt, dass Downey nicht immer besonders gesund gelebt hat, sieht er in diesen Sequenzen besonders gut aus), sind aber nicht wirklich glaubhaft. Niemand, nicht einmal ein genialer Multimilliardär mit Starks Wissen, kann mit einfachsten Werkzeugen etwas wie den Mk.I erschaffen. Noch viel weniger hätte er allerdings „Jericho“ nachbauen können…
Sei’s drum: Stark flieht, kommt zurück nach Amerika und bastelt weiter an seinem Anzug. Was er in Afghanistan gesehen und erlebt hat, hat einen besseren Menschen aus ihm gemacht, mit der Produktion von Waffen soll Schluss sein, lieber möchte er die Welt verbessern. Und persönlich dafür sorgen, dass mit „seinen“ Waffen kein Unheil angerichtet wird…
Besonders eindrucksvoll: die Szenen, in denen Stark zuhause an seinem Anzug arbeitet. Das Computerprogramm, das er dazu verwendet, gibt dem Begriff „3D-Software“ eine neue Bedeutung. Jeder, der schon einmal mit 3D-Software gearbeitet hat, dürfte hier ein Pfützchen auf der Zunge bekommen. Einfach in ein Modell hineingreifen können und es so manipulieren – wunderbare Vorstellung. Schliesslich stellt er seinen neuen Anzug fertig und testet ihn – anfangs mit wenig Erfolg. Doch er bekommt das in den Griff…
Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte – die ist allerdings sehr viel weniger schmalzig als in vergleichbaren Streifen. Und Gwyneth Paltrow als Victoria „Pepper“ Potts ist wunderbar spröde.
Natürlich gibt es jemanden, der Tony Stark übel gesonnen ist und am Ende kommt es zum Showdown. Und natürlich ist es nur der Anfang, Teil zwei ist für 2010 geplant…

Ich fand „Iron Man“ grossartig. Popcorn-Kino vom allerfeinsten. Ein Film, der vielleicht eher das etwas „reifere“ Publikum (30 Jahre aufwärts?) anspricht. Durch den ganzen Film zieht sich ein ironischer Unterton, ganz ernst nimmt man sich hier nicht. Der Hauptdarsteller ist brillant (wirklich: Downey ist perfekt in dieser Rolle!), sein Superheld kommt ganz ohne pubertäre Sorgen (á la Spiderman) aus, gute Special Effects, die aber nicht in den Vordergrund drängen. Und die Kameraführung ist für einen Film dieses Genres erstaunlich ruhig – man verzichtet glücklicherweise auf die im Moment üblichen schnellen Schnitte, bei denen der Zuschauer bald nicht mehr weiss, was er da eigentlich sieht. Hier kann man der Handlung folgen, auch in den Actionszenen! Eine rundum gelungene Comic-Umsetzung!

P.S. Falls Sie es nirgends sonst gehört haben: bleiben Sie bis zum Ende des Nachspanns sitzen. Dann tritt noch Samuel L. Jackson auf, als Nick Fury

Foto: mikeinlondon (via flickr), Video: CVandrH2o (via youtube)

* = Für den Film hat offenbar Audi grosszügig seine Modelle zur Verfügung gestellt. Irgendwie sehr passend, den Slogan „Vorsprung durch Technik“ könnte sich Iron Man auch auf seinen Anzug schreiben. Und wo Sie schon mal auf der Website von Audi sind: konfigurieren Sie sich doch mal Tony Starks Spielzeug, den R8. Vielleicht gefällt er Ihnen so gut, dass Sie spontan einen bestellen? Dann sagen Sie doch bitte bei Audi Bescheid – vielleicht kriege ich ja Provision…