James Sallis: Driver

sallis-driver1Nach „Anathem“ bin ich büchermässig in ein Loch gefallen. Das hier habe ich aber dann an einem Abend verschlungen! Was natürlich teilweise daran liegt, dass es nur rund 150 Seiten sind. Aber auch daran, dass es sich um ein grossartiges Buch handelt!
„Driver“ ist schon 2007 im Verlag Liebeskind auf deutsch erschienen, wurde mit dem Deutschen Krimi-Preis 2008 (Kategorie International) ausgezeichnet und führte auch mal die KrimiWeltBestenliste an. Jetzt als Taschenbuch bei Heyne für erschwingliche 7,95 Euro (die gebundene Ausgabe war 16,90, stolzer Preis für 158 Seiten).
Der Roman von James Sallis erzählt aus dem Leben von Driver (einen Namen erfahren wir nicht). Driver kann eines besonders gut: Auto fahren. So verdient er sein Geld als Stuntfahrer beim Film – und nebenher schon mal als Fahrer bei Überfällen. Dabei hat er eine Regel: er fährt nur.

>>Ich fahre. Das ist alles, was ich mache. Ich bin nicht dabei, wenn du das Ding planst, und auch nicht, wenn du’s den anderen verklickerst. Du sagst mir, wo es losgeht, wohin wir fahren und wo es anschliessend hingeht. Du bestimmst die Uhrzeit. Ich beteilige mich an nichts, ich kenne niemanden, ich bin unbewaffnet. Ich fahre.<<

Natürlich geht es nicht immer so einfach, plötzlich steht Driver mit einer Viertelmillion Dollar da, die der Mafia gehören, und einer Blondine, der er nicht traut. Aber Driver ist ein harter Knochen – das muss auch die Mafia feststellen. So gibt es reichlich Tote und am Ende bleibt nur einer übrig…
Trotz all der bekannten Versatzstücke (man denkt ja unwillkürlich an „Ein Colt für alle Fälle“ und „Driver“ mit Ryan O’Neal) ist das hier keine Gaunergeschichte, nicht mal ein wirklicher Krimi (oder gerade die Essenz des Krimis?). Ausserordentlich lakonisch erzählt, immer wieder mit Zeitsprüngen, die der Leser sich selbst zusammenreimen muss, erfahren wir hier etwas von einer Existenz nicht nur am Rande der Gesellschaft, sondern jenseits davon. „Driver“ ist im Grunde ein sehr trauriges Buch über Enttäuschungen von Kindheit an. Und das wunderbar geschrieben…

Jodies alter Fahruntersatz war ein Ford F-150, so anmutig wie eine Schubkarre, so zuverlässig wie Rost und Steuern, so unzerstörbar wie ein Panzer. Mit Bremsen, die eine Lawine aufhalten konnten, und einem Motor, der stark genug war, um Gletscher zu verschieben. Wenn Bomben die Zivilisation, wie wir sie kennen, auslöschen, werden zwei Spezies aus der Asche wieder hervorkommen: Kakerlaken und F-150er. Die Kiste ließ sich lenken wie ein Ochsenkarren, schüttelte einem sämtliche Plomben aus den Zähnen und sorgte dafür, dass man sich permanent wund geritten fühlte, aber sie war ein echter Überlebenskünstler. Machte ihren Job, was immer der Job auch war.
Genau wie er.

(Hier im Blog findet sich immer mal wieder der Suchbegriff „ähnlich Jack Reacher“. Versuchen Sie das mal. Es könnte Ihnen gefallen! Ein kleines Juwel.)

Oh, und auf der Liebeskind-Seite steht folgende kurze Meldung:

Hugh Jackman spielt „Driver“
Schauspieler Hugh Jackman übernimmt die Rolle des „Driver“ in Neil Marshalls Verflimung von James Sallis‘ gleichnamigem Roman. Die dt. Ausgabe erschien im Herbst 2007 bei Liebeskind und wurde mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Laut Universal Pictures sollen die Dreharbeiten 2009 beginnen.