Jonathan Barnes: Das Königshaus der Monster

barnes-koenigshausLondon, heute. Das Ende der Welt ist nah! Naja, jedenfalls das Ende Londons. Denn vor langer Zeit hat das britische Königshaus einen Pakt geschlossen, der das Empire sichern sollte. Einen Pakt mit einem göttlichen Wesen: Leviathan. Nun steht Leviathans Ankunft kurz bevor, der sich holen will, was ihm versprochen wurde: London. Das einzige, was ihm dabei im Wege steht ist das Direktorium, eine unglaublich geheime Geheimorganisation, die seit langer Zeit einen (natürlich geheimen) Krieg gegen das Haus Windsor führt. Und Henry Lamb, seines Zeichens Archivar in der STAATLICHEN ARCHIVVERWALTUNG – DEPOT- UND URKUNDENREGISTER. Als Henrys Grossvater („der alte Lumpensack“) – früher Spitzenagent des Direktoriums – ins Krankenhaus eingeliefert wird, beginnt eine Kette seltsamer Ereignisse ihren Lauf zu nehmen, an deren Ende – wir ahnen es – Henry die Welt retten wird. Naja, jedenfalls London retten wird.
Bis dahin tauchen noch diverse skurrile Gestalten auf, es fliesst reichlich Blut, in die Erzählung mischt sich eine fremde Stimme und die Welt gerät aus den Fugen. Naja, jedenfalls gerät London aus den Fugen…

„Das Königshaus der Monster“ (im Original „Domino Men“) ist eine indirekte Fortsetzung des wunderbaren „Das Albtraumreich des Edward Moon„. Wie bei „Moon“ taucht auch hier das Direktorium auf, die Präfekten sind wieder mit von der Partie und es wird uns eine Realität präsentiert, die so knapp unter der Oberfläche unseres Alltags existieren könnte. (Wenn wir einfach mal annehmen, dass Magie und Übernatürliches real sind.) Aber ich muss gestehen, dass ich mich schon besser amüsiert habe. „Das Königshaus der Monster“ ist Langeweile auf sehr hohem Niveau. Sprachlich durchaus lesenswert und gelgentlich witzig, ist die Geschichte durchschaubar und auch durch die „fremde Stimme“ wird sie nicht wirklich interessanter. (Anders als bei „Moon“, wo wir ja einen Erzähler hatten, der mit seiner Erzählung ganz eigene Ziele verfolgte.) Das Ende ist dann zwar irgendwie ganz anders als gedacht – aber eher enttäuschend. Ein wenig hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass da jemand den Stil aus „Moon“ kopieren wollte, ohne dass es recht gelang…
Und es ist eine Quasi-Fortsetzung – trotzdem wird praktisch nichts über den ersten Roman erzählt. Nur der sehr unsympathische Dedlock mit seinem Direktorium und die (auch nicht besonders netten) Präfekten tauchen wieder auf. Wir erfahren zwar etwas über die Geschichte des Direktoriums, das deckt sich aber kaum mit dem, was der geneigte Leser aus „Moon“ kennt. Da wäre es doch vielleicht besser gewesen, eine komplett neue Story zu beginnen, statt den Leser in der unbefriedigten Hoffnung zu lassen, er könne doch noch etwas über „die Sache in Clapham“ erfahren oder den Schlafwandler oder die seltsame Gestalt, die rückwärts durch die Zeit lebt(e)…

Wirklich schade, ich hatte mich so auf dieses Buch gefreut – leider sind meine hohen Erwartungen enttäuscht worden. Wer „Das Albtraumreich des Edward Moon“ noch nicht kennt und kurzweilige, skurrile Unterhaltung sucht, der kann sich mit „Das Königshaus der Monster“ vielleicht anfreunden. Wer aber den Erstling von Barnes geliebt hat, der sollte lieber die Finger von diesem Buch lassen. Jonathan Barnes hat – meiner Meinung nach – sein hohes Unterhaltungspotential hier nicht ausgeschöpft.