Brian D’Amato: 2012 – Das Ende aller Zeiten

Brian D'Amato: 2012
Brian D'Amato: 2012

“2012 – Das Ende aller Zeiten” von Brian D’Amato ist zum Teil Weltuntergangs-Thriller, etwas Science-Fiction, ein wenig historischer Abenteuerroman, garniert mit einer Prise Esoterik. Ach ja, und es enthält eine der bemerkenswertesten Sex-Szenen die ich je gelesen habe – mit dem typographisch schönsten Höhepunkt, den ich kenne…
Das alles (bis auf den letzten Punkt) trifft aber auch auf fast jeden Dan-Brown-Roman zu, was macht also „2012“ so besonders? Es liegt vor allem am Ich-Erzähler des Romans: Jed DeLanda. Eigentlich Joaquin Carlos Xul Mixoc DeLanda. Seine Biografie ist, wie man so schön sagt, „voller Verwerfungen“: in Guatemala als Maya-Nachkomme geboren, gehörte er zu einer verfolgten Minderheit. Seine Eltern wurden von guatemaltekischen Soldaten entführt und vermutlich ermordet. Statt im staatlichen Waisenhaus zu bleiben, schlich sich Jed in eines der Mormonen, wurde adoptiert und verbrachte den Rest seiner Jugend in den USA. Jed leidet an Hämophilie und PTBS, weist leicht autistische Züge auf (er sagt von sich selbst, dass er mit menschlichen Gesichtern nichts anfangen könne) und verfügt über Inselbegabungen (so kann er zum Beispiel zu jedem beliebigen Datum nicht nur den Wochentag nennen, sondern auch die Zeiten für Sonnen-, Mond-, Venus- und wasweissichnochalles-Auf- und Untergang). Ausserdem hat er einen ziemlich skurrilen Sinn für Humor.

Komm schon, Jed, dachte ich. Ganz wie Winston sagt: Wenn dich
irgendjemand fragt, ob du ein Gott bist, dann sagst du: Ja. Kapiert?
Okay.

Sein Geld (das er dann zum Beispiel in einen 1973er Plymouth Barracuda steckt), verdient Jed mit Warentermingeschäften an der Börse. Und dazu hat er einen Trick: das „Opferspiel“, das er als kleiner Junge von seiner Mutter gelernt hat. Ein altes Maya-Spiel, irgendwo zwischen Go und Mensch-ärgere-dich-nicht, mit dem man zwar nicht wahrsagen kann, das aber bei Prognosen in bestimmten Bereichen hilft.

Durch seine Kenntnis des Opferspiels und sein Interesse an der alten Maya-Kultur gerät Jed schliesslich an ein Projekt, dessen Ziel nichts weniger als die Rettung der Welt ist. In einem Kodex der Maya wird eine Prophezeiung gefunden, die für den 21.12.2012 das Ende der Menschheit ankündigt. Die vorherigen Prophezeiungen im Kodex stimmen, deshalb nimmt man die Sache ernst. Erstellt wurde die Vorhersage mit einer Form des Opferspiels, die sehr viel komplexer ist als alles, was man kennt. Um das Ende der Welt zu verhindern, muss jemand das Spiel lernen. Und das geht nur im Jahr 634 n. Chr. – bei den Maya selbst…
Nun sind Zeitreisen ja leider unmöglich.

Aber, aber, aber … wir kennen einen Ausweg.

So gerät Jed (genauer: ein Jed) tatsächlich in den Kopf eines Maya im Jahr 634. Der ist alles andere als glücklich über seinen ungebetenen Gast und würde ihn gerne wieder loswerden. Was natürlich nicht geht. Zusammen mit Jed entdeckt der Leser nun die grossartige und gnadenlose Welt der Maya. (D’Amato nimmt sich hier diverse Freiheiten, das ist eben ein Roman.)

„2012 – Das Ende aller Zeiten“ ist hochspannend, erstaunlich kurzweilig (im letzten Drittel gibt es ein paar Längen, aber das stört kaum), dank Jed DeLanda auch voller Humor. Allerdings ist das Buch stellenweise ziemlich drastisch und blutrünstig (die Maya im Roman waren nicht zimperlich). Wenn es inhaltliche Schwächen gibt (darüber denke ich noch nach), stören sie jedenfalls nicht das Lesevergnügen.

Hinweis: Diese Rezension bezieht sich auf das Lese-Exemplar, das sich von der „Verkaufsversion“ doch erheblich unterscheidet. Es beruht offenbar auf einem noch nicht ganz fertigen Manuskript und auch die Übersetzung selbst braucht noch etwas Feinschliff – den die Ausgabe, die im Handel ist, auch bekommen hat, soweit ich es beurteilen kann. Falls Sie also die eine oder andere von mir zitierte Stelle (so) nicht finden – jetzt wissen Sie, warum…

NACHTRAG (22.6.2010): Die Fortsetzung „2013 – Botschaft für die Gegenwart“ erscheint laut Verlag am 18.2.2011…

6 Gedanken zu “Brian D’Amato: 2012 – Das Ende aller Zeiten”

  1. Das letzte Fünftel habe ich noch vor mir.
    Der skurrile Humor ist wirklich wichtig, um die, teilweise blumig geschilderten, blutrünstigen Szenen für zarte Gemüter erträglich zu machen😉
    Ich bin sehr auf die „Auflösung“ gespannt.

    Allerdings nerven die vielen Tippfehler und Nachlässigkeiten doch sehr…

  2. “Tippfehler und Nachlässigkeiten”? Die sind also auch in der endgültigen Version nicht ausgemerzt worden? Schade…
    Sag noch mal Bescheid, wenn du ganz durch bist – ich hab da ein Problem mit einer ganz grundlegenden Sache im Buch!

  3. Ich rechne fest damit, heute Abend fertig zu werden.
    Wollen wir die „grundlegende“ Sache hier besprechen?

    Oder verschonen wir Deine Besucher vor Spoiler😉

  4. Lieber verschonen. Ich schreib‘ mal eine Mail. Wobei ich glaube, dass ich fast schon selbst die Lösung habe. Aber es ist nicht so richtig greifbar…

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