Gary Gibson: Lichtkrieg

gibson-lichtkrieg„Lichtkrieg“ hatte ich vor einigen Wochen schon in der Hand, damals fehlte mir aber die Zeit dafür. Statt dessen habe ich ein wenig im Internet nach dem Autoren gesucht. Gary Gibsons Blog unter http://www.whitescreenofdespair.blogspot.com ist äusserst lesenswert. Zum Beispiel sein Artikel über eBooks und eBook-Reader. Wenn Sie sich für Vampire interessieren, dann lesen Sie mal die Geschichte „The Ranch„. Das ist eine der originellsten Vampirgeschichten, die ich kenne…

Gary Gibsons „Lichtkrieg“ ist leider bei weitem nicht so originell. Dem eifrigen SF-Leser wird vieles bekannt vorkommen…
Kurz zum Inhalt. Etwa 500 Jahre in der Zukunft hat sich die Menschheit weit im Weltraum ausgebreitet, doch bewohnbare Planeten sind rar. Und es gibt nur eine Zivilisation, die über die Technik des Überlichtantriebs (bei Gibson wird es „Transluminalantrieb“ genannt) verfügen. Die Shoal gestatten es ihren „Klientenrassen“ einen festgelegten Teil des Weltraums zu besiedeln und transportieren sie in ihren Kernschiffen über die weiten Strecken zwischen den Sternen. Doch sie hüten sorgsam das Geheimnis des Transluminalantriebs.
Als auf einem einsamen Planeten ein Wrack entdeckt wird, das offenbar aus einer anderen Galaxis stammt, macht sich eine zusammengewürfelte Expedition auf den Weg, das Wrack zu bergen…

Die grosse Geschichte ist dabei durchaus spannend und auch in sich schlüssig. Auch die Auflösung und das Ende gefallen mir gut. Nicht so gut gefallen mir die Personen. Mich stört das permanente Misstrauen das jeder gegen jeden hegt. Gerade glaubt man, zwei würden sich vertrauen, da überlegen sie es sich wieder anders. Auch hat Gibson ein „Talent“ dafür, bei seinen Figuren einen ersten Eindruck zu erzeugen, der falsch ist. So bei der Heldin Dakota Merrick, die dem Leser auf den ersten Seiten wie eine unbezwingbare Kampfmaschine erscheint – was sie leider garnicht ist. So bei Lucas Corso, den wir anfangs für einen mutigen, entschlossenen Mann halten – und der ganz anders ist. So bei Kieran Mansell, der auftaucht und Corso das Leben rettet – und dann ein fieser Knochen ist.

Insgesamt sind mir alle Figuren in „Lichtkrieg“ zu unscharf und wenig überzeugend. (Haupt- und Nebenfiguren!) Das könnte ich ehrlich gesagt noch verschmerzen, wenn das Erzähltempo diesen Mangel verbergen würde. Aber leider ist Action auch nicht unbedingt Gibsons ganz starke Seite. Gerade die Stellen, an denen es „zur Sache geht“, stören meiner Meinung nach eher die durchaus spannende Handlung. Da will er zu viel…

„Lichtkrieg“ ist solide Science-Fiction, aber nicht überragend. Wenn ich Punkte oder Sterne oder sowas verteilen würde, bekäme das Buch dreieinhalb von fünf. Aber Gary Gibson sollte man im Auge behalten. Da könnte noch was draus werden…