Anthony E. Zuiker & Duane Swierczynski: Level 26 – Dark Origins

Anthony E. Zuiker ist der „Schöpfer von CSI„, wie es gross vom Cover prangt – und das merkt man.
In „Level 26“ erfahren wir, dass die amerikanische Bundespolizei Gewaltverbrecher in 25 Kategorien einteilt, von 1 für Gelegenheitstäter bis 25 für die abscheulichsten Serienkiller. Und nun raten Sie mal, warum das Buch „Level 26“ heisst…
Mit den schlimmsten Verbrechen beschäftigt sich eine Sondereinheit des FBI, die „Special Circumstances Division“, einer ihrer besten Agenten war Steve Dark. Doch Dark kam vor einigen Jahren dem schlimmsten aller Verbrecher zu nahe. Dafür musste er einen furchtbaren Preis zahlen – und quittierte den Dienst.

Dieser Verbrecher wird vom FBI „Sqweegel“ genannt, er mordet seit Jahrzehnten, hinterlässt nicht die geringste Spur (da wären die Jungs und Mädels von CSI ziemlich ratlos!) und ist – natürlich – extrem grausam. Nun plötzlich wird er in die Kategorie 26 eingestuft, die es eigentlich garnicht gibt. Politischer Druck macht’s möglich, der Verteidigungsminister der USA fühlt sich angegriffen. Und so setzt er Darks ehemaligen Chef Riggins darauf an, Steve Dark wieder ins Team zu holen. Was noch keiner weiss: genau das ist Sqweegels Plan…

– Wenn Sie das Buch noch selbst lesen möchten, sollten Sie hier nicht weiterlesen! –

Natürlich ist „Level 26“ genau so überzeichnet, wie man es von Fernsehserien wie „CSI“ kennt. Allermodernste Technik, hingebungsvolle Ermittler, gnadenlose Killer. Unser Held, Steve Dark, ist so nah an Sqweegel herangekommen, weil er sich in dessen Gedankenwelt einfühlen konnte, einfach wusste, wohin sich der Mörder als nächstes wenden würde. Warum das so ist, bleibt offen – allerdings hat der aufmerksame Leser nach Lektüre des Buchs eine ziemlich gute Vorstellung von der Ursache dieser „Seelenverwandtschaft“. Jedenfalls wird Dark wieder mit dem Fall betraut, weil er diese besondere Begabung hat. Nur blöd, dass er sie nicht braucht! Zweimal trifft er auf seinen Gegner – beim ersten Mal dank eines Handys, beim zweiten Mal dank einer aufmerksamen Kollegin. Nichts mit Einfühlungsvermögen. Jeder einigermassen kompetente (TV-)Polizist hätte das so hinbekommen.
Und überhaupt: der Gegner! Sich einen Kriminellen auszudenken, der schlimmer ist als alles, was man sich ausdenken kann, ist schwierig. Genau genommen geht es nicht. Auch nicht in diesem Roman. Sqweegel ist grausam, brutal, gnadenlos – aber das sind hundert andere Roman-Killer auch. Seine besondere Begabung liegt darin, in kürzester Zeit in winzigen Verstecken zu verschwinden, dort stundenlang bewegungslos zu verharren und dann plötzlich und bestialisch zuzuschlagen. Wie genau das gehen soll, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Ebenso wie einige andere Kunststücke – wie zum Beispiel schafft er es, mit einer Kugel in der Schulter ungefähr drei Stunden schneller als der ermittelnde Beamte durch Amerika zu jetten? „Mit viel Geld“ ist die wenig inspirierte Antwort. Aber eigentlich kann er es, weil es sonst mit der Geschichte nicht weiter geht. Es gibt einige solcher Situationen im Roman. Auch Sqweegels Motivation bleibt – selbst nach dem Show-Down – im Dunkeln. Hinter den ganzen Effekten verbirgt sich – nichts. Wer auf einen Roman in der Qualität der „Hannibal Lecter“-Bücher von Thomas Harris hofft, der wird masslos enttäuscht sein. Wer nur auf billigen Nervenkitzel aus ist, der könnte auf seine Kosten kommen. Denn schnell und spannend geschrieben ist „Level 26“ schon. Man darf nur sein Hirn nicht bei der Lektüre einschalten…

Oh, fast hätte ich’s vergessen: „Level 26“ ist ja die erste „Digi-Novel“ der Welt! Heisst: etwa alle 20 Seiten erhält man einen Zugangscode um auf der Seite „level26.com“ (nach einer kostenlosen Registrierung) einen kurzen Filmclip („Cyber-Bridge“ genannt) anzuschauen, der Teil der Handlung ist. Diese Filme sind durchaus professionell gemacht und vermitteln einige zusätzliche Informationen. Mein Problem ist dabei, dass ich keine Lust habe, ständig meine Lektüre zu unterbrechen um online einen Filmclip anzusehen. Also habe ich mir die meisten nachträglich angesehen. Nun kann ich sagen, dass keine wichtigen Informationen verloren gehen, wenn man sich die Cyber-Bridges schenkt. Einiges erscheint sinnvoller (z.B. die Schnecke aus Kapitel 62, von der im Roman nie wieder die Rede ist, deren Schicksal man aber in Cyber-Bridge 12 verfolgen kann). Wichtige Infos werden später immer noch nachgereicht. Wie zum Beispiel hier: Kapitel 66, Seite 279 und Cyber-Bridge 13 – exakt die gleiche Information erhält der Leser dann auf Seite 339, vorher spielt sie auch keine Rolle.
Ein besseres Buch wird „Level 26“ durch die „Digi-Novel“-Technik nach meiner Meinung nicht. Aber vermutlich richtet sich der Titel auch an eine Zielgruppe, der ich nicht angehöre – die kurze Leseeinheiten & multimediale Inhalte zu schätzen weiss…

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