Josh Bazell: Schneller als der Tod

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie diesen Artikel!

BuchcoverEinen Thriller zu schreiben, mit dem ich völlig zufrieden bin, ist schwierig. Josh Bazell hat es mit „Schneller als der Tod“ (deutsch von Malte Krutzsch) geschafft. Bösartige Einblicke in den Mediziner-Alltag, reichlich Action, Mafia- und Krimi-Elemente und ein sympathischer Held: Hochdosierte Spannung, beste Unterhaltung!

Zum Inhalt:
Peter Brown ist Assistenzarzt an einem amerikanischen Großstadt-Krankenhaus. Und er lebt unter falschem Namen, denn seine Karriere und sein Medizinstudium hat ihm das Zeugenschutzprogramm ermöglicht. Früher kannte man Peter Brown als Pietro Brnwa – Killer für die Mafia. Einer mit einem „Gewissen“, der nicht wahllos tötet, sondern sich an seine eigenen Regeln hält. Damit macht er sich in der Mafia nicht nur Freunde und so sieht er sich gezwungen, mit der Polizei zusammen zu arbeiten um zu überleben.
Nun ist er also Arzt, ein verdammt guter, wenn auch extrem zynisch. Und eines Tages trifft er einen Patienten, den er von früher kennt. Ein todkranker Mafioso stellt Brown ein Ultimatum: entweder er rettet sein Leben, oder die Mafia erfährt von „Doktor Brown“.

Was folgt, ist ein atemloser Kampf ums Überleben, erzählt in schnoddrig-ironischem Ton.

„Bei welcher Firma sind Sie?“, frage ich.
„Martin-Whiting Aldomed“, sagt sie.
„Haben Sie Moxfan?“
Moxfan ist das Medikament, das Bomberpiloten bekommen, die von Michigan zum Bombenabwerfen in den Irak und wieder zurückfliegen sollen, ohne anzuhalten. Man kann es schlucken oder als Treibstoff benutzen.
„Allerdings. Aber was krieg ich dafür?“
„Was möchten Sie denn?“, sage ich.
Sie steht direkt vor mir. „Was ich möchte? Wenn ich darüber erst nachdenke, fange ich an zu heulen. Wollen Sie mich etwa weinen sehen?“
„Arbeiten wäre schlimmer.“
Sie gibt mir einen neckischen Klaps und beugt sich über den Reißverschluss ihres Trolleys. Wenn sie Unterwäsche trägt, muss die von einer mir unbekannten Machart sein.

Während sich Brown mit den Widrigkeiten des Lebens als Mediziner herumschlägt, erfahren wir in Rückblenden wie und warum Brnwa zum Killer und dann zu Brown wurde und warum er die Mafia verraten hat. Dabei sind die Dialoge mindestens so gut wie die Action-Szenen und besonders die immer wieder eingestreuten Anekdoten über das Krankenhausleben machen Spass:

OP-Anzüge sind doppelseitig tragbar, für den Fall, dass man eine Anästhesie oder so etwas machen muss, aber zu müde ist, um sich die Hose richtig anzuziehen.

Für mich ist Josh Bazells Erstling der beste Thriller, den ich kenne. Ist natürlich Geschmackssache. Aber wenn Ihnen ein paar Tote nichts ausmachen, Sie bösartigen Humor zu schätzen wissen und eine rasant erzählte Geschichte mögen, dann sollten Sie auf jeden Fall „Schneller als der Tod“ eine Chance geben. Ich habe das Buch an einem einzigen, langen Abend verschlungen, konnte es nicht mehr aus der Hand legen!

Noch ein Wort zum grossen Showdown: wenn Sie der Meinung sind, das wäre unglaubwürdig – da könnten Sie recht haben. Aber wenn man sich dieses Ende als Ziel nimmt, und dann einen Helden erfinden soll, der das hinkriegt, wer wäre besser geeignet als Peter Brown, Ex-Mafia-Killer mit Kampfsportkenntnissen, Medizinstudium und praktischer Erfahrung als Arzt, an Schlafentzug leidend, unter dem Einfluss von Aufputschmitteln und einem wirren Medikamentencocktail, in Todesangst und äußerster Verzweiflung. Mich hat es beeindruckt, wie konsequent die Geschichte auf diesen Höhepunkt hin ausgerichtet ist…

2 Gedanken zu “Josh Bazell: Schneller als der Tod”

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