Olen Steinhauer: „Der Tourist“ vs. John LeCarré: „Dame, König, As, Spion“

Ich muss hier mal ganz unfachmännisch einfach meine Ansicht zu zwei Büchern loswerden, die mich beide nicht vom Hocker gehauen haben. Ein recht neues – „Der Tourist“ von Olen Steinhauer – und ein recht altes – „Dame, König, As, Spion“ von John LeCarré. (Auf dem Bild ist übrigens die Vorabversion von „Der Tourist“ zu sehen, im Handel sieht das Buch ein wenig anders aus…)
Beides Spionageromane, die sich weniger um Spionage als um Spione drehen, in beiden geht es um Verrat in den eigenen Reihen, um Doppelagenten, um Maulwürfe.

In „Der Tourist“ gibt es eine Passage, die haargenau das schildert, was den Leser im Buch erwartet:

In Spionagefilmen gab es immer ein klares Ziel. Die Tonbandaufnahme eines Gesprächs, die irgendeine bedeutsame Tatsache bewies. Ein Mann, der die Antworten auf bestimmte Fragen kannte. Genau diese Schlichtheit machte solche Geschichten unterhaltsam. Doch in Wirklichkeit folgte die nachrichtendienstliche Arbeit nur äußerst selten einer klaren Logik. Fakten sammelten sich an, viele von ihnen völlig nutzlos, manche verheißungsvoll, aber letztlich trügerisch. Nur mit großer Geduld und einem geübten Auge konnte man entscheiden, was Beachtung verdiente und was nicht.

Mit reichlich nutzlosen Fakten wird der Leser konfrontiert, klare Logik gibt’s nicht, garniert wird das Ganze mit einem Schuss Action. Sehr lange blieb (jedenfalls für mich) ganz unklar, worauf das Buch eigentlich hinauswill. Bei mir erzeugte die Lektüre Kopfschütteln. So hatte ich mir einen „erstklassigen Thriller“ (sagt immerhin Lee Child) nicht vorgestellt!

Also stellte ich mir die Frage: wenn das der „würdige Nachfolger von John LeCarré“ (schreibt immerhin die New York Times) sein soll, wie liest sich dann ein LeCarré? Denn, ich muss es gestehen, von dem habe ich bisher noch nie ein Buch gelesen. Dabei stand „Dame, König, As, Spion“ schon seit Urzeiten im Bücherregal meines Vaters.
Nun habe ich es gelesen und muss sagen: viel besser ist das eigentlich auch nicht. Was für das Buch spricht: auf Actioneinlagen wird fast völlig verzichtet, LeCarré beschränkt sich aufs Wesentliche. Was das aber ist? Da tappte ich zwei Drittel des Buchs völlig im Dunkeln. Vielleicht bin ich nicht geschaffen für diese Art von Literatur, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendjemand Spass daran haben könnte, diese Ansammlung von Fakten zu lesen, die Smiley (der Protagonist) sammelt. Manche der Personen, die vorkommen, ergeben für mich gar keinen Sinn – wie der Polizist Mendel zum Beispiel. Wo kommt der her? Habe ich geschlafen, als ich das Kapitel gelesen habe, in dem er vorgestellt wurde?
Und das Ende? Gähn! Ach so ist das! Gähn! Schön…
Immerhin „Dame, König, As, Spion“ hat einen altertümlichen Charme, eine Langsamkeit, die modernen Büchern (auch „Der Tourist“) völlig abgeht. Man liest ein Kapitel und wird wunderbar schläfrig…

Fazit: Kein Genre für mich! Ich werde die Finger von solchen Titeln lassen!

P.S.: Eine echte Rezension zu „Der Tourist“ finden Sie bei aus.gelesen – dem habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen. Nur vielleicht, dass ich es nicht besonders spannend, kurzweilig oder unterhaltsam fand…

P.P.S: Dieser Artikel steht ganz bewußt nicht in der Rubrik „Buchrezension“ – da hat er nämlich nichts verloren!

2 Gedanken zu “Olen Steinhauer: „Der Tourist“ vs. John LeCarré: „Dame, König, As, Spion“”

  1. ok, ich würde heute auch nicht mehr „spannend“ schreiben, das trifft es in der Tat nicht. Es war eher so eine Neugier, wie der Autor das Buch nun wirklich mal enden lassen will, wie er die ganzen Verwicklungen aufzulösen gedenkt….

    lg
    fs

  2. Ja, neugierig war ich auch auf das Ende – was ja nicht mal das schlechteste ist. Ganz übel kann ein Buch nicht sein, wenn ich es bis zum Schluss lese…

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